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07.01.2009 19:30

2 Monate Abenteuer auf der Südhalbkugel

 

7. November 2008

Am Freitag haben wir eine tolle Abschiedsparty gefeiert. Viele Freunde waren dabei und ich danke Euch für die guten Wünsche und tollen Geschenke. Bei mir läuft buchstäblich der Countdown, aber die ToDo-Liste will nicht kürzer werden. Mal sehn, 1 1/2 Tage bleiben ja noch.

Danke nochmal an dieser Stelle an Peggy Stein, die es mir mit Ihrem unklomplizierten und liebenswerten Einsatz in letzter Minute ermöglicht hat, Euch Berichte und CoolImpressionen von der Südhalbkugel zeitnah schicken zu können. Hoffentlich klappt's. Zwinkernd

 

Tag 1 | 12./13. November 2008

Tach zusammen !

Und wie das klappt mit dem InternetZunge raus!!! Heiner und ich sitzen derzeit in SdC am Flughafen und warten auf unseren Abflug nach Iquique. Gestern haben meine Karin und mein Freund Francesco mich nach Frankfurt gebracht, um 17 Uhr war es endlich geschaftt und wir konnten Düsseldorf verlassen. Die ToDo Liste wanderte in den Papierkorb - es war erstaunlich wenig Nichterledigtes übrig. Schon ein komischer Abschied für eine solange Zeit. Aber man muß das einfach mal erleben. Jedenfalls haben Heiner und ich uns pünktlich zur Abreise um 22.20 in Ffm. getroffen und jetzt sind wir zusammen schon 13.500 KM bis SdC mit dem Lufthansa Jumbo und der SWISS geflogen . Und wir haben ab jetzt 4 Stunden Zeitverschiebung zu Euch. Merke: Übergepäck kostet in Frankfurt glatte 30 Euro pro Kilo, also Robert und Heinrich, es heißt wieder auspacken. Friedhelm erwartet uns nun heute Abend um 19.15 in IQU und dann hoffen wir nur, dass die Mopeds da sind er sie schon für uns geputzt hat. Wir hatten ihm schließlich genug Vorsprung gegeben. SdC hat uns mit 18 Grad Celcius und Sonne begrüßt und dank meiner reizenden Sitznachbarin Margitta aus Mönchengladbach hatte ich die Möglichkeit, die schneebedeckten ANDEN durch "ihr" Fenster zu fotografieren. Ein majestätisches und fantastisches Erlebnis. Die Bilder können nur die Hälfte ausdrücken von dem, was wir gesehen haben.

Es grüßen Klaus und Heiner. Hasta luego !!

 

Tag 2 | 14. November 2008

Die schlechte Nachricht zuerst : das Schiff kommt erst morgen an, und dann arbeitet hier keiner, trotz großer Bemühungen von JORGE. Apropos JORGE. Diesen tollen Kerl lernte Friedhelm in Garmisch bei den BMW Bikersdays kennen und wurde von ihm eingeladen - falls er zufällig mal voebei kommtCool. Jorge hat hier eine kleine BMW Motorrad Werkstatt - www.sammotos.cl - handelt mit Panzern und Haubitzen und macht mit seinem Freund Ricky aus SdC geführte Chile- und Südamerika Touren. Jorge scheint hier eine Institution zu sein, alle kennen und grüßen ihn. Er war früher mal "General". Also was macht Jorge ? Er gab uns heute 3 Adventures, schickt uns seinen Fahrer, damit der uns zur Bank und zum Supermarkt kutschiert, damit wir erstmal eine Grundversorgung haben und dann fährt Jorge mit uns am Meer lang zum Lunch in die beste Fischbude von Iquique. Soviel Fisch auf einmal hat noch keiner von uns gegessen und so lecker. Als wir kaum noch PIEP sagen konnten ist er mit uns noch in die Berge oberhalb von IQU gefahren, so 1000 m hoch, um die fantastische Aussicht zu genießen, dann noch in seine Werkstatt, den ganzen morgigen Tag erklärt, Benzinkanister eingepackt und uns die Route für eine 600 km Tour morgen gegeben. Es geht dabei nur auf 5000 m hoch an die Grenze zu Bolivien, aber Jorge meint, wir packen das. Na denn !! Und heute Abend Barbeque in unserem Backpackers Hostel am Strand, wenn die jungen Leute es mit uns alten Säcken denn mal aushalten, aber die wolllten das. Die Mädels kochen und kaufen das Fleisch und wir sind für Brot und Schnaps ( O-Ton Mädels aus Canada und Ireland - sind schon ein Jahr unterwegs ) verantwortlich. Wir haben natürlich noch Chips, Rotwein, Oliven, Nüsse, chilenischen Obatzter,Chorizo und...... vieles mehr eingekauft, mensch, das wird ne Party. Und morgen früh um 9 los ! Hier ist es jetzt 21.10 ,,,lets get ready to rumble.

Es grüßen Eure 3 von der Südhalbkugel - Buenas noches !

 

Tag 4 | 15.-16. November 2008

Wooooaaa ! Die ersten Kilometer in Chile liegen hinter uns. Es waren 500 hin und zurück und uns ist ganz schön die Luft ausgegangen, deshalb mussten wir auch früher umkehren. 100 Km Offroad Einlage hatten es auch in sich. Tanken in der Wüste aus dem Kanister war auch dabei. Weil es auf der gesamten Strecke keine Tankstelle gibt, hatten wir 3 Kanister Sprit mit. Tanken bei chilenischem Wind: ein echtes Unterfangen.! Und dann diese beeindruckende Landschaft. Noch nie haben wir etwas Vergleichbares gesehen. Und wenn Ihr die Bilder anschaut sehen die Berge am Horizont vielleicht normal aus, aber da sind wir ja schon 3,5 bis 4000 m hoch. Eine wundervolle Farbenpracht hatte der gestrige Tag zu bieten und je höher wir kamen, desto prächtiger war die Vegetation. Eigentlich erwartet man das ja eher umgekehrt. Unten auf 1000 m sah es nämlich aus wie auf dem Mond. Wir sind zum PUCHULDIZA GEISIR gefahren, mitten auf einen kleinen Salzsee. Hier brodelt es in ein paar Löchern (ca. 85 Grad) auf 4100 m Höhe und es gibt einen riesigen Schwefelberg der aussieht wie ein Schneekollos vom letzten Winter. Wilde Esel gab es und Alpacas, ein paar Geier und die 30 Km oneway bis dorthin waren unser erstes Endurotraining über Stock und Stein und durch den Sand. Wie soll das erst mit unseren aufgerödelten Maschinen gehen ? Und die SALITRERA SANTA LAURA haben wir uns angeschaut, aus einem Leben vor unserer Zeit, heute wohl Weltkulturerbe. Unzählige Gräber säumen die Seitenstreifen der Straßen und Pisten, der Verkehr ist hier wirklich viel gefährlicher und abenteuerlicher als bei uns. Und dann die tiefstehende Sonne auf dem Weg zurück, da sieht man praktisch nichts mehr. Zum Sonnenuntergang waren wir wieder in Iquique gegen 20 Uhr. Ein kurzes und tolles Schauspiel, für uns aus 1000 m Höhe über IQU zu erleben. Heute am Sonntag machen wir Pause am Strand. Gestern Abend erfuhren wir dann noch, dass in IQU der Zoll streikt. Das würde bedeuten, dass wir am Montag unsere Mopeds nicht bekämen. Das wäre ein Drama aber kein Weltuntergang, nur unsere Tour würde schon eine gewaltige Veränderung in Bezug auf Peru erfahren müssen, also: Schaun wir mal dann sehn wir schon.

In diesem Sinne hasta luego!
Eure 3 Biker, die gleich bei 24 Grad und Sonne in den Pazifik springen

 

Tag 5 | 17. November 2008

Jetzt sitzen wir hier in IQU, das Schiff liegt im Hafen, aber es ist kein Arbeiter da um es zu entladen. Jorge hat sich 2 Stunden heute morgen um Zoll und alles gekümmert, aber wenn er das nicht schafft, schaffts keiner. Außerdem gibt es die wildesten Gerüchte bezüglich Peru. Die Grenze ist z.Z. scheinbar dicht, weil die Farmer auf der peruanischen Seit Straßensperren aufgebaut haben und niemanden durchlassen. Wir sind hier im BACKPACKER HOSTEL IQU und hier treffen stündlich neue Leute ein mit den unterschiedlichsten Erlebnissen. Heute morgen 2 ältere Damen aus Südafrika, die vorletzte Nacht die Grenze unter starker Militärpräsenz passieren konnten. Letzte Woche haben 2 junge Amerikanerinnen 3 Tage im Bus an der Grenze festgesessen. Also, hier brodelt es schon gewaltig, so soll es halt immer sein, in Südamerika. Trotzdem: ich jedenfalls bin ganz entspannt, für Heiner ist es natürlich viel unangenehmer, er muss ja schon in 2 Wochen zurück. Dank Jorge haben wir aber immer noch 3 Mopeds vor der Tür stehen, vielleicht versuchen wir einen 3-4 Tagestrip zur Salzwüste SALAR DE UYUNI und SALAR DE ATACAMA. Eine diffuse Situation. Jetzt in der Sekunde kommt Jorge rein und sagt: Jungs, die Grenze ist dicht, die Minenarbeiter in Peru streiken und blockieren die Straßen. Also: Ruhe bewahren und Ekel überwinden. Und zwischen Chiles und Argentinas Grenzübergängen gibt’s auf jeder Seite 10 km Stau, weil auch dort Arbeiter streiken. Also fahren wir um 14 Uhr mit Mopeds zum Lunch nach Süden, dort sind die besten Fischbuden. Und mit Jorge macht das viel Spaß, er zeigt uns dann die ein oder andere tolle Strecke und tolle Aussichtspunkte.

Hasta Luego
Klaus

 

Tag 6 | 18. November 2008

Tagesausflug nach Pica. Mopeds bleiben im Hafen unter Verschluß. Frust macht sich breit. Ende leider nicht in Sicht. Wir fahren dann mal ein bißchen los.

Bis denne...
Klaus

Ausflug zur Oase von Pica war schön. Dort gibt es tatsächlich Süßwasser in der Wüste und es blühen Blumen und es wachsen Zitronen. Drum herum Einöde pur, lebensfeindlich und traurig. Trotzdem gibt es Zivilisation. Keiner weiß, was "die" da machen. Heute abend bewegten sich die Kräne im Hafen und Container wiuden entladen. Doch der Zoll, keiner weiß, was dort wirklich gespielt wird. Aber wir werden es erleben. In der Freihandelzone waren wir shoppen, Kameras und Laptops zum halben Preis. Und Weihnachten ist ausgebrochen. Viel Spaß mit den Bildern. Wir lassen uns nicht unterkriegen.

Buenas noches
die 3 Chilenen, die gern Peruaner werden möchten

 

Tag 7 | 19. November 2008

Keine Chance unsere Mopeds aus dem Hafen zu bekommen. Das Abenteuer Südhalbkugel begrenzt sich im Moment echt auf eine Stadt: Iquique - da muß man wirklich mal Urlaub machen. Wenn der Pazifik nur etwas wärmer wäre.

Also, wir werden wahrscheinlich heute packen und morgen sehr früh die Stadt verlassen Richtung SALAR de ATACAMA. Dort werden wir dan ne Runde über den Salzsee drehen, uns den Sonnenaufgang von einem hohen Berg aus anschauen und dann Sonntag Abend wieder hier sein. Und dann schauen wir Montag weiter. Ob ich die nächsten Tage mehr berichten kann weiss ich noch nicht.

Bis denne
Klaus

 

Tag 8 | 20. Novermber 2008, 01:15 Uhr

Heute abend waren wir mal in der "Altstadt" von IQU. Es gab sogar Rock Music auf dem Marktplatz. An allen öffentlichen Gebäuden hängt ein Schild "en paro" / "im Streik". Wir haben heute in der Zeitung gelesen, dass die Hafenarbeiter gestreikt und ein öffentliches Gebäude besetzt und verrammelt haben. Darauf sei Militär oder Polizei gekommen, hätte das Gebäude geräumt, Schlägerei, 24 Personen in den Bau und teilweise verletzt. Dem entsprechend sind die Fronten verhärtet. Gesprochen wird erst wieder am Freitag und dann sehen wir mal, was dabei rauskommt. Wir fahren jedenfalls morgen nach SAN PEDRO DE ATACAMA, direkt an den Salzsee auf 2500 m um uns auch ein bi0chen an die Höhe zu gewöhnen, denn hier sind wir ja seit einer Woche auf Meereshöhe. Sieht auf der Landkarte so nah bei aus, sind aber 600 km ein Weg. Und dann planen wir einen 2 tägigen Offroad Turn durch die Anden zurück. Irgendwas muss ja gehen in dieser Einöde. Sonntag Abend sind wir dann hoffentlich um viele Eindrücke und Erfahrungen reicher wieder in IQU zurück. Drückt uns die Daumen, dass wir nicht noch Weihnachten hier sitzen. Soviel chilenischen Rotwein können die gar nicht produzieren, um unseren Frust zu ersäufen. Und laßt den Dax mal wieder steigen bei Euch in D-land. Sonst kaufen die Chilenen noch Opel, die könnten hier gute Autos gebrauchen.

Buenas noches und bis bald
Die 3 Streikbrecher

 

Tag 9 | 21. November 2008

Doch noch ein paar kurze Zeilen an unsere Frauen, Freunde und Interessierten. Heute war der geilste Tag in Chile. San Pedro de Atacama, ein Dorf mit einem Straßennetz, das eine kirre werden läßt. Na klar, Asphalt gibt es hier sowieso nicht, aber viel Sand und Staub. Hier gehen die Uhren anders. Unser Tag heute bestand aus 100 km offroad hin und 100 km offraod zurück, zum Swimming Pool auf 4300 m Höhe. Genaueres und Bild gibt nächste Woche, es lohnt sich. Und dann zum Abschluss Sonnenuntergang im Valle de Luna. Da hatte der liebe Gott echt ein paar gute Designer engagiert.

Bis bald und viele Grüße an die Nachhut
Euer TUXI

 

Tag 10 | 22. November 2008

Es ist viertel vor sieben, ich habe gegessen habe ein Bett gefunden für eine Nacht. Ich habe mit 2 Gesten gezeigt, dass ich gern hier schlafen und etwas zu essen haben möchte. Das geht auch ohne Spanisch Kenntnisse. Mehr Auswahl gibt’s hier in Ullague auch nicht. Jetzt ist es viertel vor neun und ich schreib noch ein bißchen weiter.

Der heutige Tag war einer der emotionalsten und bewegensten Tage in meinem Leben. Ich habe das Abenteuer Chile angenommen und erlebt, die Bilder von heute können nicht im Geringsten wiedergeben, was ich gesehen und erlebt habe. Man bräuchte dazu immer einen 180 Grad Panoramablick.

Wir haben uns heute zum ersten Mal getrennt, weil Heiner und Friedhelm mit der Höhe nicht gut klarkommen. Die Beiden nehmen die touristische Route von San Pedro de Atacama über Antofagasta nach Iquique zurück, ich fahre allein 600 km durch die Anden nach IQU. Den ersten Tag habe ich geschafft. Habe mir so etwas nicht träumen lassen. Hätte Euch gern alle dabei gehabt. War oft sehr gerührt beim Anblick dieser so wundervollen Welt. Habe viele bewegende Momente erlebt, kann sie nicht in Sätze fassen. Hier angekommen in der einfachsten Welt, die man sich vorstellen kann, platzen plötzlich 12 DänenBiker in den Laden und wir haben wunderschöne 2 Stunden miteinander. Die machen grad eine geführte „Chaostour“ auf KTMs. Jetzt hat sich zum Schluss noch der alte schwerhörige Patrone zu mir gesetzt und wir haben uns die wundervollen Fotos der letzten Tage auf dem Laptop angeschaut. Ich glaube der denkt, ich sei vom anderen Stern, aber er war sehr ergriffen. Ich glaube, er hat sein Land noch nie so gesehen.

Ich möchte an dieser Stelle ganz besonders Astrid und Thomas vom www.prolog-endurotraining.de Team danken. Mit Euren Tips und der wunderbaren Einweisung ins Endurofahren habe ich diese Herausforderung heute geschafft. Ohne wäre es nicht möglich gewesen. Danke und bis bald !!

Auch einen besonderen Dank möchte ich unserem Freund JORGE NEIRA aus Iquique aussprechen. Jorge, without your bikes and your support we never could see this amazing country in the last 10 days. Thank you very much and I would be very very lucky if we meet us again in Germany next year when I could show you a small part or my little Country Germany. Perhaps by bike.

2 mal habe ich mich heute verfahren. Da stellst Du nach 1 ½ Stunden offroad im Stehen fahren fest, dass es nicht weiter geht und dann ? 1 ½ Stunden die gleiche schwierige Strecke zurück. Und dann biegst Du kurz vor dem Ziel nach rechts ab, weil die Karte das so hergibt und stellst fest, dass Du wohl die letzten Stunden ganz woanders gefahren bist als Du dachtest, also nicht oberhalb sondern unterhalb der Stadt rausgekommen bist. Also wäre Linksabbiegen besser gewesen. Nach 25 km wieder offroad triffst Du dann ein Auto, das Dir entgegen kommt. Das hälst Du gestikulierend an und fragst: „to Ullague ??“ und die sagen „Uschawe !!“ und zeigen in die andere Richtung. Also 45 km im Stehen mit Tempo 100 durch den Sand hinter dem 4 x Drive Toyota hinterher. So hatte ich dann für die letzten 100 km 6 ½ Stunden gebraucht. Aber die haben sich gelohnt.

Ach ja… und da waren da noch die 2 Zugführer des Zuges, der mich den halben Tag irgendwie immer begleitet hat (siehe Bilder). Und die haben immer gehupt, wenn ich auf sie gewartet und fotografiert habe. Die erkannten mich hier im BRIN BRAN (meinem Hostel mit Designe Bad) wieder und ich musste einige Bier mit ihnen trinken, insbesondere als ich ihnen einige Kugelschreiber und keyholder für ihre Kinder geschenkt habe waren sie vor Freude kaum zu bremsen. „ich mach die Kinder glücklich“ (ein Insider)

 

Tag 11 | 23. November 2008

Schlecht geschlafen und ich breche um 9.15 Uhr auf zur Andenetappe über einen Pass (?) nach Pica, von da aus zurück nach IQU. Ca. 300 km schätze ich und los geht’s. Traumhafter Ausblick ins Gebirge, nach 5 km habe ich mich im Sand festgefahren, bin das so am frühen Morgen mit wenig Mut zu zaghaft angegangen. Weißer feiner Sand und der Hinterreifen steckt bis zur Narbe drin. Was tun ? Ausbuddeln !! Da naht ein LKW, ich winke wild und erkläre ihnen in klarer Zeichensprache, dass ich hier ohne sie nicht rauskomme. Also steigen sie aus und schwupp ist die Karre aus dem Dreck. Danke. Weiter geht’s … ein Schild. Wo muss ich lang ? Falsche Interpretation folgt, weil meine Karte und die Namen auf dem Schild nur wenig gemeinsam haben. Also gerade aus und das Abenteuer beginnt. Nach gut einer Stunde bin ich am Ende des Weges, da geht’s nicht mehr weiter, nur noch ein track am Abgrund lang. Das kann doch nicht meine Route sein. Hier kann nur eine Entscheidung richtig sein: ZURÜCK ! Ich schalte mein Garmin ein. Höhe 5135 m, fantastischer Blick in die Bergwipfel der Anden aber weit entfernt von dem Punkt, wo ich hätte sein müssen. Der Abstieg ist mühsam. Ich will eine Abkürzung nehmen und peng, stecke ich wieder fest. Ziemlich kritisch, weil es bleiben nicht viele Versuche, will ja nicht nochmal versinken. Also Koffer, Gepäck, alles runter, Grund ebnen, Sand wegschaufeln und der erste Versuch gelingt. Wieder am Schild angekommen ist klar, was ich falsch interpretiert habe. Muss man halt mal etwas länger hinschauen. Wunderbar, nächster Ort 29 km offroad pur. Nächstes Schild noch 14 km, geradeaus. Bergkuppe, Straße gesperrt für Autos. Ich mit dem Moped komme zwar durch, aber macht das Sinn ? hat mich gestern schon 3 Std. gekostet. Mit Blick auf die Uhr und dem Benzincheck – ich habe 22 Liter in Kanistern dabei – stelle ich fest, dass ich einen weiteren Versuch, sprich Reinfahren nicht mehr machen kann. Um 13 Uhr bin ich wieder dort, wo ich um 9.15 Uhr gestartet bin. 100 km offroad – very heavy stehend – liegen hinter mir und ich muss den langen Weg zurück. Durch die Wüste, hatte ca. 40 Grad, und es waren dann auch nur 680 km. 19 Uhr: back in IQUIQUE. Ich habe nur das Tor zum Hostel aufgeschoben, da kommen Heiner und Friedhelm ebenfalls zurück – braun gebrannt und gut erholt J Ein tolles WE mit Jorges Unterstützung ist zu Ende. Bin gespannt, ob wir Montag die Bikes aus dem Hafen bringen.

Grüße an die 3 Fs – Frauen, Familien und Freunde
TUXI der CHILENE, der sich jetzt mit Staub und Sand bis in die letzte Ritze auskennt

 

Tag 12-13 | 24.-25. November 2008

Mensch, jetzt muß ich aber ganz schön nachholen hier. aber wir waren halt ganz schön unterwegs.... in der Wüste. Dort gabs keine Internetberbindung aber um so bessere Eindrücke und Fotos. Doch der Reihe nach. Das Wichtigste und Neueste: am Montag um halb zehn im Hafen, 5 Stunden später mit den eigenen Mopeds aus dem Hafen, was für ein glücklicher Moment. Die Mopeds waren toll verzurrt, keinen Kratzer, alles trocken, Batterien angeklemmt, gestartet, als wenn wir zu Hause vom Hof fahren.... wundervoll. Dann ab zur Tankstelle, die Kisten mit S100 einsrpühen, Hochdruck mit 60 Grad und ??? Alles blitze blank. Um 19 Uhr völlig fertig zurück im Hotel, super.

Ich habe dann gestern beschlossen, noch ein paar Tage hier zu bleiben, mein Gepäck neu zu sortieren und dann am Donnerstag nach ARICA zu fahren um Robert abzuholen. Heiner und Friedhelm sind heute morgen nach Peru gebraust, Heiner sind tatsächlich nur 4 Tage für Südamerika geblieben, einfach sch.... ! So kann er aber wenigsten sagen, ich war mal in Peru, good luck von hier.

Heute waren in Santiago 31 Grad, hier bestimmt auch 28 bis 30 Grad. Trocken und heiß. War mit Jorge zum Lunch, haben gut und lange geplaudert und dann kam hier ein englisches Pärchen bei Jorge an, die neue Reifen und eine Menge Ersatzteile brauchten. Die hatten Friedhelm und Heiner auf dem Weg nach und von Arica getroffen und Friedhelm hatte ihnen Jorge in IQUIQUE empfolen, wie klein doch die Welt ist. Und jetzt sitzen sie mir im BACKPACKER IQUIQUE gegenüber, schlafen in unserem "alten" Zimmer, ich bin ja heute morgen in eine kleinere Bude gezogen. Morgen neu packen, den Staub aus den Sachen bürsten, Lunch mit Jorge, Karten kaufen, Post, emails bearbeiten - Danke füpr die vielen guten Wünsche - und vieles mehr. Vielleicht mal ein bißchen im Pazifik abkühlen. Heute war mal wieder Waschtag in der Wäscherei, die machen das gut hier für kleines Geld. Alles brand new. Ausser mein Streetguard, der sieht aus, als hätte ich die Sahara durchquert, kannste nicht anfassen, ekelhaft. Also morgen bürsten. So, das waren die letzten 2 Tage hier. Da fehlt noch das Atacama Adventure.

Folgt.
Cheers Klaus

 

Tag 14 | 26. November 2008

Guten Morgen zusammen,

Heute gibts nur eins: Gepäck optimieren, ich glaub ich brauche einen Möbelwagen. Dann noch zu Jorge und morgen früh gehts nach ARICA. Freitag morgen kommt Robert an und dann gehts endlich mal richtig los. Alora, ich tauche dann jetzt mal ein bißchen ab bis morgen abend. Freue mich auf die nächsten 14 Tage.

Hier ist es 30 Grad warm und die Sonne sticht. Darum möchte ich Euch gar nichts vom Wetter erzählenCool

Alles Gute und bis bald
Klaus

Bei Euch ist es jetzt 2:09 und ich hab mir grad ne Pizza bestellt. Hab den ganzen Tag mit dem Gepäck gerödelt und weiß jetzt, dass ich viel zu viel mithabe. Besonders Klamotten. Und wer braucht schon Klamotten. Ab in die Altkleidersammlung. Die Rechnung ist bezahlt: 14 Tage IQUIQUE mit Frühstück und abendlichen Kaltschalen für 125.000 chilenische Pesos. Könnt Ihr ja mal ausrechnen, Ihr werdet Euch wundern. Umrechnungsmöglichkeiten gibts bei Google.

Buenas noches
see you from Arica
Klaus

 

Tag 16 | 28. November 2008

Tach zusammen,

Langsam verkomme ich im Tage zaehlen. Heute ist jedenfalls der 28. November. Das hat Robert gerade noch mal bestaetigt. Aber der Reihe nach.

Gestern habe ich mir einen abgebrochen und meinen ! Moebelwagen ! gepackt. Musste ja schliesslich alles aus dem Hostel mitnehmen. Als ich zu Jorge kam hat der die Haende ueber dem Kopf zusammengeschlagen... zu Recht. Und dann hab ich etwas getan, was fuer mich voellig untypisch ist> ich habe mich von 2/3 meine Klamotten getrennt. Vom Topcase und einer Rolle. Jetzt ist die Fuhre schlanker, aber immer noch fett genug. Jorge nimmt die Sachen mit nach Santiago und von da aus kann ich sie dann irgendwann nach Germany schicken.Der Aus/Umpackvorgang hat zwar 4 Stunden gedauert, hat sich aber gelohnt. Um halb 3 bin ich nach ARICA aufgebrochen, durch die Wueste, bei knapp 30 Grad. Hab das Hostel super gefunden und einen netten Abend mit 2 jungen Franzosen und dem Besitzer (Amerikaner) und seiner chilenischen Frau gehabt. Ihrer Haushaltshilfe habe ich noch eine besondere Freude gemacht und sie mit dem Moped nach Haus gebracht. Sie wollte schon ihr ganzes Leben mal auf so einem Dickschiff mitfahren.

Heute morgen halb 8 raus, ne Tasse Kaffee und dann mit dem Moped zum Flughafen. Das Flugzeug war gerade gelandet und Robert kam schon mal Freude strahlend hinter der Glasscheibe auf mich zu. Was fuer ein Wiedersehn. Rolle aufgeladen und hopp zu zweit ne 1/4 Std. nach ARICA. Dann haben wir sehr ausgiebig und toll gefruehstueckt und sind anschliessend einkaufen gegangen. Jetzt reichts fuer ne Party heute abend, haben um 8 in der Frueh noch 2 nette Ladies aus Tschechien dazu bekommen, die jetzt mit uns unser 4 Bettzimmer teilen. Heiner wird hier gleich hoffentlich aufschlagen und Heinrichs Moped bringen. Er fliegt dann von ARICA ueber SdC wieder nach Deutschland. War leider nur ne suedamerikanische Spritztour fuer ihn. Schade. Friedhelm gefaellt es in Peru so gut, dass wir ihn erst in Santiago wiedersehen, also werden Robert und ich morgen die Reise ueber Bolivien und Argentinien nach SdC antreten, wo wir dann wohl am 13. Dezember eintreffen. Da wir durch viel Niemandsland fahren werden, gibts vielleicht auch mal laenger Zeit kein Lebenszeichen von uns. Macht Euch keine Sorgen.

Ein Prost und alles Liebe von hier aus nach Duesseldorf zum BMW Stammtisch der jetzt gerade stattfindet. Trinkt ein Alt fuer uns mit.

Wir sagen dann mal Tschuess oder hasta la vista baby
TUXI & ROBI

noch ein kleine Nachtrag... Heiner hat Heinrich Bike unversehrt abgeliefert und sitzt jetzt im Flieger nach SdC. Wir wuenschen Dir eine glatte und stressfreie Rueckreise ohne Streiks Zwinkernd

 

Tag 17 | 29. November 2008

So, da sind wir wieder. Es waren sehr aufregende Tage, seit wir aus ARICA losgefahren sind. Aber der Reihe nach. Nach einer „rauschenden Party“ auf dem Dach unseres Hostels in ARICA waren wir morgens ganz schön müde. Die 2 Tschechinnen mussten ihren Bus um halb 9 kriegen (war knapp) und wir mussten noch Fotokopien machen und wollten Karten für Argentinien kaufen. Hat zu einer längeren Stadtrundfahrt geführt, Kopien ja, Karten nein. Unser Weg sollte uns nach PUTRE führen, 150 km Richtung Bolivianische Grenze, 3600 m hoch. Also hatten wir gar keinen Stress und machten uns auf den Weg. Unterwegs kam uns eine blaue „Transe“ (Transalp) besetzt mit 2 roten Helmen entgegen. Als wir vor einer Baustelle hielten sagte Robert: „das waren doch die aus Rosenheim, oder ?“ Wendemanöver und hinterher. Natürlich, es waren Karl-Heinz und Christa, die aus PUTRE zurück nach ARICA fuhren, Christa war die Höhe nicht bekommen und sie musste wieder in tiefere Gefilde. (Anm.: K.-H. und Christa hatten ihr Moped zusammen mit unseren verschifft). Nach ein paar Keksen, ner Tasse Wasser und einem Pläuschchen setzten wir unsere jeweiligen Reisen fort. Wir kamen in PUTRE am späten Nachmittag an, fanden eine tolle Bleibe im Hostel Kukuli, wo wir abends hervorragend aßen und danach unter unsere Lamadecken krochen, 4 Stück übereinander, bestimmt 10 kg schwer. Wir hatten eine gute Nacht, Frühstück, keine Kopfschmerzen, Mopeds aufladen und der nächste Tag konnte beginnen.

 

Tag 18 | 30. November 2008, 1. Advent

K.-H. und Christa hatten uns gesagt, dass es in PUTRE bei Cali im Hinterhof auch Benzin gäbe, also auf zu Cali. 4 x Benzin zapfen in 5 Liter Kanistern, Schlauch rein, ansaugen und ab in den Tank. Der Mann macht das auch nicht zum ersten Mal. Noch ein paar Kekse, 4 Liter Wasser für die Reise und auf nach Bolivien.

Sehr schnell geht es rauf auf 4500 m, den Leistungsverlust der Mopeds spürt man deutlich, aber unsere BMWs zicken überhaupt nicht rum. Zur Linken liegt der CARNACAGUA, ein 5439 m hoher schneebedeckter Klotz, gewaltig und schön. Die Reise Richtung bolivianische Grenze führt am höchstgelegenen Bergsee der Welt entlang, dem LAGO CHUNGARA. Hier oben gibt es überall genug Wasser, dementsprechend tolle Vegetation und viele, viele Tiere. Die unzähligen Trucks quälen sich zur Grenze hoch, um ihre Fracht nach Bolivien zu bringen. Zumeist Autoschrott (Trucks und PKWs). Da werden in Bolivien Mercedes, Volvo und Co. zusammengeschweißt und dann durch Paraguay nach Brasilien gebracht. So läuft das hier. Und da ist auch schon die Grenze. Ohne Spanisch wissen wir nicht so recht, was uns passiert, wir geben unsere Mopedeinfuhrpapiere ab und werden durchgewunken, Stempel in den Pass, dass wir Chile verlassen und ab. War’s das ?? Ein Blick auf die Karte sagt, dass wir noch 20 km zum Grenzübergang haben, also weiter. Und dann taucht er auf, der SAJAMA, 6542m hoch, ein Prachtstück, wir sind ergriffen von der Schönheit dieser Landschaft. Ein Stück fahren, Foto, ein Stück fahren, Foto… so wird der Weg nach Bolivien zur Reise.

Da ist sie, die Grenze. Militär mit MPs und Kalaschnikows im Anschlag oder wild rumfuchtelnd, ein heilloses Durcheinander an Trucks und wir einfach freundlich lächelnd und nickend kreuz und quer durch dieses Chaos. Nach vielen hundert Metern sind wir am Schlagbaum angekommen. Und jetzt ?? Nun wird es spannend. Einreise mit Pass und Stempel, kein Problem, ¼ Stunde, das war’s. Aber da fehlen ja noch die Einreisepapiere für die Mopeds. Ok, auch Kein Problem… denkste !! Ausgefüllt hatten wir den Kram schon, man war uns auch sehr wohlgesonnen, im entscheidenden Moment sprach ein bolivianisches Paar Englisch und beschleunigte die Abfertigung. Robert hatte seine Stempel schon drauf, da bemerkte der Hansel, dass uns noch DIE also gab’s noch mal hin und her bis wir mit chilenischen Pesos zahlen konnten, aber jetzt…… Ne, da gibt es noch ein Formular, was wir ausfüllen müssen (das brauchten wir tatsächlich noch) aber jetzt ??! Ab ins neue Land Bolivien, der Weg ist frei !! Der Grenzübergang hat nur 3 ½ Stunden gedauert. War doch ne gute Zeit, ohne ein Wort Spanisch und mit soviel Gedöns. Einreisenummer fehlte. Also alles zurück und ab in das Büro Publication (oder so ähnlich) und Nr. besorgen……. Gerade zu, Mittagspause 1 Std. Ach so, vorher noch in son kleines Büro und von allem mindestens 3 Fotokopien, also KFZ-Brief, beglaubigte Vollmachten, Einreisepapiere usw. Dann öffnete das Büro, es war mittlerweile halb 3, und man bemerkte, dass wir das falsche Formular hatten. Es kam ein Agent (?) mit neuen Formularen, füllte sie für uns aus, wir bekamen eine Nummer, ab ins alte Büro, wir bekamen unsere Stempel und ein Lächeln kam auf unser Gesicht. Ne ne, noch in das andere Büro und zahlen, wir hatten noch keine Bolivianos (das ist hier die Währung)

Nun wollten wir offroad nach Süden fahren, aber der erste Versuch scheiterte schon, wir fanden den Weg nicht. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit entschieden wir uns, nach ORURO zufahren, 300 km Hauptstraße, eine gute Entscheidung. Dort landeten wir in einer pulsierenden Stadt, die an Unübersichtlichtkeit kaum zu überbieten war. Vorher mussten wir allerdings noch an einem Militärposten vorbei, der uns kontrollieren wollte, uns klar machte, dass wir Feuerlöscher dabei haben müssten und jetzt bestraft würden, weil wir ja keine hätten. Und Medikamente ?? Das war das einzige Wort was ich verstand, ich zeigt im Aktren aus dem Tankrucksack, auch kein Treffer. Eine sehr schwierige Situation und Robert meinte, wir sollten doch mal das Wort DOLLAR in den Mund nehmen. Der Typ war sichtlich genervt, aber wir einigten uns auf 20 US $ und den Zettel zeigen, den wir an der Grenze noch zum Schluss ausfüllen mussten, und dann eine harsche Handbewegung und wir konnten weiter. Im Zentrum von ORURO angekommen fanden wir ein Hotel mit Garage, gegenüber einem Park mit bolivianischem Volksfest. Es gab noch Pizza nach dem Duschen und dann fielen wir wie tot ins Bett, wir waren echt platt. Unser erster schöner und aufregender Tag in Bolivien.

 

Tag 19 | 1. Dezember 2008

Beim Frühstück schmiedeten wir die Pläne für die nächsten Tage. Noch 150 km auf der Hauptstraße am LAGO POOPO vorbei und dann Südwest Richtung SALAR DE UYUNI. Das Aufrödeln vor dem Hotel erzeugte großes Staunen und Aufmerksamkeit. Jetzt noch tanken und zum Geldautomat. Ich weiß nicht mehr, wie lange wir für diese 2 Dinge gebraucht haben, aber es hat uns viel Energie und noch mehr chaotische Stadtdurchfahrten gekostet. Endlich hatten wir eine Tankstelle, da bekam das Auto vor uns den letzten Tropfen. Aber wir haben es geschafft. Und dann den Weg aus dieser Stadt finden…. Wir stellten zum wiederholten Mal fest, dass unsere Karten mit der Realität wenig zu tun hatten. Also einen „falschen“ Weg aus der Stadt, der dann der Richtige war. Übrigens: in Bolivien werden die Banken durch schwer bewaffnete Polizei oder Militär gesichert, an jeder (!!!) Tankstelle (auch in der Pampa) steht Militär und notiert sich Name, manchmal Passnummer, KFZ-Kennzeichen und Literzahl die man tankt.

Wir fuhren gen Süden bis HUARI, nach 120 km nochmal tanken, man weiß ja nie, und dann Südwest Richtung SALAR DE UYUNI. Genau hinschauen, ist das der richtige Weg ?? Es gibt keine Schilder, nur Himmelsrichtungen. Ok, hier muss es sein. Die nächsten 30 km waren ein Erlebnis, das man nicht beschreiben kann, man muss es erfahren im Sinne des Wortes. Es waren 30 km tiefster Sand und Pampa mit Sturm und Staub der uns mit voller Wucht entgegen blies, aber es war der richtige Weg. Dann machten wir mitten im Sandsturm einen Stop, Wasser und Kekse, vor meinem Moped lag ein Schlüssel im Sand, ich hob ihn auf, es stand KLAUS drauf. Ein Talismann ?? Ich habe ihn von nun an dabei. Eine asphaltierte Straße (im Bau) lag vor uns. Es war die eingezeichnete 603, nur wir befanden uns 10 km weiter südlich, egal, die GPS Navigation stimmte. Diese 603 forderte uns nun alles ab, was möglich war, selbst Robert hatte so eine Piste noch nie gefahren und war tief beeindruckt. Und wir mit diesen Dickschiffen !! Aber es ging, nach diversen Stürzen und Umfallern im Sand und einem atemberaubenden Schnitt von 20 km pro Stunde lief uns die Zeit weg. Dem ersten sensationellen Sonnenuntergang in Bolivien fuhren wir bei heftigem Sandsturm entgegen. Man konnte teilweise die Straße nicht mehr erkennen, plopp, lagen wir beide gleichzeitig im Sand. Endurofahren ist Teamwork hatte man uns gelehrt. Und diesen Teamgeist haben wir beide von der ersten Sekunde an gehabt und so haben wir mit eiserner Kraft unsere Mopeds wieder aufgestellt und rausgeschoben, gemeinsam durch alle schwierigsten Passagen des Tages manövriert. Nun war die Sonne untergegangen und wir waren mitten in der Pampa, ein Dorf, aber keine Möglichkeit der Bleibe. Also was nun ?? Wir entschieden uns, noch ein wenig zu fahren, es gab da noch ein Dorf in der Ferne: SALINAS DE GARCI-MENDOZA, am Rande der Salzwüste. Wie weit ? Keine Ahnung. Ein Hostel ?? Oder doch Zelt aufbauen. Unsere Kondition war noch ganz gut, viel Wasser, kein Essen (außer Keksen) über den Tag, also noch ein bißchen weiter. Es wurde stockdunkel. Kein Sand mehr, aber Schotter, steinige Piste, alles im Stehen fahren, teils nebeneinander. Mit Fernlicht und Zusatzscheinwerfer ging das erstaunlich gut. Ich glaube es waren noch 40 km, mehr als 1 ½ Stunden jedenfalls und wir erreichten dieses Dorf SALINAS. Alles stockdunkel. Nur Umrisse. Aber es gab da plötzlich ein großes Schild: HOSTEL 700 m rechts. Und viele dunkle Gestalten links und rechts an den Häusermauern. Wir fuhren und fuhren, Robert überholt mich, fährt rechts den Berg hoch, plötzlich ein Haus mit Kerzen in den Fenstern…

Ein Hostel der besonderen Art, ganz urig und gemütlich, besonders für die Verhältnisse, die wir bis jetzt gesehen hatten. Ein Zimmer mit 3 tollen Betten, ein WC, Herz was willste mehr. Ein kleiner Innenhof mit einem großen Kaktus. Hier gibt’s Abendbrot sagt Robert, endlich unser Travellunch.

Unter den erstaunten Blicken der Bolivianischen Arbeiter (?), die dort ebenfalls nächtigten, bauten wir unser Buffet auf. Brettchen, Wurst, Käse, eine Flasche Rotwein (aus Arica), Kocher raus, Wasser kochen, Chili con Carne und irgendein Reistopf, einfach geil. Und dann der Blick nach oben. Ein Sternenhimmel über uns, noch niemals zuvor haben wir so etwas gesehen. Wir waren bei unserer Nachtfahrt sowieso dem Mond mit 2 hell leuchtenden Sternen an seiner Seite entgegen gefahren. Ein sehr ergreifendes Erlebnis. Und dann piepst mein Handy: SMS von Karin, dass sie mir gerade sehr verbunden sei. Sie hat sicher gespürt, was wir an diesem Tag erlebt und gemeistert haben. Ein Tag, den wir sehr lange in uns tragen werden. Robert, es war einfach unser Tag !! Morgen mehr.

 

Tag 20 | 2. Dezember 2008

Nach einer guten Nacht wachen wir auf und können uns einen Überblick verschaffen, wo wir gelandet sind. Schon besonders, in der Nacht hierher zu finden. Aber so ist es, wenn man sich auf die Führung von oben verlassen darf. Einfach ein toller Blick, einen Zipfel der Salzwüste können wir schon erspähen. Frühstück, Kochgeschirr waschen, gegen den Staub ist eh kein Kraut gewachsen, die „Kondome“ für die Federbeine montieren (hatten wir von JORGE aus Iquique). Schützen die anfällige Technik gegen das Salz (hoffentlich), aufrödeln und um ¼ vor 11 geht’s los. Sand Sand Geröll Sand…. Nach über 2 Stunden haben wir glatte 30 km geschafft. Und dann noch über die Kuppe, da liegt sie vor uns: die SALAR DE UYUNI. Uns bleibt der Atem stocken. Dafür hat es sich gelohnt. Und wer sie sehen will, der muss diesen Weg gehen, es gibt keine andere Möglichkeit. Nochmal 25 km im gleichen Tempo über Geröll und Sand…. wir sind unten. Ein Anblick und ein Gefühl das man nicht beschreiben kann, man muss es fühlen. Eine Wasserdurchfahrt und wir befinden uns auf dem Salz. Vielleicht ist es nicht die größte Salzwüste der Erde, für uns aber ist sie es. Auf einer Höhe von 3600 m, seit PUTRE sind wir auch nie mehr tiefer gewesen. Probleme haben wir keine mehr.

Es begleiten uns eine Menge Toyotas, Explorerteams mit Touristen, alle mit dem gleichen Ziel: die ISLA INCA HUASI, die Insel mitten in der Salzwüste. 50-60 km stramm Süd und wir erreichen sie. Eine Kakteeninsel mitten im Salz. Wir bereiten uns die tollste Brotzeit auf einem Salztisch, Salzstühle drum herum, immer mehr Toyotas (und nur Toyotas-Landcruiser) alle Teilnehmer bekommen von ihren Guides Gekochtes und Gebratenes, alle machen Picknick. Bizarr aber toll so. Nach einer tollen Brotzeit und dem ersten eisgekühlten Bier vor 4 geht’s weiter, hart nach Osten Richtung UYUNI, vorbei an einem Salzhotel (alles aus Salz – Museum – früher wohl mal mit Hotelbetrieb). Unterwegs haben wir einen Film während der Fahrt gedreht, uns vor Freude die Kehle aus dem Hals geschrien, Glück und Zufriedenheit pur. Um 18 Uhr in UYUNI angekommen fanden wir nach einigem Suchen im Hinterhof eine Waschstation für die Mopeds. Mit Hochdruck haben wir das Salz und den Staub abgewaschen, dann ein tolles Hotel gefunden, das teuerste auf unserer Reise bis jetzt für 60 US $ das Zimmer. Die Nacht davor haben wir weniger als 10 US $ fürs Zimmer gezahlt. Dusche, zu Fuß ins Zentrum, eine leckere Pizza, ein großes Bier und dann total erschöpft und glücklich ins Bett. Was für ein Tag in „WEISS und SALZ“ lag schon wieder so weit hinter uns.

 

Tag 21 | 3. Dezember 2008

Es ist jetzt 13.00 Uhr. Wir haben uns entschieden , noch einen Tag hier in UYUNI zu bleiben. Wir haben die Mopeds wieder richtig fertig gemacht, Wäsche gewaschen, das Gepäck neu geordnet, den Staub versucht etwas zu reduzieren und Berichte der letzten Tag geschrieben. Gleich werden wir anfangen, unsere Bilder zu sortieren und zusammen zu basteln und dann runter rechnen und zu dir, liebe Peggy, damit sie morgen am 4. Dezember vielleicht im Netz stehen. Bei Euch ist es echt schon wieder 17.55 Uhr. Hier ist es jedenfalls sehr warm, tolles Wetter und auf den 2 Waschtrögen draußen war heute morgen eine Eisschicht, irre was ?

Die nächsten 2 Tage unserer Tour stehen auch schon fest. Sie werden uns weiter nach Süden führen bis zur LAGUNA VERDE an der Chilenisch/Bolivianischen Grenze. Dann wollen wir „rüber“ nach Chile nach SAN PETRO DE ATACAMA (ich war da schon mit Friedhelm undHeiner) und von da aus soll es nach Argentinien gehen. Ich hoffe, dass wir uns dann so in 2 bis 3 Tagen hier auf dieser Seite „wiedersehn“. Emails kann ich übrigens mit meinem Laptop immer empfangen, wo es eine Handyverbindung gibt. Falls Ihr also was schreiben wollt, nur los. Aber bitte nur Text, sonst muss die Kiste zu lange laden und es wird zu teuer.

Das war’s dann fürs Erste. Bis bald mal sagen
Klaus & Robert, die bolivianischen Sandkämpfer

 

Tag 22-24 | 4.-6. Dezember 2008
Adios Bolivia, es war atemberaubend schön

Wir haben Bolivien verlassen und sind wieder zurück in Chile. Es waren anstregende Tage im Bolivianischen Hochland, das in seiner Schönheit kaum zu überbieten ist. Nun bereiten wir uns auf Argentina vor und gönnen uns am Nikolaustag eine Pause in SAN PEDRO DE ATACAMA.

Endlich back on the “road”. Adios UYUNI, es war schön dort. Donnerstag der 4. Dezember sollte ein Tag werden, der es in sich hatte. Fast 300 km offroad, durch tiefen Sand, Geröll- und Schlaglochpisten, mehr ging nicht mehr. Aber wer diese faszinierende Landschaft sehen will, muss entweder mit einem Toyota Landcruiser und ner Reisegruppe unterwegs sein, oder mit dem Moped. Oder man kauft sich einen Bildband und blättert zu Hause am Kamin darin herum.

Von UYUNI aus ging es erst mal 100 km südwestlich relativ einfach los, aber dann. Der "Aufstieg" ins bolivanische Hochland war anstrengend aber schön. Es ging rauf auf 4600 m und in dieser Höhe bis knapp über 5000 m haben wir die letzten 2 Tage verbracht. Da muss man schon mal einen Schluck mehr aus der Sauerstoffdose nehmen. Aber wir hatten keinerlei Probleme. Die Mopeds fuhren ebenfalls problemlos, im Standgas ging ihnen etwas die Luft aus. Wir hatten uns entschieden, durch den Nationalpark entlang der LAGUNA COLORADA bis zur LAGUNA VERDE zu fahren. Im entscheidenden Moment kam mal wieder jemand vorbei, der uns den Weg zeigte, sonst wäre es schwieriger geworden, so schnell die Richtung zu finden. Man glaubt ja nicht, dass man über diese Berge oder besser: zwischen ihnen durchkommt. Ich hatte im Lonely Planet gelesen, dass es an der Wetterstation am LAGUNA COLORADA eine "Bleibe" gäbe, wo man nachts wenigstens ein Bett bekäme.

Aber bis dahin waren es immer noch 200 km. Der Weg führte uns über tiefe Sandpisten, über Geröll-, Schlagloch und Schotterwege. Der Tag raubte uns Kondition und Kraft. Mein erster Sturz an diesem Tag am frühen Nachmittag. Abends stand es 4:0 für mich. 2 Umfaller, wahrscheinlich mangels Power, eine tiefe Sandspur, ein bißchen Rippenprellung, die mit Voltaren Gel bereits wieder zur Normalität zurückgefunden hat. Wir hatten „das volle Programm“. Es ist nicht so, dass das spurlos an einem vorbeigeht, man denkt, man hat was verlernt... so plötzlich und man zweifelt an Mensch und Maschine. Aber wie heißt es so schön: "Ekel überwinden und nochmal " Es gibt außerdem keinen Ausweg aus dieser Tour, keine Abkürzung, keinen Plan B. Biste drin, musste durch. Am nächsten Tag ging's denn auch wieder. Vertrauen in mich selbst und Maschine zurückerkämpft. Gut is!! Kurz nach Sonnenuntergang sahen wir sie, die LAGUNA COLORADA. In mattem Rot, übersät mit Flamingos lag sie vor uns. Dafür hatten sich die Strapazen des Tages gelohnt, aber wir hatten keine Kraft mehr, noch eine halbe Runde um den „See“ zu drehen. Es scheint sich hier um ein riesiges Flamingobrutgebiet zu handeln. Die Wetterstation, schnell und unkompliziert hat man uns ein Bett „zugewiesen“. Ein 5- oder 6-Bett Zimmer, doch wir waren allein. Unser Wasservorrat war fast aufgebraucht, aber es reichte noch fürs Dinner. Kochgeschirr raus und mit dem letzten Wasser gab’s Travellunch – Bratkartoffeln mit Speck, Spaghetti Carbonara, Spaghetti mit Huhn und Spinat und im allerletzten Wasser kochten wir noch 3 Tüten Lumumba auf. Eine Flasche Rotwein noch, das war‘s. Alle anderen Lebensmittel waren durch ausgelaufenes Benzin ungenießbar geworden.

Zum ersten Mal auf unserer Tour holten wir unsere Schlafsäcke raus. Es wurde immer kälter, am nächsten Morgen hatten wir dickes Eis auf dem eingeweichten Kochgeschirr. Nach einer halbwegs guten Nacht ließen wir uns am nächsten Morgen etwas Zeit, Duschen gab’s keine, spart viel Zeit, also Frühstücken. Das reservierte Wasser für 4 Tassen Nescafé, der Kaffeeweißer stank nach Sprit, und eine Rolle Keks, das war’s. Das Packen wurde in 4300 m Höhe von tiefem Durchatmen und Pusten begleitet, aber um halb elf ging’s dann endlich los. Es waren „ja nur 80 km“ bis zur LAGUNA VERDE. Die Piste war etwas einfacher, erforderte aber immer 100 % Konzentration und Geschick. Nach über 5 Stunden – eine Pause am „Büdchen“ einer Thermaltherme eingeschlossen – erreichten wir sie, die LAGUNA VERDE. Wir genossen den Anblick, der Blick ums Eck hätte uns nochmal 5 km hin und zurück gekostet. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit fuhren wir weiter, die Erinnerungen an den letzten Grenzübergang kamen hoch. Und wir mussten ja noch aus Bolivien raus und nach Chile rein.

Wir erreichten die bolivianische Grenze, ein Übergang der besonderen Art. Auf 4700 m Höhe eine kleine Bude, 2 Männer und ein kleiner Junge. 21 Bolivianos pro Person, 2 Stempel in die Pässe und die Formalitäten waren klar. Man fragte uns, ob es uns in Bolivien gefallen hätte. Mit Stolz zeigten die beiden Männer auf die Bolivianische Flagge an ihrem Hemd. Wir waren beide tief bewegt, von der Herzlichkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen in diesem Land, sie dürfen stolz sein und glücklich über die unbeschreibliche Natur in diesem Teil ihres Landes. Unter www.new7wonders.com kann man sich schlau machen, worum es geht. Zu diesen Wundern gehören die LAGUNA VERDE, COLORADA und auch die SALAR DE UYUNI, in ihrer Einzigartigkeit nicht zu toppen.

Wir nahmen den kleinen Jungen mit raus zu unseren Mopeds. Wir hingen ihm einen Keyholder um, gaben ihm ein paar Kugelschreiber und drückten ihm die letzten Bolivianos Münzen in die Hand. Sein „gracias gracias Senor“ und das wundervolle Strahlen in seinen Augen und seinem Gesicht erfüllte uns zum Abschied mit tiefen Emotionen. Adios Bolivia, danke dass wir dieses Land bereisen durften.

Wir fuhren plötzlich auf einer neuen, breiten und asphaltierten Straße. Nach unserem Abbiegen kurz nach ORURO am dritten Tag hatten wir das nicht mehr erlebt. Von 4700 m und 12 Grad ging es 40 km bergab auf 2400 m und 29 Grad. An der Stadtgrenze zu San Pedro de ATACAMA trafen wir auf die chilenische Grenze. Man sprach Englisch, füllte für uns die Einreisepapier für die Mopeds mit Schreibmaschine aus. Eine halbe Stunde später hatten wir das GO IN. Da ich mich noch vom letzten Mal auskannte, führte uns unser Weg direkt zum Hostel Ruca mit seinem schönen Innenhof, ein Zimmer, nach 2 Tagen wieder eine Dusche, Herz was willste mehr. Ein Anruf bei der Stammtisch Weihnachtsfeier im Cedrics in Ratingen, ups, da hatte man uns doch glatt von Bolivien nach Chile ne Stunde geklaut, frische Klamotten an und heute mal richtiges Essen. Es hätte einen wunderschönen Abend mit viel Austausch und Bildergucken über unsere wundvolle „TOUR BOLIVIA“ geben können, wenn da nicht diese eine email gewesen wäre. Doch dazu schreibe ich vielleicht am nächsten Wochenende mehr.

Heute sitzen wir in krachender Sonne im Innenhof des Hostels, pflegen und erholen uns und planen, wie’s morgen und die nächste Woche weitergeht. Unser Weg soll über Argentinien nach Santiago de Chile führen, wo wir am nächsten Wochenende sein werden.

Wir grüßen unsere lieben Frauen Karin und Anne, Sascha, unsere Familien und all unsere lieben Freunde.
Eure EX-BOLIVIANOS Klaus & Robert

 

Tag 25 | 7. Dezember 2008
Viva Argentina!

Wir haben Chile verlassen und sind in SALTA in Argentinien gelandet. 560 km feinste Teerstrasse und es wurde immer gruener. Kein Sand mehr und dafuer eine richtig tolle Stadt.

Robert ging es morgens ziemlich schlecht. Sein Magen hatte auf ein paar Tabletten ziemlich heftig reagiert. Also Tuxis Hausapotheke raus und noch ein bißchen ausruhen und um halb 12 konnten wir starten. Vorweg: Robert hat den ganzen Tag prima durchgehalten und wir haben mehr geschafft als geplant.

Wir fuhren wieder über den Grenzübergang an der Stadtgrenze, es dauerte ein wenig, weil die Policia noch ihr Kartenspiel zu Ende machen musste. Als dann aber auch noch ein Bus kam, ging’s auch für uns ganz flott. Nun waren es 160 km über den Passo Jama bis zur Staatsgrenze Argentinien. Eine einsame Fahrt, aber es gab noch einen langen Abschiedsblick nach Bolivien hinüber, von wo wir gekommen waren. Die Landschaft veränderte sich langsam, die Täler wurden enger, die Berge nicht mehr ganz so hoch. Dann die Grenze. Es waren 3 Busse vor uns und eine lange Schlange. Ich holte schon mal die Papiere zum ausfüllen und als wir uns anstellen wollten, kam ein Uniformierter und winkte uns ins nächste Büro. Alles ging ganz professionell und schnell, halbe Stunde, alles mit PC, noch ein paar nette Gespräche mit „Schaulustigen“ und wir waren da. Argentinien empfing uns mit tief hängenden Gewitterwolken, aber irgendwie führte unsere Strecke in der Mitte durch. Einen traumhaften Pass hatten wir vor uns, nur sahen wir ihn nicht. Wir fuhren immer am Felsen lang und an der feien Seite schossen die Wolken im Kamineffekt an uns vorbei nach oben. Gespenstisch schön. Dann waren wir durch und ein wundervolles Tal mit grandiosem Ausblick, Kakteen und allen Farben erwartete uns. Da waren die 8 Grad von eben schnell vergessen.

Ab jetzt wurde es immer grüner, plötzlich wuchsen Bäume (hatten wir schon lange nicht mehr gesehen) und Rasen. Die Berge um uns herum sahen bunt aus, rot, grün, türkis, gelb in allen Schattierungen. Wir kamen zu unserem geplanten Übernachtungsort und es war noch früh. Wir entschieden uns 150 km weiter zu fahren, nach SALTA – man hatte uns erzählt, eine Perle in Argentinien. Die letzten 50 km nach SALTA fuhren wir ein Kurvengeschlängel, dass wir so nicht erwartet hatten. Eine Straße, so schmal wie der Gavia Pass, schöner und enger als jede Piste in Luxemburg, so richtig zum schwindelig fahren, irre !! Und da war sie, eine wundervolle Stadt mit südamerikanischem Flair und einer grandiose Plaza. Dort hielten wir, mitten im Zentrum, es hatte 25 Grad und wir genossen ein kühles Blondes. Unsere Mopeds sorgten für Aufsehen, die Fotos, die man von ihnen geschossen hat, hätten bei kleiner Vergütung unseren Abend finanziert. Während ich nach einem Bankautomaten suchte, musste Robert mindestens 10 Gespräche über unsere Reise führen. Wir holten unseren Lonely Planet raus und lasen, dass ein schönes Hotel auf der anderen Seite des Platzes sei. Die 200 m fuhren wir dann rüber, Abladen, Mopeds in die Garage, frisch machen und ein erstes dickes argentinisches Steak. Was für ein Tag. Die Plaza in einer umwerfenden Beleuchtung, wir erfreuten uns bis weit nach Mitternacht an der Atmosphäre bei lauschigen Temperaturen.

Jetzt heißt es wieder Packen und weiter, die nächsten Tage werden bestimmt anders, wir lassen uns überraschen. Euch eine gute Zeit.

Eure 2 Gauchos Klaus & Robert

 


Tag 26 | 8. Dezember 2008
Bummeltag durch Argentinien!

Heute gab es einen vermeintlichen Bummeltag.. Wir hatten leichte Startschwierigkeiten und sind nur 180 km gefahen.

Leichte Startschwierigkeiten, weil das mit dem Bericht und den Bildern nicht klappte. Hier in Argentinien kriegt man einfach die emails nicht so raus, wie man es möchte.

Es waren den ganzen Tag 37 - 38 Grad. Wir fuhren 100 km durch die Pampa. Berge links und rechts, in der Ferne. Doch dann wurde das Tal immer schmaler und die letzten 80 km fuhren wir wie in Südfrankreich durch das rote Tal kurz vor Grand Canyon du Verdon. Nur hier alles in XXL. Doppelt so hoch, doppelt so schön, 10 mal so lang. Ein unglaubliches Stück Natur, das man von der Karte so nicht erwartet hätte. Und eine Piste, die jedes Mopedfahrerherz zum Schwingen bringt.

Wir haben schöne Bilder gemacht, nur auf die letzten und die heutigen müßt Ihr ein wenig warten, es klappt z.Z. nicht.

Eure 2 Gauchos, die abends jetzt immer ein dickes Steak genießen !!

 

Tag 27-30 | 9.-12. Dezember 2008
Wir sind in VALPARAISO gelandet

Nur noch ein Katzensprung trennt uns heute am Freitag von SdC. Die 100 km "fliegen" wir am späten Nachmittag rüber und dann ist sie auch schon fast zu Ende, unsere Nordtour Südamerika. Bis bald K & R

Tach zusammen !

Wir sind wieder zurück in Chile. Von Argentinien aus konnte ich weder über WiFi, noch sonst wie Bilder und Berichte absetzen, die haben da irgendeine Sperre drin, die ich nicht verstanden habe. Anyway, da sind wir wieder und gern schreibe ich über die vergangenen Tage aus der Erinnerung.

Nachdem wir nach SALTA nur 180 km gefahren hatten, landeten wir in CAFAYATE, einer tollen Weinanbauecke. Kleines beschauliches Städtchen mit schönem Marktplatz. Hotel an der „Promenade“ genommen, Essen im Lokal nebenan (Supersteak im Teigmantel), Rundgang bis zur Kirche. Dort durften wir eine argentinische Kommunion erleben, mit anschließendem Ausmarsch rund um den Platz und durchs Dorf. Bestimmt waren es 150 – 200 Jungen und Mädchen, prachtvoll in weiß gekleidet. Und die ganzen Familien hinterher. Wir durften die Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit der Argentinier in vollen Zügen genießen.

Am Dienstag, den 9. Dezember, sind wir dann von CAFAYATE nach TINOGASTA gefahren, Richtung PASO DE SAN FRANCISCO. Es waren mal locker 520 Km durch ziemliche Hitze, ohne nennenswerte Höhepunkte. Einfach Kilometerfressen durch die Landschaft. Wir kamen im „Zentrum“ an nahmen das Hotel das uns anstrahlte, alles ok. Mopeds abgeladen und in den ausgedienten Frühstücksraum gefahren und ab in die „City“. Es war nicht leicht überhaupt ein Restaurant zu finden. Touristinfo ! Ach so, wir waren viel zu früh. Es war ja erst 9 Uhr. Um 10 wandelte sich das Bild und wir bekamen Nudeln mit Pollo (Hühnchen) und Pollo breit geklopft wie ein Wiener Schnitzel. Wir waren sehr zufrieden und fielen wie tot ins Bett. Die Tage nach SALTA waren wir immer abends so müde, das wir nach dem Essen immer ins Bett fielen, bis auf gestern, dazu später.

Mittwochmorgen kamen wir zum ersten Mal wieder früh aus den Federn. Halb 10 rollten die Mopeds und es ging auf zum PASO SAN FRANCISCO. Die Auffahrt waren echte 250 km. Tolle Landschaft, glatter Asphalt, schickes Kurvengeschlängel, trotzdem können 250 km ganz schön lang werden. Argentinische Grenze, Formalitäten kein Problem, Koffer aufmachen, auspacken und wieder einpacken ein bißchen blöd, aber da kannste ja nix machen und ab. Dann die Paßhöhe und na klar, ab hier war der Asphalt zu Ende. Die nächsten 100 km und mehr waren Schotterpiste, wir mussten uns erst wieder daran gewöhnen, hatten aber nichts verlernt. Tolle Landschaft. Dann wurde es immer karger, wie auf dem Mond (war zwar noch nicht da, stelle es mir aber so vor). Und ich denke noch, so ohne Wasser gibt’s hier wirklich nichts, da tut sich ein Tal auf, alles grün, hunderte von Eseln und Pferden, Kühen und sonstigem „Getier“. Mittendrin in der Ferne ein chilenischer Gaucho zu Pferde. Schon ein irres Gefühl, dass hier in dieser Einsamkeit auch Menschen leben. Es kam uns auf den 500 km bestimmt alle 2-3 Stunden mal ein Auto entgegen. Auf dem Pass hatten wir angenehme bis kühle 17 Grad, dann ging’s immer weiter runter, die Piste wurde festgefahrener, blieb aber ziemlich eierig. Dann ein großes tiefes Tal, plötzlich 30 Grad mit steigender Tendenz. Von nun ging’s zügiger voran und wir erreichten COPIAPO um ca. 18 Uhr. Ein langer anstrengender Tag. Ein irres Treiben rund ums Zentrum. Viel Verkehr, kein Hotel zu erblicken. Also erst mal einen Platz am Markt, unser Bier weit nach 4 und den Lonely Planet raus um nach einem Hotel zu schauen. Da gab es eine gute Empfehlung, kleines gemütliches Hostel mit Garten und tollem Dinner. Genau das was wir suchten. Nur wie finden ? O’HIGGINS Street 150, ach wir lassen einfach ein Taxi vorfahren. An der nächsten Ampel schaue ich auf das Straßenschild : O’HIGGINS 600-699 was für ein Geschenk. Noch einmal um den Markt, Parallelstraße runter, wenden, schon waren wir da. Wie wunderbar präsentierte sich dieses Hostel. Urig, gemütlich, es war mittlerweile halb 8. Um halb neun gab’s Dinner: Suppe, 2 Stück Fleisch mit Bratkartoffeln, frisch zubereitet und Fruchtsalat. Um 10 Uhr !! lagen wir im Bett und waren erstaunt, wie lange man schlafen kann, als wir am nächsten Morgen dem Wecker um 8 Uhr eins auf die Mütze gaben. Wir wären gern noch eine Nacht geblieben und wollten dann das ganze Stück (800 km) nach Santiago in einem Rutsch fahren, doch am nächsten Tag war das Hostel (12 Zimmer) leider ausgebucht und wir mussten weiter.

So sind wir gestern am 11. Dezember um halb 12 in COPIAPO gestartet und haben uns nach Süden treiben lassen. Die PANAMERICANA, einfach eine „Autobahn“ ohne Höhepunkte. Mal ein paar schöne Kurven, mal der Blick auf den Pazifik, einfach nur ab nach Süden. Irgendwann war uns klar, dass wir keinen Stopp mehr einlegen würden, aber wir sind nicht nach SANTIAGO, sondern nach VALPARAISO gefahren. Robert wollte dieses beschauliche Städtchen auch mal sehen, Freunde hatten ihm von diesem „Fischerdorf“ erzählt. Die müssen allerdings vor ein paar hundert Jahren hier gewesen sein, denn wir fanden eine ziemliche Großstadt mit fürchterlichem Verkehr am Pazifik vor. Vorher hatten man uns noch einen Pass, 10 km Offroad und 30 km Bergisches Land in die Route geschmissen, wir nahmen es dankbar an.

Wir standen gestern Abend suchend im Zentrum auf einem großen Platz am Meer und fragten nach einem Hotel. Hier in diesem Viertel ? No, expensiv and not save. Und nun ? Da kam PATRCIA mit ihrem kleinen Bulli, sah uns, sprach uns auf Englisch an ob wir eine Bleibe suchten, zeigte uns Bilder von ihrem Hostel. Wir konnten gar nicht anders, fuhren hinterher und schwups waren wir auf dem Berg, in ihrer kleinen Häuschen. „My house is your house“ sagte sie, die Mopeds „hinter Gitter“ und schon saßen wir in ihrem „Aussichtsturm“. An ihrem Auto stand: „Probably the best view in town“. Sie hatte recht. HOSTEL ARMANDO, Patricia Pena Jara, www.armandos.biz . Für uns die liebenswerteste Adresse in VALPARAISO, die man nur finden kann.

Wir köpften zu dritt unsere große Flasche Wein, die wir schon seit SAN PEDRO DE ATACAMA mit uns schleppten, genossen den irren Blick über VALPARAISO, quatschten uns halb tot und entschieden um 10 Uhr abends, gemeinsam in die Stadt zu fahren und Essen zu gehen. Ich glaube, ohne sie hätten wir an diesem Abend nix bekommen. Alles zu und unattraktiv. „Ihr“ Italiener (?) jedoch war klasse, es gab Barbecue und Rotwein. Wir erlebten einen wunderbaren Abend zusammen bis morgens um halb 2. Sie hat uns dann noch in einer Stadtrundfahrt die „Prachtmeilen“ von VALPARAISO gezeigt und erklärt, das Leben käme erst langsam zurück. Pinochet habe diese Stadt Richtung Santiago sehr ausgeblutet und nun müsse sich das hier alles wieder regenerieren. Und das würde schon ganz schön lange dauern. Also, keine lebendige Altstadt, eher ein Schmelztiegel zwischen arm und reich mit viel Dreck und unglaublich vielen herrenlosen Hunden.

Aber was für eine Führung. Da stehste da, blickst um Dich herum, wirst aufgegriffen mitzukommen und erlebst einen so wundervollen Abend. Im Sinne des Wortes GÖTTLICH.

Nun ist Freitag, der 12. Dezember, mittlerweile 13 Uhr, wir sind 100 km von SANTIAGO DE CHILE entfernt, werden uns gleich, nach diesem Bericht und ein paar Fotos an Peggy schicken, auf den Weg machen. An dieser Stelle nochmal unseren herzlichen Dank an Dich, Peggy, dass Du das mit den Fotos einstellen immer übernimmst. Für uns ist es das Maximum, was wir so während der Reise schaffen können. Es braucht schon ne Menge Zeit, und abends ist man manchmal nicht mehr in der Lage, noch alles aufzuarbeiten. Und Fotos von 3 Kameras zu sortieren ist die zeitintensivste Arbeit. Aber es macht auch Spaß und wir bekommen auch Feedback von Freunden und Familie, dass sie gern von und über uns lesen.

So, jetzt noch die Fotos sortieren und dann ab nach SANTIAGO. Hoffentlich klappt‘s auch mit dem Versenden.

Hasta la vista. Morgen Abend feiern wir in SdC Abschied, Sonntag fliegt Robert nach Hause. Das wird ne Sause, die haben wir uns jedenfalls verdient.

Liebe Grüße
Klaus & Robert

 

Tag 31-33 | 13.-15. Dezember 2008
Santiago de Chile - 6 Mio. Metropole - Sonne 36 Grad !!

Robert sitzt im Flieger und ist auf dem Weg in die Heimat. ADIOS AMIGO, unsere gemeinsame Zeit wird unvergesslich bleiben. Grüß die Heimat und bis bald !

Da sind wir am Freitag doch noch endlich um 16.30 Uhr aus VALPARAISO losgekommen. Wir hatten noch ein paar Stunden mit Berichten und Bilder zugebracht, aber dafür hatte auch alles toll geklappt. Was für ein besonderer Ort, an dem wir hier gewesen waren, was für eine Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit. Danke Patricia !

100 km Autobahn, doch da war sie, die Vollsperrung wegen Unfall. Wir folgten den Autos auf der Nebenstraße. Wenn wir besseres Kartenmaterial von Chile gehabt hätten, wir wären ja nur Nebenstraßen gefahren. Und dann erreichten wir diese Stadt. Ein 6 Millionen Molloch zog uns 5-spurig in seinen Bann, besser gesagt: immer tiefer rein in die City, umschlossen von Autos, Taxis und Bussen. Noch nie im Leben habe ich so viele Busse auf einmal gesehen. 2 Bussspuren voll, über Kilometer, parallel zu uns. Man kommt sicher irgendwann an, aber ein Zeitplan ? Busfahrer in SdC, ein Alptraumjob. Später erzählt man uns, jetzt sei alles ganz entspannt, weil alles verstaatlicht bzw. öffentlich wäre, im letzten Jahr wäre es doppelt so schlimm, weil privat gewesen. An den Bushaltestellen stellt man sich auch schon mal in eine 50 m lange Schlange für einen Bus an.

Anyway, wir fanden wie durch ein Wunder ohne Probleme zu unserem Appartementhaus, Robert hatte eine göttliche Eingabe. Wir hielten an der Ecke, unsere Mopeds sorgten für Aufsehen, wir ließen uns auf unser Bier nach 4 am Tisch nieder und genossen das bunte Treiben um uns herum……. ANGEKOMMEN !!! Was für ein Trip lag hinter uns. Exakt 5000 km waren wir gefahren, bei Hitze und Kälte, Sand und Sturm, 2 Tropfen Regen während der gesamten Tour, was für ein Gefühl. Chile – Bolivien – Chile – Argentinien – Chile….. wir waren gesund, zufrieden und glücklich.

Nach 2 Stunden, wir waren entspannt und happy, kam VINKA, eine Bekannte von Robert. Sie hatte alles für uns arrangiert. Appartement, Garage, einfach alles. Abladen, Klamotten in die 7. Etage, Mopeds wegschließen, duschen, zu Fuß ein paar Blocks weiter und es gab Abendessen. Alles mit Dolmetscherin, wie wunderbar. Wir quatschten die halbe Nacht, hatten jede Menge Spaß und fielen morgens um 2 wie tot ins Bett.

Samstag: zu BMW Moto, Heinrichs Moped wurde um die Ecke an einer Tankstelle gewaschen, dann waren wir die „Attraktion“ vor dem Laden. Wir hatten einem Mopedfahrer geholfen, sein Ringantennen Problem zu lösen, Robert hatte ihm erklärt, wie man das technisch löst, eine halbe Stunde später kam er zurück und schenkte uns eine Flasche Rotwein. Wir lernten ein Pärchen kennen mit einer nagelneuen Adventure und sie sagten, im Frühjahr wären sie in Deutschland. Auf die Frage: wo, sagten sie: in Düsseldorf !! Wir erwarten Euch, bis dahin alles Gute.

Dann noch ins Hospital, ich muss meine 2. Impfung bekommen. Kein Problem (mit VINKA als Dolmetscherin), Medikament vorhanden, Montag wird’s gemacht. Alles gut.

Und dann auf den Flohmarkt, Weihnachtsgeschenke kaufen. Die Sonne knallte durch die Dächer mit einer Wucht auf uns herab, wow, 36 Grad und kein Entrinnen. Wir stöberten zu dritt durch die chilenische Geschenkartikelszene, einfach umwerfend, was es hier so alles gibt. Leider hatte VINKA abends keine Zeit, so nahmen wir erst mal in „unserer Eckkneipe“ platz und wollten ein Bier trinken. Wir holten Tag für Tag unsere Reise zurück in unser Gedächtnis, wir erlebten wie live unsere Reise ein zweites Mal. Was für ein wunderbares Gefühl. Wir waren gefahren, waren gereist, hatten gekämpft und zusammen gelitten, hatten ein unglaubliches WIR-Gefühl entwickelt. Um halb 11 abends saßen wir immer noch da. Dann entschlossen wir uns, doch noch eine Kleinigkeit zu essen, also Jacke holen, ein paar Blocks zu Fuß und es gab Pasta und Pollo, eine gute Kombination. Wir haben noch bis halb 2 gequatscht und dann zurück zum Appartement. Robert war wie aufgedreht, hat gepackt, emails geschrieben, gesurft und was weiß ich… Ich bin derweil schon mal auf dem Sofa eingeschlafen, um halb 4 wach geworden und dann ins Bett. Robert hat noch bis 5 morgens „weitergearbeitet“.

Heute am Sonntag hat VINKA uns zum Flughafen gefahren, um 12 Uhr da, eine riesige Schlange bei Iberia. Wir haben Robert bis zum letzten Meter begleitet, bis er im Nirwana der Kontrollen verschwand. Adios Amigo, es war eine unvergessliche Zeit mit Dir. Grüß mir die Heimat, wir sehen uns 2009. Ich freue mich auf unsere nächste Tour.

VINKA brachte mich zurück zum Appartement, wo ich den ganzen Nachmittag verbrachte, Berichte zu schreiben. Dann ein falscher Knopfdruck und alles war unwiederbringlich gelöscht. Das war nun das 2. Mal, ich hoffe auch das letzte Mal, so blöd kann man ja wirklich nicht sein. Um 19 Uhr habe ich JORGE aus Iquique getroffen, er ist seit gestern auch in SdC und hat mir mein restliches Gepäck mit gebracht. Wir hatten ein paar nette Stunden zusammen mit seiner Tochter und seiner Frau, ich werde ihn Montag oder Dienstag noch einmal treffen, dann wird er mir noch Tipps und Routen für die SüdTour geben. Jetzt warte ich auf VINKA, dann gehen wir ums Eck und es gibt Abendessen, ist ja schließlich schon 22.10 Uhr – also hier ganz normale Uhrzeit zum Essen, eher früh.

Ein erstes Fazit der Tour:


Die NordTour stand unter dem „Stern des Streiks“. Die angespannte und ungewisse Situation in Verbindung mit ein bißchen Langeweile führte dazu, dass wir uns nicht richtig zusammen raufen konnten. In der Konsequenz bin ich dann mal 2 Tage allein gefahren und Friedhelm ist von Peru nicht nach ARICA zurückgekehrt. So sind Robert und ich den 2. Teil der NordTour allein gefahren. Jetzt werden wir uns am Dienstag hier in SdC zusammen mit Heinrich treffen und es wird hoffentlich ein ordentliches und zielführendes Gespräch für unsere gemeinsame SüdTour geben, auf der wir dann den grüneren Teil dieses wunderschönen Landes bereisen dürfen. JORGE hat mir heute nochmal besonders den Süden ans Herz gelegt, Chile von seiner besten Seite. Hier muss man einfach gewesen sein. Er hat im letzten Jahr mit 7 Freunden und seiner Tochter hinten drauf diese seine Tour, PATAGONIEN 2007, gemacht und er strahlt heute noch.

Ein persönliches Wort an Robert:

Deine Zeilen, die Du mir zum Abschied geschrieben hast haben mich tief bewegt. Diese Reise wird für uns immer unvergesslich bleiben. Unser Miteinander hat uns durch diese Zeit und diese Entfernung getragen. Ich danke auch Dir für die tollen Gespräche und das tiefe Vertrauen. Wir haben die Bilder und Eindrücke digital gespeichert, die Emotionen tragen wir in unseren Herzen. Danke Amigo für die tolle Zeit. Ich freue mich schon jetzt, wenn wir uns in 2009 wiedersehn und wieder zusammen Moped fahren. Hasta luego !! Dein Freund Tuxi.

Was gibt es sonst noch von Südamerika zu berichten ?

Wasser ist hier im Norden von Chile ein rares Gut. Man möge sorgsam und sparsam damit umgehen. Die hygienischen Umstände sind nicht so wie in Europa. Klopapier gehört in den Abfalleimer neben dem Klo, insbesondere nach Gebrauch. Die Kanalisation verträgt kein Papier. Klobürsten gibt es nicht, nur Saugstöpsel. Tankstellen sind rar, 500 km ohne sind keine Seltenheit. In Bolivien wird jede Tankstelle bewacht. Sprit ist sehr billig. In SdC 540 Pesos (640 Pesos=1 US Dollar) LKWs werden aus verschiedenen Marken zusammengeschraubt und beherrschen das Straßenbild. Autos, die ich noch nie gesehen habe und ganz alte Modelle sind hier normal. TÜV gibt’s wohl nicht. Autos ohne Beulen gibt’s auch fast nicht. Der Verkehr fließt meist ohne Stress und Hupen. Die Verkehrsteilnehmer gehen sehr rücksichtsvoll miteinander um. Der Bus, insbesondere für lange Strecken, ist in Südamerika Fortbewegungsmittel Nr. 1 !! Jedem tödlich verunglücken Verkehrsteilnehmer wird am Straßenrand ein Haus für seine Seele gebaut. Von kleinen Hütten bis zu ganzen Denkmälern, oft mit der Möglichkeit, sich auf Bänke oder Stühle zu setzen, um hier inne zu halten.

Die Anden übertreffen all unsere Vorstellungen. Alles Gesehene in 5 XL, und nach jeder Ecke schon wieder anders.

SANTIAGO hat 6 Millionen Einwohner, in ganz Chile leben 16 Millionen. In ARICA hat es seit 70 Jahren nicht geregnet, wenn es in IQUIQUE regnet, vielleicht mal alle 2 Jahre ganz kurz, ist alles in Panik. Wohnungen unter Wasser, Strom fällt aus, Leitungen funktionieren nicht mehr. Alles ist so gebaut, als wenn es niemals regnen würde.

Alarmanlagen von Autos und Hundegebell können einem den letzten Nerv rauben. In Südamerika muss alles piepen, rattern, knattern.

Tote Hunde, Kühe, Schafe, Esel am Straßenrand sind keine Seltenheit. Hundeschützer oder Hundeliebhaber sollten lieber nicht nach Südamerika fahren.

Essen ist in Argentinien am besten gewesen. Auch die Menschen waren dort von besonderer Herzlichkeit und Aufmerksamkeit. Mopedfahrern war man sehr wohlgesonnen.

Das Leben in Südamerika ist für Europäer sehr preiswert. Besonders in den ländlichen Teilen herrscht große Armut. Es ist oft erschütternd, aus welchen Löchern plötzlich Menschen hervorkriechen. Trotzdem besitzen sie einen unglaublichen Stolz und Würde. Betteln gibt es sehr wenig, eigentlich nur in größeren Städten. Feilschen wie in Marokko ist hier nicht an der Tagesordnung, man wird auch sehr in Ruhe gelassen beim Anschauen von Waren. Nie wurden wir in irgendeiner Form bedrängt.

Fragst Du einen Taxifahrer mal kurz nach dem Weg, fährt er vor und Du mit dem Moped hinterher. Dann sagt er: hier ist es ! winkt, freut sich und fährt davon. Geld nimmt er dafür nicht.

Schikanen an den Grenzen habe wir nie erlebt, manchmal braucht es halt eine südamerikanische Stunde, hier hat man Zeit, es passiert ja auch sonst sehr wenig in the middle of nowhere.

Sand gibt es im Norden Chiles genug. Er reicht für alle Sandkästen dieser Welt in den nächsten 150 Millionen Jahren.

Morgen am Montag gibt’s volles Programm. BMW Moto, Impfung, Klamotten aus der Wäscherei abholen, Bilder an Peggy senden, vielleicht nochmal mit JORGE treffen, vielleicht ein bißchen Börse – mir graut’s schon jetzt – ein bißchen hier ein bißchen da, genauere Argentinien- und Chilekarten kaufen, es wird keine Langeweile aufkommen. Vorbereitungen für den Süden.

So, jetzt ist Schluss, 20 nach 3

Bis bald vom SUR DEL MUNDO Buenas noches und LG
Euer Klaus

 

Tag 34-35 | 16.-17. Dezember 2008
SANTIGAO de CHILE – groß, grün, schön!

Langsam habe ich mich eingelebt. Man kann es hier aushalten. Aber ich bin ja nicht auf Städtetour....

Montag in Santiago, volles Programm. Ich habe mein Bike gewaschen und dann bei BMW die reservierten Reifen gesucht. Dank Vinka haben wir sie gefunden, Spanisch öffnet die geheimen Ecken. Dann ins CLINICO ALLEMANE, jetzt hab ich einen chilenischen Stempel in meinem Impfpass. Friedhelm ist auch schon in SdC angekommen und Heinrich landet in einer Stunde. Heute abend treffen wir uns dann und sprechen über unsere Südtour. Bin gespannt.

Jetzt geht's gleich los in die Stadt, ein paar Besorgungen machen. Danke für den Kartentip, den ich von Peter aus ?? per email bekommen habe, ich werd mal schaun, ob ich da was finde.

Dann werde ich nochmal meine Klamotten neu sortieren, hab nämlich wieder alles beisammen. Jorge hatte mit meinem "Gepäck" von IQU nach SdC übrigens ein "Supererlebnis". 5 Minuten vor Abflug wurde er ausgerufen und man sagte: OPEN that topcase Mr. Neira. Er sagte, er habe keinen Schlüssel und er wüßte auch nicht, was drin ist. Gott sei Dank hatte ich es nicht abgeschlossen. Es waren 2 Brennstoffflaschen mit Benzin für unseren Kocher drin und 2 Liter Motoröl für die Bikes. Ein Riesenwirbel, er mußte die Sachen da lassen und der Flug hatte Verspätung.

Aber Jorge konnte mir gegenüber sehr darüber lachen, vielleicht treffe ich ihn heute hier in Santiago nochmal, er möchte mir noch ein paar Tips für die Südtour geben, er hat sie selbst im letzten Jahr mit Freunden gefahren.

Dann sind hoffentlich unsere Mopeds heute abend mit neuen Reifen startbereit und dann heißt es, Packen und langsam Abschied nehmen. Aber am 12. Januar werden wir ja wieder hier sein, und dann heißt es Mopeds verschiffen und ab nach Hause.

So long für heute. Hasta luego
Klaus

 

Tag 36 | 18. Dezember 2008
CHILE - SUR DEL MUNDO

Morgen früh geht's los, in den Süden der Welt. Wir sind sehr gespannt und freuen uns drauf. Danke für die vielen lieben Wünsche, die mich per email erreichen. Hasta Pronto !!

Der vorerst letzte Tag in Santiago hat begonnen. Heinrich ist am Dienstag hier angekommen und bereitet sich jetzt zusammen mit mir auf seinen Teil dieser Tour vor. Heute heißt es Packen, Putzen und Party (Abschiedsparty mit Vinka). Sie hat mich und Robert hier wirklich wunderbar unterstützt, hat so viel für uns geregelt und arrangiert... vielen lieben Dank noch mal.

Heute bringt sie uns am späten Nachmittag zu BMW, dann holen wir unsere Mopeds ab, frisch gewaschen mit neuen Reifen, Öl und Bremsklötzen. Und dann darf ich ihr noch die Hälfte meines Gepäcks da lassen bis zur Rückkehr am 12. Januar 2009.

Friedhelm ist auch bereits seit Montag hier in Santiago. Gestern abend waren wir dann zusammen aus zum Essen und haben ein langes Gespräch über die ersten 4 Wochen geführt. Über das was schiefgelaufen ist und wie man's ab jetzt besser machen könnte. Leider ist es dabei zu unüberbrückbaren Schwierigkeiten gekommen und so hat Friedhelm für sich beschlossen, heute morgen allein Richtung Süden aufzubrechen. Friedhelm, ich wünsche Dir von dieser Stelle ein gute, erlebnisreiche und gesunde Reise. Kehr heil zurück.

Heinrich und ich werden also morgen zusammen zur Südtour aufbrechen. Wir haben gerade schon über den Karten "gebrütet" und die Tips von Peter aus Frankenthal nachvollzogen. Peter ist hier in Chile geboren und hier aufgewachsen und ließt auf Tip von Christa und Karl-Heinz (haben ihr Moped mit uns verschifft) nun meine Berichte und versorgt uns per email mit guten Infos. Danke dafür !

Ja, wie gesagt, morgen geht's los. Ich werde versuchen, Euch weiter mit Berichten und Bildern zu "versorgen". Es macht mir natürlich auch große Freude, wenn ich das Erlebte noch mal so in Gedanken nachvollziehen und niederschreiben kann. Und bei der Auswahl der Bilder für die Homepage wird mir oft warm ums Herz, wenn ich dann so sehe, wo wir waren und gefahren sind. Eine tolle Ecke hier SUR DEL MUNDO.

Meine Grüße und Gedanken sind heute ganz besonders bei Karin und Sascha, meinen Familien in GT und Ergste und bei meinen Freunden.

Hasta luego
Euer Klaus

Noch ein Nachsatz:
Heinrich hat uns übrigens eine Überrachung aus Deutschland mitgebracht: Gebrannte Mandeln vom Dortmunder Weihnachtsmarkt. Endlich ein Stück Weihnachten. Leider gerade die letzte "vernichtet". Danke.

 

 

Tag 37 | 19. Dezember 2008
Die ersten Kilometer zum Südpol liegen hinter uns!

Knapp 700 km langweilige Ruta 5 nach TEMUCO liegen hinter uns. Keine besonderen Vorkommnisse.

Heute war's der erste Tag in "neuer Besetzung". Heinrich war ganz jeck aufs Mopedfahren, weil er ja seit September nicht mehr auf seinem bike gesessen hatte. Er hat das Mopedfahren auch nicht verlernt. Um 10 Uhr sind wir in SdC los und haben nur eine halbe Stunde gebraucht, um aus der Stadt zu finden, einfach Richtung "AL SUR" - nach Süden.

Fast 700 km recht langweilig geradeaus bei Sonne und 33 Grad, ich hatte den ganzen Tag mit der Müdigkeit zu kämpfen. 120 km/h und gestern zu lange gefeiert - in unserer "Stammkneioe" an der Ecke - da muss man dann halt durch.

Die Ruta 5 !! Man stelle sich eine ganz normale Autobahn vor. 2 Spuren auf jeder Seite, rechts ne Standspur, in der Mitte doppelte Leitplanke. Doch jetzt kommts. Ganz viele Ein- und Ausfahrten, teils aus Sandwegen. Auf dem Standstreifen Fußgänger, klar es gibt ja auch Bushaltestellen an der Autobahn, Fahrradfahrer, in oder gegen die Fahrtrichtung, ab und zu ein Auto, das einem auf der Standspur entgegen kommt. Und die Fußgänger kommen noch über die Bahn gelaufen, weil sie den Bus auf der anderen Seite erreichen wollen. Und dann der Fahrradfahrer mit Fellen hintendrauf, der parallel zur Leitplanke fuhr und meinte, kurz mal vor mir doch Richtung Standspur abzubiegen. Die vielen vielen Kreuze am Straßenrand spiegeln allerdings, dass denn doch ganz schön oft bei dieser "Verkehrsregelung" etwas schief gelaufen sein muss.

Sonst gab's heute nix Aufregendes, einfach nur nach Süden und fertig. Morgen geht's dann wohl richtig los. Die Vegetation hat sich übrigens schon kräftig geändert, sogar der Schwarzwald war dabei.

Buenas noches sagen
Klaus & Heinrich

 

Tag 38 | 20. Dezember 2008
Regen in CHILE!

Es war nicht das Köcheln der Kaffeemachine oder das "Krachen" wenn man ich ein frisches Brötchen beißt, es war das Prasseln des Regens auf dem Wellblechdach. Umdrehn, nicht beachten, weiterschlafen. Das Wetter kann nicht uns meinen. Guten Morgen aus PUCON!

Guten Morgen aus Pucon !

Ein absolutes Novum auf meiner Reise. Wir sitzen am Hotelfenster mit Frühstück am Bett und blicken in den Regen. Für Heinrich nichts Ungewöhnliches, er kommt ja grad aus dem verregneten und kalten Deutschland, aber ich habe seit dem 12. November derartig „Grausames“ nicht mehr erlebt, bis auf die 2 Tropfen aus der Ferne in Bolivien. Dabei sind wir gestern noch fast im Staub erstickt. Egal, Heinrich meinte, der beste Platz bei Regen seien warme Thermen, die sind 150 km entfernt und da wollen wir gleich hin.

Gestern unser erster schöner Tas nach dem langen Transferstück SdC nach TEMUCO. Dort hatten wir immerhin ein 5 Sterne Hotel mit Pool, Heinrich war drin. Nur die Harten…. Die Etappe war gestern 350 km lang und die Hälfte davon auf staubigen Schotterpisten, willkommen Heinrich im Duett der Staubigen Sandkämpfer. Heinrich legte los, als wolle er die erste Etappe der DAKAR gewinnen, aber wir sind toll klargekommen. Auch ein bißchen Festfahren am See gehörte dazu. Die Landschaft wurde gestern immer grüner, manchmal fuhren wir durch das Allgäu, manchmal war Kanada dran. Am Horizont die schneebedeckten Vulkane zeigten uns jedoch immer, dass wir doch wo anders sein mussten. In Pucpn am Lago Villarrica fanden wir eine gute Bleibe, heute morgen mit Frühstück am Bett. Den ganzen Abend draußen vor dem Lokal waren wir mit unseren Mopeds Gesprächsthema Nummer 1, wir bekamen so viele Tipps, dass wir die unmöglich in 4 Wochen abfahren können.

Ein Blick aus dem Fenster sagt uns weiterhin, dass wir uns heute Morgen nicht beeilen müssen. Gestern Abend hab ich noch mal in den Kalender geschaut, wann Weihnachten ist. Davon bin ich hier unglaublich weit entfernt. Wo wir sein werden ?? Steht nicht fest, diese Überraschung wird dann unser Weihnachtsgeschenk.

Wir wünschen unseren Lieben daheim einen schönen 4. Advent, ein bißchen Schnee mit Sonne, Glühwein und Spekulatius

Hasta luego
Klaus & Heinrich

 

Tag 39 | 21. Dezember 2008
TERMAS GEOMETRICAS - Baden im Regen

Ein schöner Tag: totz Wasser von oben und warmem Wasser von unten. Baden bei 39 Grad im Regen, einfach gut.

Tach zusammen !

Es waren nur 60 km bis CONARIPE. Ein Sonnenfenster hatte uns den Abschied aus PUCON leicht gemacht. Aber was dann kam habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Regen in seiner intensivsten Art. Hintern naß weil keine Regenhose angezogen, Handschuh nass, sind die eh immer, Füsse nass weil Stiefel nicht dicht - Swen, warum eigentlich ? - Helm von unten, innen und überall nass, und der Rucksack, den hatte ich ganz vergessen, den konnte ich dann heute abend samt Inhalt trockenlegen.

Egal. In CONARIPE angekommen mussten wir noch 17 km in die Berge hoch ins Nirwana, über eine Waldwegschotterbuckelschlammpiste, die es in sich hatte. Und da waren sie, die TERMAS GEOMETRICAS. Aber es waren die falschen. 3 warme Planschbecken, voller Teenes, Umkleide, 3 große Holzpavillions unter denen man kochte und brutzelte, ich glaube wir waren auf einem Klassenausflug gelandet. Alle Teenes barfuß im Regen, bei sagenhaften 8 Grad. Ihre Handtücher hatten sie rumliegen lassen, sie hätten sie auch gleich mit ins Becken nehmen können. Wir waren die Attraktion. Alle wollten sich mit uns und unseren Mopeds fotographieren lassen. Man sah, dass uns kalt war und bot uns Kaffee und Krapfen an, was wir dankend annahmen. Dann die Aufklärung: wir hatten wegen des starken Regens nicht so genau hingeguckt, die Termas, die wir suchten, waren noch 3 km weiter den Berg hoch. Also aufsitzen.

Jetzt waren wir endlich da. 20 Becken, 16 warme und 4 kalte, dazu ein Wasserfall, alles mitten in der Natur. Ein kleines Cafe gab es auch, mit einem offenen Feuer in der Mitte. Wir versuchten, zusammen mit 3 chilenischen BMW Bikern unsere Klamotten zu trocknen. Als wir alles ausgebreitet hatten, war das Cafe "belegt". Wir hatten tolle Gespräche und ein warmes Badevergnügen. Ein irres Gefühl, wenn man mit dem Hintern im warem Wasser liegt, und mit Kopf und Oberkörper im Regen über dem Steinrand des Beckens hängt. Das alles zwischen 35 und 39 Grad, ein Becken war muy caliente, so 45 Grad würde ich sagen. Nach dem Bade gab es eine wunderbare heiße Hühnersuppe mit selbstgebackenem Brot.

Um halb 5 entschieden wir uns, nach VALDIVIA an den Pazifik zu fahren. Das waren noch etwas mehr als 150 km, zumeist offroad. Aber es war eine Superpiste, und auch die zwei drei Schauer konnten uns die tolle Fahrt nicht vermiesen. Um halb neun in VALDIVIA angekommen existierten den ersten 2 Hotels aus dem Reiseführer gar nicht mehr. In der Stadt herrschte Towabou, der Verein COLO COLO war chilenischer Fußballmeister geworden und die Fans feierten. Wir waren wieder mal die Attraktion mit unseren Mopeds, man ließ sich mit uns fotographieren und dann sprach man deutsch mit uns. Man empfahl uns ein Hotel, dort sind wir jetzt auch abgestiegen sind, alles super. Tolles Abendessen, Herz was willste mehr. Morgen werden wir ein bißchen kreuz und quer nach PUERTO VARAS fahren. Man hat uns bereits erklärt, welches Hotel, welches Lokal und was wir zu essen haben. Da gibt's also gar keinen Ausweg mehr. Ach so, die Blume dieser Gegend heißt: HOTENSIE. Als Planze, Busch, Strauch oder Hecke. Uns gefällt sie. Jetzt ist es schon wieder 1:56, bei Euch 5:56 Uhr. Zeit, in die Falle zu kommen.

Buenas noches sagen
Klaus & Heinrich (der pennt schon)

PS:
Und hier ein Link zu der Seite der Terme >>>

 

Tag 40 | 22. Dezember 2008
Heinrich und "sein" Pazifik !!

"Wenn ich schon mal hier bin, dann will ich auch den Pazifik sehen" O-Ton Heinrich. Also nix wie hin...

Nachdem wir eine gute Nacht in VALDIVIA hatten, wollte Heinrich am nächsten Morgen endlich "seinen" Pazifik sehen. Also entschlossen wir uns, ans Meer zu fahren. Eigentlich ja die völlig falsche Richtung, aber eine Superentscheidung. Eine traumhafte Küstenstraße führte uns erst nach Westen und dann nach Norden. Wir genossen den Ausblick und ließen uns viel Zeit. Auf der Rücktour ließen wir in einem schicken Restaurant draußen am "Fjord" die Seele baumeln. Irgendwie sah es hier aus wie in Norwegen. Um halb vier hatten wir auch schon 50 km auf der Uhr und jetzt ging's dann um so schneller nach Süden. Ziel: PUERTO VARAS. Und dann tauchte er auf, am Rande des LAGO LLANQUIAUE lag der OSORNO, ein erhabener Vulkan, schneebedeckt. Daneben in unmittelbarer Nachbarschaft der CALBUCO, etwas kleiner aber genauso majestätisch. Ebenfalls mit Puderzucker auf dem Gipfel. Leider hatte sich seit der Stadt Osorno der Himmel zugezogen und ließ keinen klaren Blick auf die Vulkane mehr zu.

Wir erreichten PUERTO VARAS, ein wunderhübsches Städtchen. In PUCON hatte uns ein Däne die Empfehlung für unsere Bleibe gegeben. Unten am Hafen sprach man uns direkt auf Deutsch an, eine Nachbarin von Carla Minte, bei der wir dann eingekehrt sind. Auch Carla spricht deutsch, der Club Alleman in der Stadt hatte aber leider schon geschlossen. Es hätte Haxe, Gulasch oder noch irgendwas aus der Heimat gegeben. Auch die Schilder am Straßenrand sagten uns oft "Hosperdaje - wohlfühlen wie zu Hause". Es leben eine Menge Menschen mit deutschen Wurzeln hier.

Wir fanden ein tolles Restaurant, mit Blick auf den See und einem traumhaften Essen. Ein wunderschöner Abend mit ein paar Nachtfotos vom OSORNO und 30 badenden und kreischenden Teenagern, abends um halb 10 im eiskalten See. Gemeinsam ist man halt stark (unterkühlt) :-)

Wir wollten noch in den Irish Pub, doch die wollten uns nicht mehr. Zu Fuß zurück und ab ins Bett, wir waren hundemüde. Bericht wird jetzt gerade beim Frühstück nachgeholt. Gern hätten wir heute morgen den OSORNO in seiner Pracht gesehen, wir sind früh aufgestanden. Aber es regnet leicht und alles ist zugezogen. Also werden wir uns auf den Weg nach Argentinien machen, auf die andere Seite der Anden, da scheint laut Kachelmann die Sonne. Also los jetzt. Die Fotos schicke ich gleich noch los, die von den TERMAS GEOMETRICAS und der Fahrt nach VALDIVIA sind auch schon "unterwegs".

Bis bald, 2 mal werden wir noch wach, heissa dann...
Klaus & Heinrich

 

Tag 41 | 23. Dezember 2008
Nach Heinrich "sein Pazifik" kam Heinrich "sein Vulkan"


Der Mann liebt Vulkane mehr als.... Darum sind wir auf den OSORNO. Leider im Regen.

So schön der Abend in PUERTO VARAS war, so besch.... war der Morgen. Es hatte nachts geregnet und alles war grau in grau, man konnte das andere Ufer des Sees nicht mehr erkennen. Die Autos fuhren mit Scheibenwischern durch die Stadt und wir waren extra früh aufgestanden, um auf den OSORNO zu fahren. Heinrich ist nämlich vernarrt in Vulkane. Und wir konnten ihn nun noch nicht einmal mehr sehen. Wir blieben einfach im Bett, schauten bei Kachelmann und Wetter Chile im Internet vorbei und waren entsetzt: 4 weitere Tage Wolken und Regen. Auf der anderen Seite der Anden, in Argentinien, Sonne und relativ warm. Schweren Herzens nahmen wir Abschied. Und natürlich sind wir unsere Route über den OSORNO gefahren. Eine geile Bergrennstrecke rauf, im oberen Drittel dann leider immer kälter und Regen. Und Null Sicht. Also, hätten wir bei der Anreise und abends nicht diesen wundervollen Blick gehabt (siehe Fotos), wir hätten gar nicht gewußt, wo er ist. Einen Fotostop und wieder runter. Wir waren, glaub ich, die einzigen da oben.

Danach kam ein endlos langes Offroad Stück, das wunderbar und mit Begeisterung zu fahren war. Eine Traumpiste bis und auch nach der Chilenischen Grenze, und dann 100 km durch die Schweiz, mitten in Argentinien. Nur die Vegetation war etwas anders. Nun sind wir in SAN CARLOS DE BARILOCHE gelandet. Hier findet irgendwas statt, soviele Teenes auf einen Haufen sieht man selten. Sie haben fast alle Hotels belegt, tragen viele unterschiedliche Trikots, alle mit 08 hintendrauf, Namen, Mannschaften, was weiß ich. Wir haben ein ganz ruhiges Hotel am See, im Garten läuft der Rasensprenger, wie witzig, wir brauchen keine Bewässerung.

Morgen haben wir uns ein langes Stück vorgenommen. Wir wollen zurück nach Chile, eine Hotel für 2 Tage finden, wo wir Weihnachten feiern können, und von dem wir am 24.12. eine Spritztour und zurück zum CHAITEN machen können. Das ist ein kleiner unscheinbarer Vulkan, der im Mai dieses Jahres ausgebrochen ist und seit dem Asche spruckt. Die Stadt CHAITEN ist evakuiert, wir wollen halt mal schaun, wie so ein aktiver Vulkan aussieht und wirkt.

Danach geht's weiter nach Süden. Über Weihnachten wird's vielleicht mit neuen Bildern etwas weniger, Peggy hat Urlaub eingereicht. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals ganz ganz herzlich bedanken, dass Du alle Bilder, die ich Dir per email sende, so schnell online stellst. Und dann noch dieses wunderbare Panoramafoto.
Danke für das Weihnachtsgeschenk.

Also, bis bald mal wieder. Buenas noches
Klaus & Heinrich (ist mit der "OSORNOTRAUER" friedlich eingeschlafen)

 

Tag 41-42 | 23.-24. Dezember 2008 | Frohe Weihnachten 2008
Für uns ein besonderer Tag in FUTALEUFU - zurück in Chile


Die paar KM zum Südpol spielen auch keine Rolle mehr - Weihnachten 2008 im Süden der Welt - so fern und doch so nah - Dank WiFi ist es möglich, Dank an die Technik.

Ihr Lieben

Weihnachten, das Fest der Liebe. Alle rücken eng zusammen, Stille und Besinnlichkeit, Kinderherzen schlagen höher, Weihnachtsbaum und Kerzenschein, Gänsekeule und Underberg beherrschen die Wohnzimmer.

Wir hingegen sind kurz vor dem Südpol dieser Welt, auf die wenigen Kilometer kommt es auch nicht mehr an. In FUTALEUFU sind wir gelandet und man kann sich nicht vorstellen aber es ist so, im schnuckeligsten, gemüdlichsten und tollsten Hotel unserer Reise. Hier dürfen wir in Stille und Gedanken an unsere Familien Weihnachten feiern. Mein Wunsch dieses Jahr, der so wundervoll erfüllt wurde.

Morgen wird Heinrichs Wunsch erfüllt, da fahren wir zu seiner (un)heimlichen Liebe, dem Vulkan CHAITEN, der im Mai 2008 ausgebochen ist, aber das hab ich ja schon gestern geschrieben. So richtig kann einem keiner sagen, wie es dort aussieht, aber wir sind jetzt nur noch 150 km entfernt und wir werden es Euch berichten. Die Asche vom Ausbruch hat uns jedoch heute schon am Wegesrand in Chile nach der Grenze begleitet. Und heute abend habe ich mal mit der Hand an einer Hecke lang gestreift, da hat es mächtig gestaubt.

Heute sind wir knapp 400 km von BARILOCHE nach Chile zurück gefahren, Eine "Rennstrecke" der Superlative durch eine Natur der Superlative. Motorradherz, was willst Du mehr. Unsere TKC 80 (Continental Reifen) schmelzen wie Butter in der Sonne. Die Vegetation verändert sich nun zusehens. Je weiter wir nach Süden kommen, desto weniger Bäume, nur noch Steppengrün und flacher Bewuchs. Die Temperaturen sinken, aber wir hatten den ganzen Tag Sonne. In BARILOCHE heute morgen sogar wolkenloser blauer Himmel. Und dann noch Frühstück mit Blick auf Berge und See, Bilder folgen, einfach märchenhaft.

Also, heute an Weihnachten 3 Stunden offroad Schotterpiste zum CHAITEN, dann 3 Stunden dort, einen Sack Asche einpacken und viele Bilder machen, dann 3 Stunden zurück und dann werden wir in Gedanken bei gutem Essen und Wein unseren lieben Frauen, Kindern, Familien, Freunden und allen Lesern dieser Seite zuprosten.

Frohe Weihnachten 2008 aus Chile, dem Süden der Welt, einem wundervollen und freundschaftlichen Land

Feliz navidad
Klaus & Heinrich

 

Tag 42-44 | 24.-26. Dezember 2008
Das war unser Weihnachen 2008 im fernen Chile

Es war ein besonderes Weihnachten. Und es waren besondere Erlebnisse, die uns in diesen Tagen begleitet haben.

Heiligabend

Wir hatten uns ja vorgenommen, nach CHAITEN zu fahren um den ausgebrochenen Vulkan dort anzuschauen. Also sind wir um 9:00 Uhr morgens gestartet, 3 Stunden hin, 3 dort und 3 zurück und dann Weihnachten feiern, so war unser Plan. Es waren echte 160 km offroad eine Strecke und die 3 Stunden vergingen wie im Flug. Volle Konzentration wurde von dieser Strecke verlangt, irgendwann merkten wir, das der Sprit nicht reichen könnte, also klingelte Heinrich einfach bei einem Haus an einer Abzweigung. Und dort bekamen wir tatsächlich jeder 10 Liter. Tankstelle Patagonia nannten sie das. Wir waren dankbar und wussten, am nächsten Morgen mussten wir unseren Wirt auch noch mal nach seiner Tankstelle Patagonia fragen. Auch das klappte. Tankstelle Patagonia: ein 20 Liter COPEC Kanister, einen Schlauch, Anblasen Herr KaLeu und ab geht die Post.


Diese 320 km am 24. Dezember waren irgendwie wundervoll. Wir fuhren – zwar gelegentlich bei leichtem Niesel – entlang an Flüssen, Seen und schroffen Felswänden, umgeben von hohen Bergen, deren Gipfel allerdings in den Wolken hingen. Die Landschaft war allerdings so bezaubernd, dass wir jeden Meter genossen. Ungefähr 30 km vor CHAITEN wurden die Straßenränder plötzlich von weißgrauer Asche gesäumt. Die Flüsse hatten am Ufer und in der Mitte plötzlich große Ascheablagerungen. In den Feldern gab es große Ascheflecken. Dann ein Kontrollpunkt. Man musste Pass und Fahrzeugpapiere vorzeigen, jeder wurde kontrolliert. Ich hatte natürlich alle Unterlagen im Hotel gelassen, man ließ uns trotzdem fahren, unser Gestik und Mimik überzeugte einfach. Man kam also nicht ohne Registrierung nach CHAITEN. Dann waren es noch 15 km. Die Asche an den Rändern nahm zu und wir erreichten die Stadt. Klar, sie war leer, 8000 Menschen wurden im Mai evakuiert. Das Bild, das sich uns bot, war sehr bedrückend. Mehr als 80% der Stadt waren zerstört. Die Asche hatte den Fluss, der durch die Stadt führt, über die Ufer treten lassen und der Ascheschlamm und das Wasser haben alle Häuser durchflutet und mit sich gerissen. Hier ist alles aus Holz gebaut und kein Brett ist mehr auf dem anderen. Autos sind im Schlamm versunken, in den leeren Häusern steht die feste Asche 1-2 Meter hoch. Die ganzen Straßen sind 2 Meter höher als vorher, alles feste Asche. Die Küstenstraße ist einfach weggerissen. Es gibt kein Wasser, keinen Strom, keine Kanalisation mehr.

Ach ja, der Vulkan! Ja den gibt's auch noch. An den kann man nicht sehr nah heran kommen, man sieht ihn nur in einem kleinen Ausschnitt zwischen 2 Bergen im Hintergrund, er spuckt noch Wasserdampf und kokelt so vor sich hin. Es ist auch ein sehr kleiner Vulkan gerade mal 962 m hoch und keiner hatte ihn auf der Rechnung. Umso größer war seine Zerstörungskraft. Wir hielten uns knapp 2 Stunden in CHAITEN auf, trafen ein paar Touristen, die von einem Kreuzfahrtschiff mit Zodiacs an Land gebracht worden waren, um sich diese Stadt anzuschauen, quatschten ein wenig mit ihnen und dann traten wir unseren Heimweg an. Wir waren nach den 320 km so geschafft, dass wir erst einmal ein Stündchen unter die warme Bettdecke krochen, fast hätten wir Weihnachten verpennt. Doch dann rafften wir uns doch noch auf und gingen in unserem tollen Hotel in die gute Stube. Vorher hatten wir natürlich noch unsere Lieben daheim angerufen und FROHE WEIHNACHTEN gewünscht. Man kochte noch schnell ein wenig für uns, wir bestellten einen wunderbaren chilenischen Rotwein und dann feierten wir Weihnachten.

Wir waren sowieso die einzigen Gäste, wahrscheinlich auch die einzigen in der ganzen Stadt FUTALEUFU, aber es war für uns der gemütlichste Ort in ganz Chile. Ich laß uns eine Geschichte vor, die mir die liebe Frau Ratz aus Mettmann irgendwann in der Weihnachtszeit mal per E-Mail geschickt hatte und die ich mir für diesen Moment aufgespart hatte. "Der Tannenbaum", eine kleine weihnachtliche Geschichte. Viele kennen sie bestimmt, die Geschichte vom kleinen Tannenbaum, der so gern was besonderes erleben möchte, entweder (als Baumstamm für ein Boot) in die weite Welt hinaus, oder als Christbaum so wunderbar geschmückt im der Weihnachtsstube stehen. Denn er ist nicht damit zufrieden, die wunderbare Natur, in der er groß wird, auch so zu geniessen. Also kommt es wie es kommen muss, er wird als Tannenbaum einmal geschmückt in seinem Leben, landet danach auf dem Dachboden und wird ein Jahr später verbrannt.

Was will uns diese Geschichte denn nun sagen ? Vielleicht einfach nur, dass wir die Sonne, den Wind, die Tiere, die wunderbare Natur, die uns umgeben Heute und im Jetzt wertschätzen und genießen sollen. Nur das Heute zählt in seiner Einzigartigkeit. Der Glanz der Zunkunft darf geschehen, aber er ist für uns nicht das Entscheidende im Leben. Wir können an dieser Stelle nur Danke sagen für das, was wir hier täglich erleben dürfen und was wir bereits erlebt haben. Und für die wunderbare Art und Weise, wie wir es erfahren haben.

Die Familie des Hausherren saß den ganzen Abend mit ein bißchen Wein und guten Gesprächen, eingewickelt ind dicke Decken, vor der Tür. Außer den Geräuschen der Natur gab es nur Stille. Es liefen ganz leise Weihnachtslieder, Stille Nacht und sonst noch viele bekannte deutsche Weihnachtslieder, aber mit spanischem Text. Um Mitternacht kam die Familie rein, versammelte sich am Ofen, jeder bekam ein kleines Päckchen, man nahm sich in den Arm und das war's. Aber es hatte eine gewisse Romantik und die Leute strahlten Freude aus. Wir nahmen das zum Anlass und verkrochen uns aufs Zimmer, wir waren hundemüde.

1. Weihnachtstag

Wir trauten unseren Augen nicht, wolkenloser Himmel. Wir frühstückten draußen in der Sonne, unglaublich. Wir hätten da auch den ganzen Tag sitzen können, hätten uns vielleicht später auf die Liegen am Pool gelegt (der hatte aber kein Wasser, war dafür aber frisch gestrichen). Nein, wir packten auf, Tankstelle Patagonia, und um viertel vor 12 ging's dann endlich los. Die ersten 80 km kannten wir ja schon, nur nicht bei Sonne. Was sich uns jetzt bot war irre. Was gestern schön war, war heute wunderbar. Die Bergspitzen waren in weiß, gestern im Nebel. Die Natur sieht halt im Sonnenlicht doch viel bezaubernder aus.

Nach einer Stunde machten wir einen Halt an einem Flusslauf. Karin und Sascha waren in Düsseldorf an Heiligabend an den Rhein gefahren, hatten ihre Hände ins Wasser gehalten um mir ihre Liebe und Gedanken über das Wasser zu senden. Hier an dieser Stelle habe ich sie empfangen und ihnen meine Antwort geschickt. (Meinen Freund Oscar habe ich natürlich vorher angerufen, der arbeitet bei DPD, und er hat gemeint, er könne da schon über die Feiertage für eine gewisse Beschleunigung sorgen, Danke mein Lieber)

Wir fuhren nach PUYUHUAPI, das sollte ein bezauberndes Örtchen sein und man hat dort auch so einen "hängenden" Gletscher, im Nationalpark VENTISQUERO COLGANTE. Wir hatten nur noch wenig Sprit und es gab eine COPEC (Tankstelle), aber keinen, der sie öffnete. Doch man sagte, der kommt gleich wieder. Und dann kam er, ein etwas eigenartiger Typ, aber sehr nett. Er sprach erstmal Englisch, obwohl er perfekt Deutsch sprach. Es gab Sprit und die Auskunft, dass der Gletscher ca. 20 km südlich sei und er da jetzt hinfahren würde, um mit dem Jungen, den er dabei hatte, mal kurz hoch und wieder runter zu laufen. Wir können ja hinter ihm her fahren. Der Auf- und Abstieg würde auch nur 2 Stunden dauern.

Hallo? Wie? 2 Stunden? Kein Lift?
Wir fuhren mit, zogen uns im Nationalpark anderes Schuhwerk an, verschlossen all unser Gepäck in seinem Auto und los ging's. Der Typ war fit. Eine Stunde bergauf, ohne Erholungspause, schlimmer als in Norwegen am Prekkestolen. Es ging einen kleinen Pfad durch den Urwald. Die Vegetation war atemberaubend, es war richtiger Urwald, Natur pur. Aber es ging nur berauf. Er hatte gesagt, eine Stunde und dann siehst Du ihn, den Gletscher. Und so war's. Ich hab gepustet wie eine Dampfwalze, aber auch ich war oben. Normalerweise hätte man jetzt ein Picknik gemacht oder hätte das ganze in Ruhe auf sich wirken lassen, aber dazu war keine Zeit. Er musste zurück und wir hatten unser Gepäck in seinem Auto. Aber es war ok so. Ohne ihn hätte wir dieses fantastische Erlebnis gar nicht gehabt. Heute war alles unter Wolken und im Regen. Da wäre nix gewesen mit Gletscher gucken.

Wir fuhren die 20 km zurück nach PUYUHUAPI, waren etwas kaputt, fanden im B&B CASA LUDWIG ein Zimmer unterm Dach, kochten uns Spaghetti und Tavellunch, aßen draußen unter Sternenhimmel und fielen todmüde ins Bett. Internet gab es keins, von daher "musste" ich auch keine Berichte schreiben. Unser Verdaungsspaziergang jedenfalls war einsame Spitze gewesen.

2. Weihnachtstag

Heute morgen lagen See und Berge vor dem Haus im Nebel und es regnete. Gestern abend hatte ich noch den wundervollen Sonnenuntergang am See fotographiert und jetzt das. Da hat man nicht so die recht Lust sich zu beeilen und so wurde es schon wieder halb 12, bis wir endlich loskamen. Aber unsere Etappe war ja auch nur 220 km lang und so ist das nicht wirklich schlimm, außerdem ist es hier ja lange hell. Es gab in der CASA LUDWIG ein gutes Frühstück und man sprach natürlich Deutsch. Und es waren auch Freunde aus Deutschland dort zu Besuch. Einfach alles Deutsch hier unten. Das Café Rossbach hatte wegen Weihnachten leider geschlossen, sonst hätten wir dort Schwarzwälder Kirsch gegessen.

Der heutige Tag war dann trotz leichtem Niesel vielleicht einer der schönsten Fahrtage, die Heinrich und ich bisher erlebt habe. Die CARRETERA AUSTRAL (SÜD) verlangte uns in diesem Stück fahrerisch alles ab. Offroad at it's best. Wir lernten Spitzkehren auf Schotterpiste und nassem Untergrund fahren, tiefe Schotterpisten mit und ohne Spruen, das volle Programm. Aber das Faszinierenste: Wir hatten das Gefühl, wir fahren durch den Urwald. Die Strecke war so atemberaubend schön, dass wir plötzlich SCH... dachten, als man uns nach mittlerweile fast 700 km offraod der letzten Tage ein 10 km langes Aspahltstück dazwischen schob. Irgendwie bilden diese Art der Natur mit seinen Schotterpisten eine unglaublich harmonische Einheit und man möchte nichts anderes mehr fahren. Hätte ich vor nicht allzu langer Zeit so auch noch nicht nachvollziehen können.

Wir machten einen kleinen Umweg von 100 km und fuhren nach COHAIQUE. Dort suchten wir eine Werkstatt auf und ließen den Erstzreifen auf mein Moped aufziehen. Jetzt habe wir den Gebrauchten in Reserve und werden den dann noch mal wechseln, wenn Heinrichs ganz abgefahren ist. Das war echt nötig, den die Reifen haben auf unseren erst 3000 km enorm abgebaut. Ich bin jetzt übrigens seit Reiseantritt 11.000 km in Chile, Bolivien und Argentinien gefahren. Und so zwischen 4 und 5 Tausend werden wohl noch dazu kommen. Gut, das der Sprit so billig ist

Nun sind wir heute abend in einem ziemlich exklusiven "Schuppen" in PUERTO CHACABUCO gelandet. Wir waren im Fitnessbad, hatten Superbuffet zum Dinner, haben ein tolles Zimmer und morgen früh um 7 starten wir zu einer 12 stündigen "Schiffsreise" durch die Fjorde zu Getscher SAN RAPHAEL. Wir sind sehr gespannt und freuen uns. Das haben wir uns einfach verdient ! So, jetzt werden noch jede Menge Bilder nach Deutschland geschickt, bei Euch ist es schon wieder 6:03 und Peggys "Urlaub" ist zu Ende. Ihr dürft Euch auf jede Menge schöner Bilder freuen.

Bis bald. Hasta la vista.
Klaus & Heinrich

 

 

Tag 45 | 27. Dezember 2008
SAN RAFAEL - unser Gletscher der Superlative !

Es müssen Superlative sein, denn so etwas hatten wir ja noch nie gesehen. Einen Gletscher, der im Pazifik mündet.

Was für ein Tag. Unsere Entscheidung, diesen Gletscher "zu besuchen" konnte besser nicht sein. Alles passte perfekt. Ein traumhaftes Hotel mit 100 Wohlfühlpunkten und eine "Bootsfahrt", die alles bot, was das Herz begehrt.

Um 6:15 h gab's per Telefon den wake-up call, um sieben Kaffee und Kekse im Foyee und für die 800 m zum Hafen stand ein großer Bus vor der Tür (man kann's auch übertreiben). Ab auf den "Catamarane del Sur" und pünktlich um 8 Uhr legte der Vogel ab. Die Fahrzeit wurde mit 5 Stunden angegeben, in Spanisch und Englisch den ganzen Tag, alles perfekt. Die Strecke betrug durch die Fjorde bis in die Gletscherlagune 220 km. Große Schiffe können da nicht rein, weil die Lagune zu flach ist. Die Verpflegung des Tages legte um 9:00 Uhr los. Frühstück, dann Pisco Saur um 11:00 Uhr zur Begrüßung, um 12:00 Uhr Lunch - Filet mit allem drum und dran ...und dann kam SAN RAFAEL um die Ecke. Der erste Gedanke war: was hängt da denn für 'ne kleine Eislippe im Wasser ?? Das Boot wurde langsamer und manövrierte durch die kleinen Eisberge. Wir fuhren und fuhren und der Gletscher wurde nur langsam größer. Allein die Distanzen konnten wir überhaupt nicht abschätzen, geschweige denn Länge und Breite. Und dann waren wir nah dran. Das Blau des Gletschers überwältigte uns, doch noch immer konnten wir seine Größe nicht wirklich erfassen. Der erste Zodiac (Schlauchboote mit Außenborder) wurde zu Wasser gelassen, insgesamt waren es 3. Alle Passagiere waren zuvor in 8 Gruppen eingeteilt worden. Als das Zodiac mit seiner Boardcrew zurückkam, hatten sie viele Eisblöcke aus dem Wasser gefischt. Später wussten wir, was damit geschehen sollte.

Die anderen Zodiacs wurden zu Wasser gelassen und die ersten Gruppen stiegen ein. Sie fuhren direkt an den Gletscher heran. Erst jetzt bekamen wir ein Gefühl für seine Dimensionen. Die "Eiszunge" ist 3 Kilometer breit und 80 Meter hoch. Insgesamt bedeckt er im Hinterland eine Fläche von rund 2000 QKM. Die Boote wirkten wie Spielzeug vor der Wand. Statistisch bricht alle 20 Minuten ein Eisstück in der Größe eines Einfamilienhauses ab. Und das stimmte. Es landeten während unser fast 3 Stunden dort – die Zeit verging im Flug – viele Einfamilienhäuser im Wasser und trieben dann als Eisberge auf uns zu. Irgendwann waren auch Heinrich und ich in Grupo SEI an der Reihe und durften den SAN RAFAEL aus der Nähe bestaunen. Majestätisch. Alle Kamaras haben an diesem Tag geglüht und soviel Wärme abgegeben, dass die Eismassen nur so knarrten und mit lautem Getöse ins Wasser stürzten. Zurück an Bord ging es langsam zur Party über. Es gab "Harte Drogen" bis zum Abwinken, wir tranken diverse Barcadi Lemon, natürlich auf 18.000 Jahre altem Gletscher Eis. Jetzt kannten wir die Bestimmung des Eises. Was haben wir da eigentlich an fossilen Bakterien und Kulturen, an Weisheit und Alter in uns "reingekippt" ? IHR werdet es erleben, wahrscheinlich altern wir jetzt nicht mehr oder kommen schon verschrumpelt zu Hause an. Es wurde Musik gespielt, alle waren ausgelassen und man konnte ihnen die Freude über dieses gigantische Erlebnis anmerken. Kaffeetrinken und Lachs zum Dinner wollen wir nicht vergessen und natürlich Trinken was und soviel man wollte.

Die Rückfahrt gestaltete sich schwierig. Erst musste der KaLeu mal ganz vorsichtig durch's Eisfeld manovrieren, keine Ahnung, wo plötzlich die ganzen Eisberge herkamen, auf der Hinfahrt jedenfalls waren noch nicht so viele da. Und dann wurde auch genau nach dem Abendessen die See richtig stürmisch und der Catamaran fuhr Schlangenlinie. Ich habe zu Schluß noch 20 Minuten auf dem Heck des Schiffes gestanden und mich mit geschlossenen Augen von der untergehenden Sonne wärmen lassen. Alle Eindrücke des Tages vermischten sich mit den Gedanken an die Heimat, an Familie und Freunde. Ein wundervoller Abschluss.

Um 21:00 Uhr haben wir im Hafen von CHACABUCO angelegt. Ich habe mich im Foyée vor den prasselden Kamin gesetzt, Heinrich hat die warme Dusche bevorzugt. Ein wundervoller Tag ist zu Ende, er wird in unserer Erinnerung das intensive Blau und das Majestätische von SAN RAFAEL abspeichern.

Morgen geht's weiter nach Süden. Wir werden sehen, wohin es uns treibt.

Buenas noches jetzt muss ich NUR noch blaue Bilder sortieren.
Klaus & Heinrich (der träumt schon vom 18.000 Jahre alten Gletscher Eis)

 

Tag 46-49 | 28.-31.12. Dezember 2008
RUTA 40 - 570 km Höllentrip!

2 Tage waren wir offline - heute unser Höllentrip nach CALAFATE. Hier feiern wir Silvester und der Bericht ist nun auch komplett.

Heute haben wir einen Höllentrip unternommen. Sind um 11 gestartet und nach 570 km – 410 km offroad und 160 km Asphalt - in CALAFATE um 20:45 Uhr angekommen. Hier werden wir Silvester feiern. Haben bis viertel vor elf in der Sauna und im Pool gelegen und uns aufgewärmt, dann noch um 23:15 Uhr Essen – das einzige Essen heute außer ein bisschen Frühstück.

Jetzt freuen wir uns, dass wir wieder online sind und die nächsten Tage hier im Traumhotel XELENA am See etwas ausspannen und die Seele baumeln lassen können. Morgen früh werde ich Berichte und Bilder nachholen, es waren anstrengende und aufregende Tage.

Bis denne und erst mal gute Nacht
Klaus & Heinrich (der heute im Offroad-Wahn war)

 

Tag 46 | 28. Dezember 2008

Irgendwie ist es in den letzten Tagen unsere Zeit geworden, Abfahrt immer um viertel vor 12. Nochmal diese wunderschöne Strecke von PUERTO CHACABUCO nach COYHAIQUE, dann ein Abstecher in die Stadt, Heinrich wollte sich eine neue Jeans kaufen – sonntags keine wirklich gute Idee, aber ich glaube die alte passte nach der Vollverpflegung gestern auf dem Schiff nicht mehr. Und ? Er hat eine bekommen !! Dann noch zum Café RICER an der Ecke und ab ging’s nach Süden. Eine ziemlich zügige Strecke in toller Landschaft mit tollen Kurven. Und wir hatten uns nach 180 km auch super daran gewöhnt, da war’s auch schon vorbei mit der Asphaltherrlichkeit. Schotter !! Und zwar so tief, dass wir unbedingt im Stehen hätten fahren müssen, ging aber nicht, der Wind hätte uns fast von den Mopeds gefegt.

So langsam müssen wir uns mit der patagonischen Brise anfreunden. Wir hatten schon auf dem Stück von BARILOCHE/Argentinien bis nach Chile unsere ersten Erfahrungen. Also lange 20 km ein Rühren am Lenker, eine echte Eierei. Doch dann ging’s. Die Landschaft wurde immer sehenswerter, hohe schneebedeckte Berge, echte 9 Grad, wunderschöne grüne Bewaldung. Wir fuhren entlang des RIO IBANEZ und erreichten den See LAGO GENERAL CARRERA, den zweitgrößten See Südamerikas, flächenmäßig wohl 1,5 mal so groß wie der Bodensee. Wir fuhren durch das Tal „Bosque muerte – Tal des toten Waldes“. Alles voller toter Baumstämme im Flusslauf. Unsere Route glich einer Teilstrecke der Dakar und wir hatten wirklich das Gefühl, wir seien auf einer Rally. Ich fuhr hinter Heinrich und musste heute Abend ne ganze Menge Cerveza trinken, um den Staub runterzuspülen. Dann erreichten wir PUERTO TRANQUILO, ein kleiner Ort mit einer Sehenswürdigkeit: Die Marmorkathedralen. Wir hatten nach 180 km Pavimento und 120 km strammen Offroads genug und beschlossen, die „Kathedralen“ am nächsten Morgen zu besichtigen. Heinrich hielt an einer Grundstückseinfahrt und eine nette Dame bot uns an, uns per Boot dorthin zu fahren und gleich bot sie uns auch noch eine Cabana an.

Nun haben wir eine Hütte, riesengroß für 6 Personen, mit Küche, Kaminofen und allem Zip und Zap. Wir haben gekocht, genug Holz reingeholt zum Heizen, es ist muckelig warm, unser Bier nach 4 haben wir auf der Terrasse mir Blick auf den See genossen, kurzum: traumhafte Location. Morgen früh also 1 ½ Stunden Bootstour ab 9 Uhr und dann geht’s weiter nach Süden.

Einen besonderen Dank muss ich hier noch mal loswerden an die Erbauer unserer Mopeds. Was wir denen zumuten und wie die uns durch und über die Schlaglöcher hinwegbringen ist einzigartig. Jederzeit souverän und ohne zu zicken.

Unsere Reise bietet uns bisher täglich wunderschöne Überraschungen, wir freuen uns auf jeden neuen Tag. Das Wetter ist uns sehr wohlgesonnen, den Staub spülen wir runter, also, so kann’s weitergehen.

Hier in PUERTO TRANQUILO ist alles so ruhig, es klingelt noch nicht mal ein Telefon. Will sagen: kein Handyempfang, kein Internet, einfach alles tranquilo. Bericht und Bilder also (hoffentlich) erst morgen, dann werden wir allerdings Chile verlassen haben und uns wieder in Argentinien rumtreiben.

Buenas noches, einen guten Wochenstart und Jahresendspurt wünschen
Klaus (hat jetzt allen Staub runtergespült) & Heinrich (hat jetzt seinen Krimi fast ausgelesen)

PS: diesen Bericht hatte ich schon geschrieben, konnte ihn aber mangels Internet nicht online stellen. Ab hier geht’s dann wieder zeitnah weiter, muss viel nachholen.

 

Tag 47 | 29. Dezember 2008

Auf die Minute fit stiegen wir morgens um kurz vor 9 ins Boot um zu den CATEDRAL DE MARMOL rauszufahren. Hier hat der LAGO GENERAL CARRERA im Laufe von ?? Jahrtausenden(millionen ?) die Marmorfelsen am Ufer derart ausgespült, dass sie wie Kathedralen wirken. Wir fuhren auf den See in seinem tiefen Türkis hinaus. Allein das war schon die Reise wert. Nach einer knappen halben Stunde erreichten wir das erste unterspülte Ufer. Schon unglaublich, in welcher Form das Wasser die Marmorfelswand "bearbeitet" hat. Wir fuhren entlang der Felsen und immer weitere Grotten kamen zum Vorschein. Ein tolles Stück Natur, das sich uns hier bot. Irgendwann erreichten wir sie, die CATEDRAL. Ein riesiger Block aus Marmor, im See, vom Wasser derart unterspült, dass er auf Stelzen stehend wirkt. Wir fuhren mit dem Boot noch durch eine Marmorgrotte und dann ging's zurück. Wir mussten hinten im Boot platznehmen und was dann folgte war wie Offroad- und Rennstrecke fahren in einem Durchgang. Die Gischt spritze und wir klammerten uns an unsere Holzbänke. Der KaLeu stand ganz entspannt im Heck am Außenborder und gab Gas. Wir erreichten unsere Cabana und Heinrich machte uns noch Frühstück. Angebratene Spaghetti und Nescafé, Spargelcremesuppe mit Klümpchen (trotz Sieb), weil wir sie ins heiße statt ins kalte Wasser geschüttet hatten. Oh Schitt Frau Schmidt....

Packen, bezahlen, tanken, Wasser und Kekse kaufen.... jeden Tag die gleiche Reihenfolge.

Wir wollten nach Argentinien und hatten geplant, in 2 Tagen CALAFATE am LAGO ARGENTINO zu erreichen. Ca. 820 km mit einer Übernachtung, ein strammer Plan. Doch so sollte es nicht kommen.

Wir fuhren lange am LAGO G.C. entlang und konnten kaum loslassen, so schön war die Landschaft und das Türkis seines Wassers. Wir fuhren Richtung COCHRANE um dann am RIO CHACABUCO entlang den kleinen Grenzübergang bei RABALLOS zu nehmen unterhalb von CHILE CHICO. Diese Strecke hatte uns ein Travelguide empfohlen, den wir seit FUTALEUFU schon wieder getroffen hatten. Es sei toll für Mopeds hatte er gemeint. War es auch, anspruchsvoll in kargem Hochland, menschenleer und fern jeder Zivilisation. Wenn wir jetzt noch nach der Grenze den richtigen Weg genommen hätten, wäre alles ok gewesen. Aber wir bogen links statt rechts ab und hatten damit einen Pfad erwischt, der parallel zur Grenze nach Norden führte, nach LOS ANTIGUOS. Wir merkten diesen Fehler erst nach 35 km, das war eine gute Stunde Fahrt. Wir kehrten um, wieder ne Stunde, drückten am Gabelpunkt nach 2 Stunden die RESET Taste und fuhren nun auf dem richtigen Weg.

Was wir aber auf diesen 35 km gesehen haben, konnten wir uns heute auf einer Postkarte in CALFATE anschauen. Wir haben dort oben im Niemandsland entlang der Grenze eine ganze Kolonie Condors Andino, Anden Condore, aufgescheucht. Mächtige Vögel mit bis zu 3 m Spannweite, ganz schwarz und einen weißen Ring um den Hals. Wir waren sehr verdutzt, die Condore auch. Einer kam von hinten über mich geflogen - so in 4-5 m Höhe - und erschien dann in meinem Sichtfeld. Ich hatte das Gefühl, da fliegt ein Flugzeug vor mir. Ein Condor schwenkte nach links ins Tal hinab, ich hatte aus kürzester Distanz eine kurze Draufsicht, ganz schön groß dachte ich. Hier und da starteten ein paar von den Felsen in unmittelbarer Nähe... kurzum, ein besonderes Erlebnis. Wir fuhren leider Moped in unwegsamen Gelände und konnten nicht mal so eben anhalten. Auf der "Rücktour" unseres ungeplanten Umwegs kamen wir natürlich nochmal dort vorbei, wieder scheuchten wir sie auf, nur waren sie jetzt viel weiter oben am Hang, Fotos haben leider nicht geklappt.

Gefühlsmäßig waren wir gar nicht von der Stelle gekommen, der LAGO G.C. lag nur knapp hinter uns und unser Weg zum vermeintlichen Übernachtungspunkt noch weit. Und das Gelände schwer. Dann hatten wir die richtige Abzweigung und entschieden uns, nach Süden nach YRIGOYEN (LAGO POSADAS) zu fahren. Es war fast 21 Uhr als wir dort ankamen. Es dauerte eine ganze Weile, bis man in diesem kleinen Nest eine - dann aber schöne - Bleibe für uns gefunden hatte. Noch einen tollen Salat und ein klasse Hühnchen bei DA THOMAS, was anderes gab's gar nicht, und das Bett rief. Am nächsten Morgen wollten wir nämlich mal früher los, es war ja auch noch ein langer Weg und wir planten eine zusätzliche Übernachtung bis CALAFATE ein.

 

Tag 48 | 30. Dezember 2008

Der Wecker klingelte um 8 und es ging zügig aus den Federn. Um 10 wollten wir spätestens im Sattel sitzen. Um halb 10 wären wir dann auch fertig gewesen, aber wir konnten nirgendwo bezahlen, kein Mensch weit und breit. Und an der einzigen Zapfsäule im Umkreis von wahrscheinlich einigen 100 km, an der eben noch 2 Auto getankt hatten, war auch keiner mehr. Alles verrammelt. Nach 10 Minuten kam dann der "Herrscher über das kostbare Nass" zurück und wir bekamen unseren Stoff. Die nächste Tankstelle war dann auch nur 410 km entfernt in TRES LAGOS.

Dann trafen wir die Tochter von der Mutter aus dem anderen Hotel und davon die.... kurzum, wir mussten woanders hin um zu bezahlen. Und da wartete man schon mit dem Frühstück auf uns. ??? ach ja, Südamerika. Alles super nett und freundlich und einfach klasse. So kam es wie es kommen musste, es war wieder viertel nach 11 und unsere Tour konnte - immerhin eine halbe Stunde früher als sonst - starten. 80 km bis zur berühmt berüchtigten RUTA 40. Schon in der Nacht und morgens hatten wir Sturm mit Windstärke PATAGONIA, jetzt bekamen wir zu spüren, was das wirklich heißt. "Hart am Wind segeln" war die Devise, aber die ersten 80 km hatten wir fast Rückenwind, wir fuhren ja nach Osten. Und dann rechts abbiegen, RUTA 40 !! Scharfe Briese von rechts vorn Herr KaLeu und es ging los. Die Strecke war nicht so schlecht, offroad Schotter und Kies, aber gut zu bewältigen. Nur der Wind, da musst du dich erst an das Fahren in Schräglage gewöhnen. Wir hatte ja auch schon seit 7 oder 800 km keinen Asphalt mehr gesehen, also wäre alles andere jetzt fremd gewesen. Wir hatten das vorläufige Ziel ESTANZIA LA SIBERIA am LAGO CARDIEL. Hotels gibt es hier nicht, es gibt ESTANZIAS - große Farmen - die früher einfache Übernachtungsmöglichkeiten für Durchreisende boten. Heute sind die dann teilweise komfortabel ausgebaut wie Pensionen oder Ferienanlagen.

Wir erreichten EA. LA SIEBERIA, sah gut aus, aber es war erst 16 Uhr und es bleibt hier ja bekanntlich lange hell. Heinrich fackelte nicht lange und sagte: Wir fahren weiter, ok ? OK !! Was jetzt kam hat unser Adrenalin von 2 Motorradsaisons verbraucht. Eine frisch geschotterte Piste, 100 km lang bis TRES LAGOS. Deine Spur war eigentlich nur 80 cm breit, manchmal auch nur so breit wie ein Autoreifen. Links und rechts davon eine wieder 80 cm breite, knöchelhohe oder höhere Schotterspur. Ich würde das Offrodfahren hier in Südamerika am oberen Ende in Stufe 8 bis 10 einteilen. 8 war der Schotter mit dem Wind gestern, 9 der Sand in Bolivien und 10 wäre dann der Sand Boliviens mit dem Patagonischen Wind. Klar, es gibt auch noch Matsch und Schlamm und tiefen Grund, aber der Wind von vorne rechts oder auch links war gigantisch. Der fegt dich dann soeben mal durchs Kiesbett vom linken an den rechten Rand. Eine kleine Konzentrationsschwäche in all den Stunden und du landest im Graben oder auf der Nase. Jeder von uns hatte das Vergnügen gestern, aber ohne Folgen. Das gehört einfach dazu.

Jetzt geht's in die Stadt... Fortsetzung folgt.

In einer halben Stunde beginnt bei Euch ein für alle hoffentlich gesundes und frohes Neues Jahr 2009. Hier dauert es noch ein bißchen und so kann ich noch die letzten Zeilen schreiben.

In TRES LAGOS angekommen fanden wir zufällig die Tankstelle, bevor wir in die Stadt abbogen. Dort wollten wir übernachten. Doch dann bemerkte Heinrich, dass hier plötzlich Asphalt anfing. Wir fragten und man sagte uns, dass die Straße bis auf 30 km Offroad durchgängig Asphalt nach CALAFATE hätte. Heinrich und ich stärkten uns mit Kaffee und Empanadas und dann haben wir uns angeguckt und los ging‘s, noch mal 160 km. Der Gegenwind war teilweise so heftig, dass unsere Mopeds im 6. Gang bei Vollgas grad noch 120 Km/h schnell waren. Wir haben alles gegeben und erreichten CALAFATE vor Sonnenuntergang, nahmen diesen tollen Schuppen XELINA, und der Rest steht schon oben. Was für ein Tag. Wer das schafft, schafft auch den Rest, das war unser Gefühl gestern Abend.

 

Tag 49 | 31. Dezember 2008

Heute Morgen um 6 bin ich wach geworden und konnte aus unserem Panoramafenster ein bißchen Sonnenaufgang über dem LAGO ARGENTINO sehen und fotografieren. Dann ging's noch mal in die Heia.

Nach tollem Frühstück sind wir mit dem Shuttlebus in die Stadt gefahren, haben eine Shoppingorgie hingelegt, waren beide noch im RUTA 40 Wahn, Aufkleber und T-shirts und Postkarten, haben ein Museum besucht und wissen jetzt alles über Entstehung und die Ureinwohner Patagoniens. Jetzt bereiten auch wir uns auf Silvester vor, bei Euch läuft gerade der Countdown.

Alles Liebe, alles Gute, guten Rutsch und bis nächstes Jahr in alter Frische sagen
Klaus & Heinrich (der schon wieder im Pool liegt)

 

 

Tag 49-52 | 31. Dezember 2008 - 3. Januar 2009 - Frohes Neues Jahr
Willkommen in 2009 - Wendepunkt unserer Reise!

Technische Schwierigkeiten beim Internet, aber nicht auf unserer Reise. Heute sind wir am Wendepunkt gestartet - an der Magellanstraße. Von nun an geht's nur noch nach Norden.


Tag 49 | 31. Dezember 2008


Unsere Silvesterparty verlief sehr ruhig und beschaulich. Im Hotel wollten wir nicht bleiben, da waren nur Schlipsträger und lange Kleider unterwegs und unsere Mopedklamotten waren noch nicht gebügelt. Außerdem hätten wir das Durchschnittsalter versaut... jetzt nur nix falsches denken.


Also fuhren wir ins Dorf und stellten fest, dass dort in jedem Lokal alles reserviert oder voll war. Heinrich wäre zum Schluss auch mit einer Pommesbude zufrieden gewesen, aber ganz so „stilvoll“ ist es dann doch nicht gekommen. Wir überzeugten einen Kellner, dass der ab 23:00 Uhr reservierte Tisch genau der richtige für uns sei, dann wären wir schon längst fertig. Als wir erst mal saßen, durften wir natürlich auch nach 11 noch sitzen bleiben, kam sowieso keiner mehr. Kurz nach Mitternacht haben wir dann bezahlt und sind eine gute halbe Stunde zum Hotel gelaufen, ich hatte mir mehr Bewegung im Neuen Jahr vorgenommen. Im Hotel war „Totentanz“ der letzten Lebenden und wir gesellten uns nicht mehr dazu. Schließlich wollten wir am Neujahrstag unseren 2 Gletscher sehen, den PERITO MORENO. Wir waren sehr gespannt, denn dieser Gletscher ist seit Jahrzehnten konstant groß und schmilzt nicht. Und ein besonderes Phänomen gibt es dort, er schiebt sich nämlich gegen das Land, bildet dann eine Brücke, die irgendwann einstürzt und das Spiel beginnt von vorn. Die letzten beiden Einstürze langen nur knapp 2 Jahre auseinander. Davor hatte es 16 Jahre gedauert. Wir hatten bei unserer Museumbesichtigung ein beeindruckendes Video davon gesehen.


Tag 50 | 1. Januar 2009 – Frohes Neues Jahr

Wer Silvester nicht versumpft ist, kommt Neujahr gut raus. Um halb 11 waren wir - gut gefrühstückt – schon auf der Piste. 80 km zum Gletscher waren ja ein Klacks. Eine knappe Stunde später konnten wir ihn schon bewundern. Irgendwie kam uns das Naturschauspiel noch bekannt vor. Nur war es trotzdem anders. Hatten wir SAN RAFAEL in einer irgendwie intimen Atmosphäre besichtigt, ganz allein in der Lagune, war hier am PERITO MORENO alles touristisch erschlossen. Viele Menschen trafen sich hier, um das Naturschauspiel Gletscher zu erleben. Die gesamte Gletscherfront war durch eine wunderbare Treppenanlage abzulaufen und zu bestaunen. Man kam zu Fuß sehr nah an die Eiswand heran, das tolle Blau rief unsere Erinnerungen auf den Plan. Das Spannungskrachen des Eises hallte zwischen den Bergen und flößte ungeheuren Respekt ein. In besagtem Tunnel brachen an diesem Tag viele große Eisstücke ab, man hörte es nur und sah die Wellen austreten. Es gab eine große Restauration, wir saßen lange auf der Sonnenterasse und genossen die Aussicht. Überall war Sonne, nur der Gletscher bekam keine ab, darum sind die Bilder auch nicht so brillant. Die Flora und Fauna um das Eismonster herum ist sehr grün und naturbelassen schön.


Nach der Rückkehr im Hotel noch ein bißchen ins Wasser, die wunderbare Aussicht genießen und natürlich ins Freie schwimmen. In der Stadt wieder das gleiche Bild, alle Lokale voll, aber für ne Pizza hat’s noch gereicht. Dann Pläne geschmiedet, wie’s denn jetzt weitergehen sollte. Der Wendepunkt unserer Reise stand unmittelbar bevor. Wir wollten das Maximum, doch der Wind machte einen Strich durch die Rechnung


Tag 51 | 2. Januar 2009

Wir hatten uns vorgenommen, um spätestens halb 10 loszufahren. Es hat geklappt. Mit all der Packerei immer ein kleines Stressprogramm, aber das gehört nun mal dazu. Es gab viele Ideen am Vorabend und wir wollten eigentlich noch ganz viel sehen. Wir hatten die Tag bis Santiago ausgezählt und festgestellt, dass es noch ganz schön weit zurück ist in so kurzer Zeit. Trotzdem, TORRES DEL PAINE wollten wir noch sehen und dann noch Heinrichs verrückte Idee, zur MAGELLANSTASSE zu fahren, da wo Südamerika endet und TERRA DEL FUEGO – Feuerland - beginnt. Dort konnten wir leider aus Zeitgründen nicht mehr hin. Also los, auf schönem Asphalt noch einen Tag nach Süden. Als wir an den Abzweig zur RUTA 40 kamen, müssen wohl bei uns die Erinnerungen an den Höllentrip hochgekommen sein, denn Heinrich hatte plötzlich keine Lust mehr auf TORRES DEL PAINE und ich konnte mich auch recht schnell damit anfreunden, diesen „Abstecher“ (wahrscheinlich ein paar hundert Kilometer) nicht zu machen. Also Plan B, weiter zur MAGELLAN. Da sollte es auch ein paar Pinguine geben.


In RIO GALLEGOS haben wir dann mal kurz an einer Tankstelle die hinteren Bremsbeläge von Heinrichs Moped gewechselt, die kratzten schon auf Metall. Ein kurzer Anruf in Osterrath beim „Schrauber“ meines Vertrauens, und wir wussten wie’s ging. Danke Jochen.


Und dann noch mal kurz 130 km offroad nach Südost und wir waren da, am CABO VIRGENES, dem Eingang zur MAGELLANSTRASSE. Hier treffen am äußersten Punkt auch Argentinien und Chile zusammen, es gibt aber keinen Grenzübergang. Brauchten wir auch nicht. Wir fanden eine Teestube !! am Leuchtturm, Apfeltorte und Torte Negra am Holzofen, es war muckelig warm und draußen tobte die Patagonische Brise. Heinrich meint, Windstärke 9 bis 10 haben uns den Tag über begleitet. Mir ist dieser Orkan heute ganz schön „auf den Keks“ gegangen. Die Kombi bläht sich auf, durch jede Ritze pfeift der Wind so stark, dass sich selbst das Klettband am Hals immer wieder löst oder einem die Luft abschnürt und den Helm musste ich von untern zustopfen, sonst tränten mir die Augen bei geschlossenem Visier. Und dazu noch der Krach, also hier kannst Du mal sein, aber dran gewöhnen ??


Und dann wollten wir noch mal kurz die paar Pinguine besuchen. Es sind so um die 120.000 !! Für mich war der Pinguin immer ein Tier, das auf Eisschollen im Wasser und auf Felsen an Land lebt. Hier lebt er wie in der Lüneburger Heide. Aber er bringt hier nur seine Jungen zur Welt, zieht sie groß und nach spätestens 5 Monaten ist er wieder weg. Noch nie zuvor habe ich diese Tier in freier Wildbahn gesehen, ein reges Treiben und ein atem(be)raubender Geruch. Allerdings versinkt der Guano hier im Sand der Lüneburger Heide.


Heute ist nun der Wendepunkt unserer Reise. Wir sind am 18. Dezember in SANTIAGO DE CHILE gestartet und von da an nach Süden gefahren. Wir haben uns jeden Tag ein bißchen treiben lassen. Mal erreichten wir unsere gesteckten Ziele, mal fanden wir neue. Es waren bis hierher 4950 Km, wir haben keinen bereut und es war eine tolle gemeinsame Zeit. Ab morgen geht’s nur noch nach Norden. Irgendwann wird der Wind nachlassen, die Temperaturen werden wieder steigen. Das Wetter war uns jedoch bisher ein treuer Freund. Wir hatten es viel schlimmer, sprich nasser erwartet, aber es war einfach immer nur schön. Die paar Tropfen unterwegs fielen immer zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle, es konnte wirklich nicht besser sein. Heute Nacht sind wir zum ersten mal auf einer Estanzia, morgen früh müssen wir hier Schafe scheren und Kühe melken, um das Nachtlager zu bezahlen. Die wollen echte Arbeit statt Pesos.


Aber danach werden wir morgen einen reinen „Fahrtag“ einlegen, wir werden erst anhalten, wenn wir keine Lust mehr haben oder der Popo zu sehr schmerzt – und das kann dauern. Unter 800 km geht da nix. Wir fahren auf der argentinischen Seite am Atlantik hoch, nur Teerstraßen (bis natürlich auf die ersten 130 km), da können wir schon was schaffen. Unser Plan ist es, am 11. Januar einen Etappen-Start der RALLYE DAKAR in VALPARAISO zu erleben – die DAKAR ist heute in BUENOS AIRES gestartet. Also müssen wir bis dahin auch noch ein paar Rallyes einlegen. Wenn’s nicht klappt ist es aber auch nicht schlimm.


Hier in Argentinien gibt’s immer ne ganze Menge Probleme, die Berichte ins Internet zu stellen und die Bilder per email nach Deutschland zu Peggy zu schicken. Was eben noch ging geht gleich plötzlich nicht mehr, weiß auch nicht, woran es liegt. Also, ich geb mein Bestes um Euch „zu versorgen“. Nur manchmal mahlen die Mühlen etwas langsam. Hier ist eben nicht Chile, sondern Argentinien, und da ist das Land und das Internet gaaaanz weit.

Bis bald und hasta la vista
Klaus & Heinrich (der ist während des Hörspiels eingeschlafen – der Wind, der Wind, das himmlische Kind)


Tag 52 | 3. Januar 2009

Ja, das war der Tag mit den vielen Kilometern. Zum Schluss waren es sage und schreibe 890 km in 11 Stunden. Ein Tag der Zahlen. Bei 11 Grad losgefahren, bis 36 Grad nach 350 km, bei Kilometer 700 nur noch 20 Grad und jetzt zum Schluss bei 33 Grad in COMODORE RIVADAVIA am Atlantik.


Woran merkt man, dass man in Patagonien ist ? Man fährt eine Linkskurve in Rechtsschräglage. Und bei patagonischem Gegenwind ist der Adventure Tank (33 Liter) nach 387 km leer. Und die Argentinische Pampa ist weeiiit,einsam und langweilig. Nur Steppe. Da magst du deinen ärgsten Feind nicht hin wünschen.


Nach knapp 800 km erreichten wir den Atlantik und fuhren eine Weile an im hoch. Vom 9. Stock unseres Hotels konnten wir noch den Sonnenuntergang erhaschen und blicken jetzt aufs Meer. Irgendwie beschlich uns beide heute plötzlich das Gefühl, dass wir der Heimat ein Stück näher gekommen sind, als wenn man nur so übers Wasser zu schauen bräuchte. Das war während der ganzen Reise bisher nicht, da fühlten wir uns immer weit weg.


Sonst gab es keine Höhepunkte heute, nur fahren fahren fahren. Morgen fahren wir noch mal ein paar Kilometer zurück, um im Meer zu baden. Da gab es ganz tolle Strände in Buchten in denen unser Thermometer plötzlich innerhalb von 500 Metern von 20 Grad auf 32 Grad hochschnellte, warme Winde, abgeschottet von einigen Hügelketten. Und dann geht’s gemächlich weiter nach Norden.

Bis bald und buenas noches
Klaus & Heinrich (der ist genauso fertig wie ich)

 

Tag 53  |  4. Januar - DAKAR 2009
DAKAR 2009 - Ankunft PUERTO MADRYN !!


Eine unglaubliche Geschichte. Wir fuhren bei der Ankunft der 2. Etappe der DAKAR in PUERTO MADRYN einfach mitten im Feld die Siegerstraße entlang. Das passiert Dir nur 1 x im Leben.


Wir hatten nach unserer langen Tour gestern ganz schön den Kaffee auf und kamen heute Morgen nur schwer in die Pötte. Auf meine Frage: Wohin fahren wir denn heute ? meinte Heinrich, er hätte eine unglaubliche Entdeckung gemacht. Die DAKAR würde heute abend in PUERTO MADRYN landen und morgen von dort starten. Und das sei nur schlappe 430 km nördlich von uns. Also, alle Pläne oder Ideen der letzten Tage über den Haufen und ab nach Pto. MADRYN. Bis wir noch eine neue Karte gekauft hatten und alles bezüglich Strecken DAKAR aus dem Internet rausgesaugt hatten, war es mittlerweile halb eins geworden. Kein Problem, sind ja nur 430 km. Packen, Tanken und ab die Post. Argentinische Pampa vom Allerfeinsten. Immer geradeaus und es wurde immer wärmer. Wir fuhren und fuhren und fuhren und die Temperaturen stiegen und stiegen und... Es begann bei 32 Grad in der Stadt und endete bei 39.5 Grad kurz vorm Ziel. Schade, dass ihr es so schön kalt habt Cool Das Visier musste fest geschlossen bleiben, weil der Mann mit dem Fön vor dir viel wärmere Luft pustete, als es hinter der Scheibe warm war. Die Pampa ist wirklich ätzend. Am Horizont siehst du die Straße über eine Kuppe verschwinden, bist du da, gibt's da gleiche Bild schon wieder... usw.

Aber dann erreichten wir Pto. MADRYN. Heinrich hatte die Idee gehabt, von RIVADIVIA aus ein Zimmer in Pto. MADRYN zu reservieren, weil die DAKAR ja ihren Tross hinter sich herzieht und die Betten bestimmt knapp sind. Erstaunlich: kein Problem, feinste Adresse: RAYENTRAY und dass sollte sich auszahlen. Die Reception hatte das für uns erledigt.

Und so bogen wir in die Stadt  Pto. MADRYN von RUTA 3 ab. Wir kamen zum Meer runter und was wir dann erlebten, ist einfach unbeschreiblich. Zieleinlauf der 2. Etappe der DAKAR, durch die Stadt am Meer lang, genau der Weg zu unserem Hotel. Wir bezirzten die Absprerrungsdame und fuhren einfach auf die "Straße" zum Hotel. 2 km, Menschenmassen links und rechts der Strecke, die fotographierten, kreischten, klatschten Beifall und "betaschten" uns, wir waren ja auf unseren Mopeds mit TKC 80 hinten drauf und unserem Outfit nicht vom echten Tross zu unterscheiden. Für die Menschen gehörten wir zu den Siegern (unsere letzten beiden Etappen hatten diesen Applaus einfach verdient). Der Einlauf aller Teilnehmer dauerte übrigens über 3 Stunden und wir waren am Anfang dabei. Wenn mir nicht plötzlich mulmig geworden wäre, Heinrich wäre auch noch ins Fahrerlager (Biwak) eingebogen, davor standen wir jedenfalls. Aber wo wir dann waren, war eh die "poleposition". Mit unserem Outfit gehörten wir einfach dazu und konnten uns frei bewegen. Für Polizei und Staff waren wir 2 von denen. Einfach Klasse. Wir haben viele Fotos und besonders Filme gemacht, letztere gibt's dann demnächst zu Hause anzuschaun.

Ein irrer Tag, noch nie und wahrscheinlich niemals mehr werden wir auf so vielen Fotos sein, es sei denn... DAKAR 2010 - wir sind als Teilnehmer dabei !!!

Leider werden jetzt heute Nacht ab 12 Uhr alle Zubringer Straßen hin zur 3. Etappe gesperrt, aber um 5:30 morgen früh fahren alle hier los. Das werden wir uns anschauen. Zur Strecke kommen wir dann leider nicht mehr, dann hätten wir heute nacht noch ins Nirwana fahren und zelten müssen. So wechseln wir morgen Heinrichs Hinterreifen, der hat fertig, und dann gehen wir hier in der Bucht baden und auf die Sonnenliege am Strand. Eine gute Alternative. Und natürlich noch T-Shirts und Aufkleber kaufen von der DAKAR, wenn's noch welche gibt.

Herzliche Grüße
Klaus & Heinrich - Eure LIVE-BERICHERSTATTER von der DAKAR 2009

Die letzten Bilder vor dem Hotel sind übrigens um halb eins nachts gemacht, noch immer bestaunten Menschen die Touaregs mit kompletten Rallye Innenleben und unsere und 2 Journalisten GSen. Einfach unglaublich. Und heute morgen waren noch alle Schrauben dran.

 

 

Tag 54 | 5. Januar 2009
The day after - die DAKAR ist weitergezogen

Die DAKAR ist zur nächsten Etappe aufgebrochen. Wir haben uns winkend verabschiedet.

Tach zusammen !

Heute morgen ab viertel vor 6 fuhren die Mopeds bereits zum Start ins 70 km entfernte SIERRA CHICA. Wir haben recht verschlafen vom Balkon unseres Hotels Abschied genommen von diesen Teufelskerlen, die heute über härteste Schotterpisten und tiefen Sand fahren mussten. Respekt ! Dann haben wir uns nochmal aufs Ohr gehauen und promt die Abfahrt der Autoarmada verpennt. Ok, ein paar waren noch unterwegs und der Tross der Trucks. Wir sind dann auch extra auf die Straße runter gegangen.

Heinrich hat einen Strandtag eingelegt, ich hab meine Erkältung etwas gepflegt, heute Abend noch ein paar DAKAR T-Shirts erstanden, Essen am Strand und jetzt in die Falle. So ruhig war THE DAY AFTER. Morgen früh gilt es endgültig den Reifen von Heinrichs Moped zu wechseln, sah auf dem letzten Bild schon sch... aus, ist jetzt noch 450 km weniger.

Morgen werden wir wieder die Seite Richtung Anden wechseln und dann nach Norden düsen. Bilder gibt's keine heute, erst wieder ab Donnerstag oder Freitag, Peggy braucht mal ein paar Tage Entspannung ohne TUXTOURS. Kann ich verstehen. Jeden Morgen diese staubigen Bilder am Rechner aufmachen und das feuchte Wischtuch schon griffbereit haben zu müssen. Aber wir fahren ja nach Norden, der Staub nimmt noch zu. Wenn die DAKAR in der ATACAMA WÜSTE fährt, müsst ihr unbedingt das TV einschalten, es lohnt sich. Tuxi und Robert haben dort tiefe Spuren hinterlassenLächelnd

Buenas noches
K & H (heute noch die letzten Dakar Ergebnisse im Internet suchend)

 

Tag 55  |  6. Januar 2009
Adios Südamerika - Die Party ist vorbei!

Am Dienstag, den 6. Januar, 238 km  westlich von Pto. Madryn auf der Ruta 4, ging sie abrupt zu Ende, meine Südamerika Traumreise!

Ja, da war sie dann abrupt zu Ende, meine Traumreise Südamerika. Im tiefen Sand bin ich kurz von der Piste abgekommen und habe mir beim Sturz das linke Bein gebrochen. Die Tage ab Dienstag waren für mich sehr bewegend in vielerlei Hinsicht. Ich bin jetzt im Hospital Aleman in Buenos Aires und fliege am Montag, den 12. Januar um 22.50 h nach Hause, um direkt von Frankfurt ins Krankenhaus - wahrscheinlich Duisburg - zu gehen. Wenn die Knochen dort geflickt sind und ich mich irgendwie wieder bewegen kann, machen wir nen Faß auf.

Die Berichte und Bilder der letzten Tage werde ich bis zum Montag schreiben und hier veröffentlichen. Es sind viele unglaubliche Dinge passiert, von denen es noch zu berichten gilt. Ein paar Dinge zum Schmunzeln, nix zum Ärgern, nur anstrengend war's. Mopedfahrn ist da leichter.

Es war sicher ein spektalulärer Abschluß meiner Traumreise, insgeheim hatte ich ihn mir jedoch etwas anders vorgestellt. Ich wünsche Heinrich von hier noch einen guten Tripp nach Valparaiso, danke erstmal für Deine großartige Unterstützung.

Nachdem ich 3 Tage nichts gegessen und 2 Tage nicht geschlafen habe, mache ich jetzt mit vollem Bauch erstmal das Licht aus, um 21 h für mich recht ungewöhnlich. Aber es ist hier echt schon dunkel. Unten im Süden war's mindestens bis halb 11 hell.

Herzliche Grüße aus Buenos Aires mit sommerlichen 35 Grad und bis bald

 

Tag des Crash  |  der 6. Januar 2009
Mein CRASH-TAG - 6.1.2009

Es gab bessere Tage auf unserer Reise, aber auch diesen haben wir zusammen gemeistert.

Am Dienstag Morgen ist Heinrich früh aufgestanden, er musste noch den Reifen wechseln. Ich hatte am Vortag eine leichte Erkältung, die ich aber mit langem Schlaf, viel Schwitzen und keinen Wecker hören auskuriert hatte. Als ich um halb zehn wach wurde ging es mir wieder gut und ein paar Minuten später kam Heinrich schon zurück, alles hatte perfekt geklappt. Reifen drauf, gute Laune, ab zum Frühstück. Und da saßen diese 2 Südafrikaner, die sich in Buenos Aires BMW GSen geliehen hatten und ein weinig undercover der DAKAR nachfahren wollten, um hier und da vielleicht mal ins Fahrerlager zu gelangen. Sie hatten sich einfach eigene Presseausweise gedruckt und auf die Windschutzscheibe ihrer Mopeds geklebt, meinten aber, es wäre schwierig reinzukommen, weil sie natürlich bei den Offiziellen immer durch ihr Gepäck auffielen.

Ich hatte noch nicht mit ihnen gesprochen, Heinrich aber, und er hatte mir auch von dem unvorstellbaren Unfall von einem dieser Beiden am Vortag erzählt. Sie waren nämlich auch auf „unserer“ RUTA 4 losgefahren um der DAKAR zu folgen. Nach 70 km ist JACO (beide heißen JACO und GLEN) ein Auto mit riesiger Staubfahne entgegengekommen. Das Auto an ihm vorbei, da taucht im Staub ein Motorrad vor ihm auf, beide Tempo 100 km/h. Es hätte ein Frontalkollision zwischen den Mopeds gegeben, aber JACO dachte reflexartig: in den Graben gucken, dann fährst du runter von der Piste. Das hat er gemacht. Die andere GS hat nur sein Hinterrad samt Kardan aus dem Moped „operiert“ und noch die Narbe von der Felge. Alle Teile lagen irgendwo herum. JACO lag im Sand, der andere 50 m entfernt auch. JACO hat nix, der andere, mit seiner zerstörten GS Adventure hatte eine aufgeplatzte Lippe und viel Blut, weil die Sonnenbrille unter dem Helm ihm den Nasenansatz etwas aufgeschlagen hatte, der hatte also auch nix. Und nun saßen wir zusammen beim Frühstück und es war eine so tolle Konversation, dass wir erst um 13 Uhr losgekommen sind. Ich schreibe das hier, weil die beiden später noch eine wichtige Rolle für uns spielen werden.

Wir kamen auf der RUTA 4 zügig voran, der Schotter war gut zu fahren. Ich fühlte mich sehr gut und war an diesem Tag auch recht schnell unterwegs. Nach 1 ½ Stunden machten wir die erste Pause, hatten schon gute 100 km auf der Uhr. Wir ließen noch etwas Luft aus den Reifen um mehr Grip zu haben. In 70 Km sollte es in TELSEN eine Tankstelle geben, dort waren wir dann auch um viertel nach 3. Die Tankstelle bestand aus 2 Tanksäulen in der Pampa in diesem 600 Einwohner Dorf. Dort war auch die DAKAR vorbeigekommen. Der „Tankwart“ käme erst um 4 sagte man uns, aber im nächsten Dorf, gute 130 km entfernt in GAN GAN gäbe es auch Sprit. Also entschlossen wir uns weiterzufahren. Wir wollten nach JACOBACCI, dorthin war die DAKAR von Pto. MADRYN aus weitergezogen. Aber da war nicht der Grund, sondern es lag einfach auf unserer Piste nach Santiago. Ich hatte die komplette Route am Vortag durchgeplant. Und es waren locker 480 km bis dorthin.

Ich merkte schon, dass der Schotter auf der Piste sich immer mehr in Sand verwandelte, und dass der Sand immer tiefer wurde. Aber ich fühlte mich sehr gut und sicher, der niedrige Luftdruck sorgte für guten Grip und ich kam gut durch. Die Sonne kam von vorn und ich hätte doch besser mal mein Sonnenvisier hochklappen sollen, dann hätte ich vielleicht erkannt, wodurch ich da die ganze Zeit fahre. Als ich es auf der Rückfahrt später im Auto mit der Sonne im Rücken gesehen habe, ist mir ganz schlecht geworden. Bolivien war sicher noch tiefer, aber irgendwie anders, mehr feiner Sand, da fällt man weicher. Jedenfalls war ich dann doch wohl zu schnell unterwegs, ich fuhr ja schließlich nicht bei der DAKAR. Irgendwie hat’s mich ein bißchen von der Piste geschoben in den Graben (kein richtig tiefer – einfach ein tiefer Seitenstreifen) ihr werdet es auf den Bildern sehen. Aber anstatt vom Gas zu gehen und auszukuppeln – dann wäre ich vielleicht zum Schluss umgekippt – dachte ich: da kommst du raus. Und ich bin auch noch eine ganze Zeit im Graben gefahren. Hätte ich die Gefahr erkannt, hätte ich es anders gemacht. Ich war auch fast wieder oben, da rutschte irgendwas weg, ob Vorder- oder Hinterrad, ich weiß es nicht. Es gab mir das Gefühl eines Highsiders, ich war wieder auf der Straße, in Gegenrichtung, leider horizontal. Ich habe die Knochen brechen hören, als ich an mir runter schaute sah ich meine linken Fuß schief stehen. Ich wusste sofort, das ist das Ende dieser Reise. Da lag ich nun, im argentinischen Sand auf den Spuren der DAKAR, tolle Nummer.

Heinrich kam und hielt an. Ich zeigte ihm den Daumen nach unten. Ich habe geheult, aus Enttäuschung und dem Gefühl „lieber Gott warum hast Du mich verlassen ?“ Hat er nicht, er hat nur einen anderen Weg für mich. Warum ?? Kann ich heute noch nicht genau sagen, werde ich eines Tages erfahren.

Heinrich schaffte es, im 2. Versuch, nachdem er Reifen, Tankrucksack und Gepäckrolle abgebaut hatte, mein Moped in die Vertikale zu bringen. Der Karre ging es gut, echte deutsche Wertarbeit. In meiner Position, halb auf der Straße, lag ich schei… also ab Richtung Straßenrand kriechen. Manchmal braucht man für 2 Meter ganz schön lange. Kein Handyempfang, nur Stille um uns herum. Und Sonne von oben. Wir beratschlagten war zu tun sei. Es hatte ein paar km zuvor ein kleiner LKW am Rande der Pampa gestanden, dorthin zurück ? 70 km zurück nach TELSEN und dann ? Nach Pto. MADRYN waren es 238 km und gute 4 Stunden, bis GAN GAN waren es noch geschätze 65 km. Und von da aus weiter nach BARILOCHE ? Dort vermuteten wir dann ein richtiges Krankenhaus. Vielleicht bringt uns da dann jemand hin, sind aber auch locker noch 300 km oder mehr. Ich holte ein großes Handtuch aus meiner Rolle, um es mir über den Kopf zu legen, wegen der Sonne, wir hatten nur einen halben Liter Wasser, hatten morgens vergessen neues zu kaufen. Das behielt ich und Heinrich fuhr los. So fühlt sich das also an, dachte ich, allein in der Wüste bzw. Pampa am Straßenrand zu liegen. Jetzt hast du viel Zeit nachzudenken. Ich war sehr traurig, keine Frage, Angst hatte ich keine, sterben würde ich auch nicht. Hunger oder Durst würden mich nicht plagen und nachts wird’s auch kühler. Vielleicht ist eine ¼ Stunde vergangen, da kam dieser besagte kleine LKW, an dem wir vorbei gefahren waren. Ich schwenkte die „weiße Flagge“, er hielt und fragte in astreinem Spanisch, ob alles ok wäre. Ich antwortete in astreiner Gebärdensprache, dass mein Bein gebrochen sei und er verstand sofort. Ich habe ihm erklärt, dass mein Amigo nach GAN GAN gefahren wäre um Hilfe zu holen, er hatte uns übrigens auch vorbeifahren sehen und wusste, dass wir 2 waren. Er sagte, er führe mich hinterher. Er packte all mein Gepäck ein, Rolle, Reifen, Tankrucksack, Helm, Rucksack, Handtuch, Wasserflaschen ….. und dann mich. Das war vielleicht ne Prozedur kann ich euch sagen. Aber da saß ich, im Auto, kaum zu glauben. Und ich fand sofort die richtige Position: mit beiden Händen das Knie fest nach oben halten und den Unterschenkel möglichst wenig baumeln lassen. Das mach du mal auf der Fahrt, die dann folgte. Aber immer noch besser, als da im Straßenstaub zu liegen. Außerdem ging es ja so zur Rettung. Es dauerte vielleicht 10 km, da sahen wir Heinrich zurückkommen. Wir hielten an. Heinrich sagte, da käme jetzt ein Tieflader mit nem gestrandeten Truck von der DAKAR drauf, hinter dem ein Fahrzeug mit der Crew führe. Und da tauchten sie auch schon auf, aus einer riesigen Staubwolke. Sie hielten und alle erkundigten sich bei „meinem Fahrer“ JULIO, was passiert sei. Ein reger Gedankenaustausch setzte ein. Ihr Satellitentelefon funktionierte in dieser Pampa auch nicht, also was tun ? JULIO sagte, in TELSEN gäbe es einen Arzt. ???? In dem Kaff mit den 2 Tanksäulen ? Das Team aus dem 4x4 Toyota wollte mich nicht mitnehmen. JULIO meinte, der DAKAR Fahrer des Trucks könne ja seinen kleinen LKW fahren mit mir, er würde mein Moped fahren, alle somit zurück nach TELSEN, das ja auf deren Weg lag. Die wollten ja nach Pto. MADRYN. JULIO ist übrigens ein alter Crosser, ist Champion gewesen, wo auch immer, ihr seht ihn auf den Bildern. Gesagt, getan. Der Truckracer, ein Franzose, übernahm das Steuer, und jetzt bekam ich noch meine persönliche original DAKAR Etappe. Der ist so gebrettert, dass der Panzer über alle Schlaglöcher geflogen ist, manchmal waren wir in der Luft, aber es war gut so, die Schmerzen waren erträglich, der Stiefel hielt alles zusammen. Wir konnten uns ein wenig unterhalten. Die Trucks sind diese Strecke am Vortag mit 150 km/h gefahren. Er war das 6. Mal bei der DAKAR und er fand es geil hier in Südamerika. Tolle Begeisterung, aber schwierige Strecken. Und der Staub. Bei 150 fährst du wie auf Glatteis, erklärte er mir, eine falsche Bewegung und du bist in der Pampa. Das hatte ich gerade erlebt. JULIO war mit meinem Moped schon längst in TELSEN, als wir dort ankamen. Er brachte uns zum Doc SERGIO, ein toller junger Typ. Er sprach Englisch, ruck zuck hatte ich 2 Krankenschwestern, die den Fall aufnahmen. Alles auf der Straße, vor dem Haus saßen die Patienten, die mussten jetzt warten. Und es stand eine Ambulancia dort, was für ein Wunder. Heinrich kam und der Toyota mit der Crew. Ein herzlicher Abschied und die Franzosen fuhren weiter, ihrem Tieflader hinterher.

So, die erste Etappe war geschafft, was nun? Der Doc SERGIO meinte, er müsse jetzt meinen Stiefel aufmachen, die Knochen auseinanderziehen, dann hätte ich keine Schmerzen mehr und dann würde mich die Ambulancia nach Pto. MADRYN bringen, dort gäbe es ein ordentliches Krankenhaus, wo ich erst mal versorgt würde. Der Weg ins Krankenhaus war ok, aber Stiefel aus ? Ne, beim besten Willen nicht. Ich musste ganz schöne Überzeugungsarbeit leisten, damit er einwilligte. Heinrich sagte, er würde jetzt eine Pause machen, dann käme er nach. Ich habe mich sehr gefreut, denn ohne ihn wäre ich ganz schön verloren gewesen. Also los, vom LKW umsteigen in die Ambulancia, vorne sitzend, nicht hinten rein. Liegen wäre nicht gut gewesen. Und dann stieg der Doc SERGIO auch mit ein, er sagte, es müsse auf jedem Krankentransport immer ein Arzt dabei sein. Also würde er mich jetzt ins Krankenhaus begleiten. Wow!! Der Fahrer fuhr langsam, wich jedem Schlagloch aus… ging gar nicht. Ich sagte, er könne doch schneller fahren, doch der Doc sagte, das sei sein spezieller Fahrstil, das macht er immer so, da könne er ihm nicht reinreden. Ok, nicht weiter drüber nachdenken. Um halb 11 abends erreichten wir das Krankenhaus in Pto. MADRYN. Ich hatte mich all die Stunden mit dem Doc SERGIO auf Englisch unterhalten, es war ein wunderbares Gespräch und es hat diese Fahrt so erträglich gemacht.

Jetzt lag ich auf diesem Krankenhaustisch in der Notaufnahme. Es galt X-rays (Röntgenbilder) zu machen. Dazu musste der Stiefel aus. Ich hab die 4 Schnallen aufgemacht, den Schafft auseinandergebogen, mehr ging nicht. Den Rest mussten die anderen machen. Eine Menge von Schwestern und Pflegern um mich herum, ich musste nur noch die Zähne zusammen beißen. Die Mopedhose aus, ich konnte immer schön erklären, wie das geht, die gute Rukka Unterhose zerschnippeln und dann die Metallplatte unter und neben das Bein, X-rays von allen Seiten, Doc SERGIO sah direkt, dass da mehr als ein Knochen kaputt war. Tolle Diagnose ! Dann kamen die Bilder, Wadenbein unten und Schienbein oben (oder umgekehrt) durch, einmal waagerecht, einmal diagonal. Und was nun ?? OP ? Wo wann wie ? Doc SERGIO stand an meiner Seite und erklärte, dass man es hier machen könne, aber vielleicht doch besser in Buenos Aires oder Deutschland. Heinrich war auch mittlerweile eingetroffen. Es stellte sich heraus, dass ich in einem öffentlichen Krankenhaus sei und dass es gar keinen Platz für mich gäbe. Also Verlegung noch in der Nacht in eine private Klinik. Dazu brauchte ich aber einen Gips. Es kam ein Doctor. Er meinte, er wolle mir jetzt erst mal den Gips machen, damit ich transportfähig würde. Er hat das in aller Ruhe und ganz klasse gemacht. Dann haben mich eine Schwester und ein Pfleger in den Sanker geschoben und mich ins nächste Krankenhaus transportiert. Heinrich war immer an meiner Seite und wartete auch schon an der nächsten Station auf mich. Um 2 Uhr morgens war ich dann in einem richtigen Bett, angeschlossen an einen Tropf mit Schmerzmitteln und es ging mir plötzlich richtig gut. Heinrich und ich waren beide fix und fertig, es war ein wahrlich langer, aufregender und anstrengender Tag gewesen. Heinrich hatte 480 km Offroad hinter sich und ich auch, allerdings waren wir nicht wie geplant in JACOBACCI gelandet, sondern zum Startpunkt zurückgekehrt. Und leider war es nicht mehr das tolle RAYENTRAY sondern für mich ein karges Krankenzimmer. Egal. Wir haben uns herzlich verabschiedet, Heinrich hat mir Mut zugesprochen und ich bin tatsächlich tief eingeschlafen für ein paar Stunden.

Das war mein Crashtag. Jetzt muss ich schlafen, hier im Krankenhaus ist um 5.15 h die Nacht zu Ende, morgen geht’s weiter.
Euer Tuxi

Hospital in Pto. MADRYN  |  7. Januar 2009
Letzter Bericht ! Adios, muchas gracias ! Hospital, Hospital...

..nix als Hospital. Meine Südamerika Tour geht morgen am 12. Januar in Buenos Aires zu Ende. Auf der Höhe von Valvaraiso, nur auf der anderen Seite am Atlantik!

Kurz nach 5 bin ich wachgeworden, ja ich hatte tatsächlich 3 Stunden tief geschlafen. Ich entschloss mich, Karin anzurufen. Ihr würde bestimmt das Frühstück im Halse stecken bleiben, aber sie hatte ein Recht darauf zu erfahren, was passiert war. Ich glaube, sie hat es irgendwie weggesteckt, was blieb ihr auch anderes übrig.

Jetzt hieß es nachdenken und analysieren, was als nächstes zu machen sei. Erstens: ohne Knete bist Du hier aufgeschmissen, alle fragen erst mal, wer zahlt, bevor sie dir helfen. Ganz so schlimm war’s jetzt bei mir nicht, immerhin lag ich ja in einem Bett. Und MONICA – ich glaube sie war die Leiterin des kleinen Krankenhauses – war ganz relaxed und sprach Englisch. Um halb 8 stand Heinrich schon auf der Matte und versuchte nochmal, in Deutschland beim ADAC anzurufen, dort hatte er meinen Fall schon am Vortag geschildert und ich hatte eine Fallnummer bekommen. Er rief an und plötzlich wurde er immer stiller, das begann dann mit: ach ja, oh, ist nicht wahr …

Ich war also ein hoffnungsloser Fall mit Fallnummer. In Europa gilt der Rückholtransport für 90 Tage, außerhalb Europas nur 45 Tage, und die waren rum. Da können wir nix mehr für sie tun, es sei denn, sie bezahlen die Zeche selbst. Klasse, dachte ich, genauso hatte ich mir den Ernstfall vorgestellt. Hätte man ja auch vorher drauf kommen können, dass da an dieser Plus-Mitglied-schaft ein Haken ist. Besser mal das Kleingedruckte lesen.

Mein größter Wunsch wäre gewesen, mal die Zähne zu putzen, auf die Toilette zu gehen, den Sand vom Sturz aus den Haaren zu bekommen. Alles in weiter Ferne. Und dann das nächste Problem: nach 1. gescheiterten Rücktransport die Frage: was machen wir eigentlich mit meinem Moped ? Das steht ja noch 170 km entfernt in TELSEN beim Doc SERGIO hinterm Haus. Da steht es zwar sicher, aber trotzdem muss es in 90 Tagen Argentinien verlassen. Heinrich meinte, vielleicht sind die beiden Südafrikaner noch da, vielleicht können die uns helfen. Er fuhr los um sich darum zu kümmern. Ich rief meinen Freund Thomas in München an, damit er mir mal eine Telefonnummer in Deutschland besorgt und erzählte ihm was mir passiert war. MHD – Malteser Hilfsdienst in Köln. Da spenden wir seit bestimmt 15 Jahren ein bißchen Geld und bekommen immer ein Schreiben, dass man mit der Spende auch Anspruch auf einen Krankenrücktransport hat, und zwar weltweit. Ich rief in Köln an. Herr HOISCHEN am Telefon, super freundlich, kompetent, hilfsbereit, unbürokratisch, ach, einfach alles, was man sich in so einer Lage wünscht. Er sagte, er würde sich kümmern, ich solle ihn in einer Stunde wieder anrufen. In der Zwischenzeit musste ich jetzt noch die Frage klären: was ist denn mit der Auslandskrankenversicherung ? So was hat man ja in der Regel bei allen möglichen Adressen, ich hatte sie über meine Kreditkarte bei American Express. Also da mal anrufen. Irgendwann hatte ich dann auch mal einen Ansprechpartner bei der AXA Versicherung und jetzt mahlen diese Mühlen ja bekanntlich langsam in Deutschland. Die Versicherung will einen Bericht des Krankenhauses per Fax, das erklär du denen auf Station mal. Und der Arzt, der das schreiben soll, der hat besseres zu tun. Und du liegst da bewegungsunfähig im Bett. Ruhe bewahren und nicht die Geduld verlieren, Telekom freut sich über die Einheiten, dein Nokia hat noch genügend Saft, also, nicht aufgeben. Endlich war die Stunde rum und ich rief erneut beim MHD – Malteser Hilfsdienst in Köln an. Mit einer unglaublichen Freundlichkeit erklärte mir Herr HOISCHEN, das von ihrer Seite alles klar sei, sie würden mich nach Hause holen, mir als Begleitung eine Ärztin aus Deutschland schicken, die dann mit mir zusammen die Heimreise antreten würde. Die Kosten würden vom MHD übernommen, ich solle mir bitte keine Sorgen machen. Hätte ich nicht schon auf dem Rücken gelegen, es hätte mich umgehauen. Es kullerten schon ein paar Freudentränen meine Wangen runter, das kann ich euch sagen, nicht nur wegen der Kostenübernahme, sondern vielmehr, dass es da in der Heimat eine Organisation gibt, die das alles für dich unkompliziert managt. Einfach großartig. By the way, Frau Dr. SCHULZ ist vor einer Stunde hier bei mir in Buenos Aires eingetroffen. Und als dann Herr HOISCHEN sagte, er müsse irgendwann auch mal mit dem Arzt sprechen oder wenn machbar was Schriftliches bekommen, da kam der Arzt in mein Zimmer und Herr HOISCHEN stellte mal eben zu Frau Dr. SCHULZ durch - die so nebenbei auch noch perfekt Spanisch spricht - und ich gab dem Arzt mein Handy, die beiden unterhielten sich kurz und alles war klar. Wie wunderbar. Dass es so etwas Unbürokratisches in Deutschland gibt hätte ich nicht gedacht. Danke MHD. Wir vertagten uns auf später, es galt ja jetzt zu klären, wohin in Buenos Aires, wie nach Buenos Aires, wie und wann zurück nach Deutschland. Die erste Etappe war geschafft. Jetzt noch mal die Nummer mit der Auslandskrankenversicherung. Und du telefonierst gegen die Uhr. In Deutschland ist es schon 4 Stunden später, shit.

Heinrich kam zurück. Die Südafrikaner hatten sein Moped genommen und waren zu zweit nach TELSEN gefahren, um mein Moped nach Pto. MADRYN zu holen. Er freute sich mit mir über die erste positive Nachricht aus Deutschland. Wir beratschlagten, wie wir mein Moped nach Hause bekämen. Der Container musste bis zum 14.1. in VALPARAISO beladen werden. Aber wie das Moped von Argentinien nach Chile bringen und wer ?? JORGE haben wir angerufen, der saß gerade in SdC und sagte, er würde sich mit Vorschlägen melden. Klar war, dass es nur mit einer Vollmacht ging, wie bei ROBERT und HEINER mit HEINRICHS Moped. Den Spanischen Text hatte Heinrich noch auf einem Memostick. Wir tauschten Heinrichs Daten gegen meine aus, nur wer sollte jetzt autorisiert werden das Moped zu fahren? Das der muss der Südafrikaner machen, sagte Heinrich, den muss ich einfach überreden. Den Pass hatte er sich geben lassen als Pfand für sein Moped, wir setzten JACOS Daten ein. So, jetzt hatten wir das Dokument auf meinem Laptop, ausdrucken in der Verwaltung war auch kein Problem, für die Verschiffung musste noch mein Pass fotokopiert werden, fertig. Klar, aber alle Papiere mussten jetzt von einem Notar beglaubigt und einem Gericht bestätigt werden (dass der Notar das beglaubigen darf). Und das bis morgen früh, den 8.1., denn dann musste ich spätestens nach Buenos Aires aufbrechen. Wie wusste ich noch nicht, das organisierte ja der MHD für mich. Heinrich sagte, die Einzige, die uns helfen kann ist MONICA von der Verwaltung. Und das hat sie auch. Ihr Notar machte am nächsten Morgen aber erst um 9 Uhr auf, zu spät. Also hat Heinrich einen Notar in den gelben Seiten gefunden, der um 8 Uhr öffnete. MONICA erklärte alles was zu machen war. Der musste jetzt die Papiere beglaubigen und an mein Krankenbett kommen, damit ich unterschreiben konnte. Kompliziert, was ?  Als MONICA später kam, die Papiere abzuholen wusste ich, die Sache ist in Bewegung. Ob’s klappte stand für mich in den Sternen. JORGE rief an und sagte, es gäbe keinen anderen Weg als den, den wir gerade beschritten hatten. Wenn wir einen Fahrer brauchten, würde er uns einen schicken, der käme von Chile nach Buenos Aires geflogen. Aber wir hatten bereits die Passdaten von JACO in dem Papier, ohne zu wissen, ob er das überhaupt macht.

Heinrich war ins Hotel gefahren, um die beiden Südafrikaner in Empfang zu nehmen und ihnen den Vorschlag zu machen, dass JACO mein Moped nach VALPARAISO fährt. Sie hätten sicher sofort eingewilligt, unglücklicher Weise hatten sie aber ihren Schrotthaufen und das intakte Bike eine halbe Stunde vor Heinrichs erstem Kontakt auf einem Van nach Buenos Aires transportieren lassen. Somit war ihr 2. Bike weg und zu zweit auf einem, sprich meinem Motorrad, das wollten sie sich noch überlegen. Ich glaube, Heinrich hat sie ganz schön unter Druck gesetzt, jedenfalls wollten sie bis zum nächsten Morgen (9.1.) Bedenkzeit haben. So, jetzt war also alles im Fluss, das einzig Konkrete war allerdings nur die tolle Nachricht vom MHD. Dort rief ich jetzt wieder an. Die angenehm beruhigende Stimme von Herrn HOISCHEN tat gut, wir haben alles für sie gemacht Herr Tuxhorn, Ihre Flüge sind von Lufthansa bestätigt, übrigens 1. Klasse, weil sonst mein Gipsbein hier bleiben muss, nach Düsseldorf bringen wir sie mit der Ambulanz, Frau Dr. SCHULZ landet Samstag Abend um 21 Uhr in Buenos Aires, mit der AXA habe ich gesprochen, man kennt sich, auch die kümmern sich um die Krankenhauskosten, nur den Transport nach BA könne er schlecht von Deutschland aus organisieren, weil er nicht wüsste, ob der Flieger mich überhaupt mitnehmen würde, außerdem gehe der nur 3 x die Woche. Eine Ambulancia ? Ob ich mal selbst fragen könne und ob ich das durchhalten würde ? Klar, dass sollte doch machbar sein. Ich rief Doc SERGIO aus TELSEN an, der hatte schon 2 x fragen lassen, wie’s mir geht. Er sagte: give me two hours !! Irgendwann kam MONICA mit ihrem Handy und hatte einen Offiziellen von der Bezirksverwaltung (?) an der Strippe, der sagte auf Englisch, dass er einen Transport nach BA für mich arrangiert hätte und das die Leute nachmittags vorbei kommen würden, um alles zu besprechen. Der südamerikanische Nachmittag ist lang, die erschienen tatsächlich um 22 Uhr.

Bestandaufnahme: der Transport nach BA war arrangiert aber noch nicht fix, der Rückflug nach Frankfurt stand fest, Mo 12.1. – 22.50 h, Krankenhausversicherung AXA war nicht klar, auf Hospital Alemán in BA hatte ich keinen Einfluss und Kontakt, Moped-Notar-JACO im Fluss aber auch nicht fix. Alles wird gut. Der größte Lichtblick am Nachmittag, ich hatte es geschafft, mir Krücken zu organisieren, für alle Fälle, einmal aufstehen oder so. Ich hatte bislang die feste Nahrung verweigert und habe das bis nach BA abends durchgehalten, sprich noch 1 ½ Tage länger. Das ersparte den Toilettengang. Ohne Krücken sowieso nicht möglich und bei den Toiletten auch nicht, kein Platz für ein ausgestrecktes Gipsbein.

Dann kam Heinrich wieder. Es war schon Abend geworden. Er hatte uns ein Quillmes Bockbier mitgebracht, wir genossen es. Wir ließen die Dinge revuepassieren. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Mehr konnten wir in dieser kurzen Zeit auch gar nicht erreichen. MONICA hatte signalisiert, dass ich das Krankenhaus selbst mit Kreditkarte zahlen könne, eigentlich ungewöhnlich, aber für mich entspannend. Kommunikation AXA – Krankenhaus hatte eben nicht funktioniert. Dann kam die Truppe von der Ambulancia. Fahrer/Chef mit Frau/Dolmetscherin. Ja, morgen kein Problem, halb 6. Halb 6 ?? No No, erst Notar, dann mal sehn, vielleicht ein Uhr ? Ok, kostet 2.600 US $ cash, no credit card. Jawoll, ohne Knete keine Fete. Ist auch eine Begleitung dabei ? Ja, ist dabei ! Wir vereinbarten, dass wir uns melden, wenn wir „fertig“ sind, falls wir überhaupt fertig werden. Gespannt auf den nächsten Tag und was wohl alles passieren würde, schlief ich ein.
vom Hospital Pto. MADRYN  zum Hospital Alemán BUENOS AIRES|       8./9. Januar 2009

Heinrich hatte von den Südafrikanern trotz „deadline“ nichts gehört. MONICA kam an mein Bett und meinte, dass die Notarin gleich kommt. Ehrlich ? Eine schicke Dame im blauen Hosenanzug tauchte auf, breitete ein großes Buch vor mir auf, ich musste hier und da unterschreiben. Dann gab sie mir die Dokumente, alle perfekt, sogar mit Gerichtsstempel, den haben die hier in SA wahrscheinlich blanco, in Deutschland dauert das 2 Tage. Passkopie beglaubigt, wirklich klasse. 120 US $ cash und die Sache war beendet. Heinrich kam zurück und sagte, JACO würde es machen, mein Moped nach Valparaiso fahren, von dort dann nach Buenos Aires und dann nach Hause fliegen. GLEN würde direkt nach BA fliegen und dort auf JACO warten. Es war einfach unglaublich, dass dies alles in so kurzer Zeit geklappt hat. Danke Heinrich, du hast dich unglaublich dafür eingesetzt und mich großartig unterstützt. Und nebenbei hatten wir all unsere Euros zusammengekratzt, Heinrich hatte sie bei der Bank in Pesos getauscht, soviel US $ hatten die gar nicht. Und eigene Krücken hat Heinrich mir auch noch gekauft. Wir riefen um halb 12 die Ambulancia an, dass ich fertig sei. Ich packte meine Sachen, im Liegen über die Bettkante. Heinrich und ich haben uns herzlich verabschiedet, uns gegenseitig Glück gewünscht, ich hoffe, sie schaffen den Trip über die Grenze und bis zum Container und kommen wieder gesund zu Hause an. Good luck.

Bis um 15.30 h lag ich da nun so rum auf meiner Scholle und starte die Decke an. Ich glaube, Herrn HOISCHEN hab ich noch angerufen und gesagt, dass ich dann mal wech bin. Die beiden Jungs von der Ambulancia standen auf der Matte. Der Abschied war unglaublich, Pleger und Schwester haben mich zum Abschied in den Arm genommen und gedrückt, als wenn ich ihr bester Freund wäre. Beide haben mir ihre email Adressen gegeben und gesagt, ich soll ihnen schreiben, wenn ich wieder gesund bin. Einfach sehr berührend.

Eins habe ich noch vergessen: am Abend vorher hatte ich noch Besuch bekommen. JULIOS Sohn (19) und JULIOS Freund haben mich besucht. Beide sprachen Englisch und wir hatten eine nette Unterhaltung. JULIO war der Fahrer des kleinen Lastwagens, der mich erst aufgegabelt hat und dann mein Moped nach TELSEN gefahren hat. Sie hatten den „Auftrag“ bekommen sich zu erkundigen wie’s mir geht und mir gute Wünsche zu übermitteln. Die Herzlichkeit der Menschen in den letzten Tagen hat mich echt überwältigt.

Um 16.00 h ging die Reise los, es lagen knapp 1500 km vor uns mit geschätzten 12 Stunden Fahrtzeit. Dies vorab, es wurden exakt 15 Stunden. Ich habe mich hinten reingesetzt, mein Bein hochgelegt, Schmerztropf angeschlossen und ab die Post. Nochmal an der Tankstelle halten um heißes Wasser für MateTee mitzunehmen und die Fuhre rollte. Die beiden Jungs sprachen kein Wort Englisch, aber sie hatten extra ein Wörterbuch Englisch/Spanisch besorgt. Wir haben uns gut unterhalten, viel gelacht, viel verstanden, die Schlüsselwörter haben wir immer im Wörterbuch nachgeschaut, der Rest funktionierte perfekt mit Gestik und Mimik. Meinen letzen Sonnenuntergang in Südamerika habe ich in der Ambulancia durchs Heckfenster gesehen, als wir kurz hielten hat HECTOR noch das perfekte Bild nachgeholt. Es war eine irre Fahrt. Die ersten paar hundert Km durfte ich Abschied nehmen vom patagonischen Wind, der volle Breitseite den Wagen durchschüttelte, danach durfte ich ab BAHIA BLANCA Abschied nehmen von Argentiniens Autobahnen, die mit einer Buckelpiste vergleichbar sind. Es hat mich ganz schön durchgerüttelt, aber es war auszuhalten. Wir haben mit meinem Laptop viele Bilder meiner Reise angeschaut, der Fahrer war immer ganz neidisch, dass er nicht mit schauen konnte. Zum ersten Mal in Südamerika wurde ich in die Bräuche des MateTeeTrinkens eingeweiht. Ein absoluter Kult, für uns eher gewöhnungsbedürftig aber irgendwie knuffig. Den Becher und den Trinkhalm (aus Metall mit Sieb unten dran) haben sie mir schon auf der Fahrt als Geschenk versprochen. Irgendwann morgens um 1 habe ich mich auf die Pritsche gelegt, das war fast anstrengender als im Sitzen zu fahren. Geschlafen habe ich kaum, einmal viel das ganze Auto unter mir weg und ich dachte ich schwebe, muss ein tiefes Schlagloch gewesen sein. 2 x tanken, Sprit und Wasser für Mate und irgendwie ist diese Nacht rumgegangen. Punkt 7 Uhr standen wir vor dem Hospital Alemán in Buenos Aires. Die Jungs klärten, dass ich da jetzt rein müsste, ein nette älter Dame kam zum Auto mit der Anekdote Nr. 1 Sie spreche Deutsch und wolle den Beginn einfach halten: ob ich ihr 100 Pesos geben könne, sonst würde ich gar nicht erst rein gelassen, hier cash und sofort. Ok, klar hatte ich 100 Pesos, daran sollte es nicht scheitern. Irgendwie hatte ich erwartet, dass man vielleicht schon meinen Fall kennen würde und die Formalien geklärt seien. Aber wer war „man“ ?

Ich wurde auf einer Pritsche in die Notaufnahme geschoben. Die Jungs brachten all mein Gepäck rein und stellten es auch in den kleinen Vorraum. Ich nahm ganz schön Platz ein und fühlte mich wie ein Fremdkörper. Aber alle lächelten, waren freundlich und plötzlich fielen die ersten deutschen Wörter. Ein Mann schüttelte mir die Hand und fragte, wo ich her komme und wie mir Argentinien gefallen habe. Es war Prof. Oettinger aus Stuttgart, stellvertretender Jeffe (Chefarzt) der Traumatalogie. Wenn ich was bräuchte, solle ich mich bei ihm melden. Ein anderer Arzt kam und meinte, man müsse nochmal X-rays machen mit Gips. Man schob mich in die Katakomben nach unten, alles topmodern. Vor dem Filmstudio angekommen passierte Anekdote Nr. 2 Die X-rays kosten 53,50 Pesos, cash hier und sofort. Hallo??????? Ein Dame fragte auf Englisch: können sie das zahlen ? Ja, wenn man mir mein Geld von oben bringt. Oben ? Notaufnahme ! Und wo da ? Im Rucksack. Alle Gepäckstücke sind schwarz, nur auf dem Rucksack ist ein rotes X. Es wurde jemand geschickt, der brachte mir meinen Rucksack. Ich zahlte 53,50 Pesos (durch 4,3 dann hat man Euros) und die Bilder wurden geschossen. Der ältere Herr, der mich runtergebracht hatte, schob mich auch wieder rauf, gab mir die Quittung für das Fotoshooting und ich lag wieder neben meinem Klamottenberg mitten in der Notaufnahme.

Mittlerweile waren 3 Stunden vergangen und ich war ganz schön groggy. Irgendwann kam eine fesche junge Dame, Frau Feist, von der Verwaltung und meinte, sie hätte noch kein grünes Licht von der AXA, die bräuchten noch Berichte etc. In der Notaufnahme gab es keinen Handyempfang und ich fragte meinen persönlichen Chauffeur, den älteren Herrn, in feinster Gebärdensprache, ob er mich nicht an einen besseren Ort zum telefonieren schieben könne. Er schob mich in den Garten, mittlerweile hatte er mir einen Stuhl zurecht geschraubt und sagte: Isch hol disch wieder ab wenn alles klor isch. Badischer Akzent würde ich sagen, aber schon lange nicht mehr Deutsch gesprochen. Dieser Spitzbube, hat sich nicht zu erkennen gegeben, hatte aber die ganze Zeit sehr aufmerksam für mich gesorgt. Mit Kissen unter den Kopf und Beinauflage, Ständer für den Tropf, den mit mir rumtrug usw. Ich versuchte mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und telefonierte im Garten. Versicherung, Freunde, Frau, alle kamen dran. Als meine Krankenversicherung sagte, wir können für das Ausland keine Zusage geben, aber sie bekommen natürlich alles erstattet, kam ein Pfleger vorbei, den ich bereits kannte. Er holte mir Frau Feist und bevor ich was sagen konnte, sagte sie: alles klar mit der AXA, wir bringen sie aufs Zimmer. Es war 12 Uhr, 5 lange Stunden seit Ankunft. Das hätte besser laufen können, aber ich war trotzdem glücklich. All mein Gepäck wurde mir aufs Zimmer gebracht und die Dame aus der Notaufnahme, plötzlich sprach sie auch ein bißchen Deutsch, sagte, die Ambulancia Fahrer haben noch was für sie abgegeben. Es war ein Paket MateTee. Das Gefäß und die Pfeife dafür hatten sie mir beim Abschied überreicht. Den Tee hatten sie extra noch in der Stadt gekauft.

Ein Einzelzimmer mit Bad, Klimaanlage, Vollpension (4 x am Tag) und ein elektrisches Bett erwarteten mich. Das Bett, ein  Traum, in Pto. MADRYN musste man das vor Kopf mit der Hand kurbeln. Und mit diesem Gips muss man seine Position pausenlos verändern, damit es erträglich ist. Dazu hätte ich vorher immer jemanden rufen müssen, hab ich nicht getan. Was wünschen sie sich, fragte man um 14 h. Was zu essen war meine Antwort. Und später erklärte man mir, dass ich mich heute Abend nicht zu waschen bräuchte, morgen früh würde ich geduscht. Ach so, is klar. Da kann ich ja gern drauf warten. Die Dinnerbestellung wurde noch aufgenommen, Hühnchen oder Fisch, vorher brachte man mir natürlich auch noch was. An diesem Nachmittag habe ich bestimmt 20 verschiedene Personen auf dieser Station kennengelernt, unglaublich. Ein paar Telefonate, Essen, Schlafen, ein langer Tag, eine lange Nacht und noch ein langer Tag waren zu Ende.
Hospital Alemán – Buenos Aires  |  10.+11. Januar 2009

Die Dusche gab’s tatsächlich. Um 10 nach 5 morgens fummelte jemand an meinem Arm rum und stöpselte mich ab. Die Nachschwester, eine junge Tschechin mit österreichischen Wurzeln, zog mir einen langen Müllsack über mein Bein und klebte ihn fest. Reichte so grade. Dann ab auf den Stuhl und unter die Dusche. Ein Gefühl wie Weihnachten, Haare waschen und auch den kompletten Rest. Kein Wasser mehr auf der Haut seit Dienstag, puuhh.

Ihr Kollege machte mein Bett, dann frische Wäsche an, Haare fönen und ins gemachte frische Bett. Ich fühlte mich wie neu geboren. 4 mal am Tag essen, pausenlos einen neuen Tropf, Fieber messen, Blutdruck, das volle Programm. Nur noch viel voller als in Deutschland. 2 x am Tag wird das Zimmer geputzt, ich weiß nicht, pausenlos ist jemand hier.

Ich habe den ganzen Tag mit Telefonieren und skypen und emails verbracht, endlich konnte ich mit meiner Familie sprechen, per Festnetz. Durch meine kurze Mitteilung auf der Homepage wussten sonst alle Bescheid. Viele liebe Anrufe, mails etc. Danke an alle. Ein kurzweiliger Tag.

Heute habe ich mich tot gestellt und die haben mich erst zum Frühstück geweckt. Viel telefoniert, mit Cousin Bernd in Brasilien geskypt, er hat mir kurz erklärt, wie ich dieses fucking micro einschalte, danach hatte ich gestern stundenlang gesucht, Tante in Gütersloh dazu geschaltet, ich auf meine alten Tage lerne auch noch was Neues dazu. Ansonsten sitze ich nun schon lange an diesen letzten Zeilen.

Heute Mittag kam dann Frau Dr. SCHULZ vom MHD - Malteser Hilfsdienst auf mein Zimmer, wir hatten ein erstes Kennenlernen und ein sehr nettes Gespräch. Morgen früh wird sie sich um meine Abreise kümmern, um 19.00 h geht’s zum Flughafen und um 22.50 hebt der Vogel dann hoffentlich mit uns ab. Um Mi. - 15 Uhr in Frankfurt und von da ins Krankenhaus. Das ist der Plan, der Rest ist unbekannt.
Eine kleine Bilanz meiner Reise

Ich kann gar nicht alles erfassen, was es zu bilanzieren gibt. Viele Erlebnisse und Eindrücke liegen schon so weit zurück. Sie sind verblasst, gewinnen aber sofort Farbe und Emotion, wenn ich auf die Bilder schaue. Ich kann euch viel erzählen, wenn ihr’s wissen wollt. Dazu gibt es demnächst wieder viel Zeit, mit Glühwein am Kamin.

Die menschlichen Erfahrungen waren natürlich gespalten. Durch den Konflikt mit Friedhelm lag ein Schatten auf dieser Reise, der leider nicht wegzuwischen war. Es ist eben nicht einfach, sich auf eine Gruppe einzulassen, die sich in ihrer Zusammensetzung doch sehr fremd ist. Und wenn man nicht über seinen Schatten springen kann, dann gibt’s auch nix mehr zu reparieren. Für mich ist das Thema schon seit langem beendet, es hinterlässt bei mir eigentlich nur ein bißchen Traurigkeit, dass es nicht besser gelaufen ist. Thema durch ! Mit Heiner bin ich ja leider nur wenig zusammen gefahren, wir hatten Spaß und keine Probleme, siehe unsere Bilder mit Santa Claus. Grüße nach Wiesbaden (?) und bis irgendwann mal.

14 Tage mit Robert waren eine besondere Zeit. Bei uns gab es nix zu diskutieren, wir haben alles automatisch zusammen gemacht, gelitten und genossen, digitale Bilder, Freude, Glück, Vertrauen und Emotionen im Herzen. Wie alte Freunde, einfach nur gut ! Danke mein Lieber und bis bald. Ich hatte schon genug darüber geschrieben.

Dass Heinrich und ich die Südtour zusammen antreten würden, hätte ich im Vorfeld nicht gedacht. Dazu war viel zu viel Müll über den email Äther gelaufen, an dem ich mich nicht beteiligt habe. Aber Dinge laufen manchmal anders, als man sie plant, siehe mein Tourende. Wir waren sicher beide in einer angespannten und abwartenden Position, als wir in Santiago losfuhren. Es lagen Weihnachten und Silvester vor uns, 2 besondere und emotionale Tage. Noch nie habe ich die ohne Familie verlebt. Und es war der längste Abschnitt der Reise.

Wir sind dann einfach losgefahren und haben uns kennengelernt. Und das hat sich im Laufe der Reise immer weiter vertieft. Wir hatten tolle Gespräche, einen schönen Gedankenaustausch, wenn einem was nicht passte hat er es gesagt. Heinrich hat für mich durch seine großartigen Ideen und Wünsche unglaublich viel zur Reise beigetragen. Wo waren eigentlich meine Wünsche ? Keine Zeit, wir mussten erst Heinrichs „abarbeiten“, ich hab es sehr sehr gern getan. Weihnachten und Silvester haben wir wunderbar miteinander verbracht, jeder ist auf seine Kosten gekommen. Ohne Heinrich hätte ich von all dem hier wahrscheinlich nur die Hälfte gesehen, ich danke Dir sehr, dass Du der unermüdliche Antreiber warst. Ich war dann der unermüdliche Antreiber beim Mopedfahren, auch das hat wunderbar gepasst. Essen, Pausen, Erleben, Tempo, alles war schön. Und was wir zusammen erlebt haben, meine Berichte und unsere Bilder haben wohl genug ausgesagt. Und dann mein Crash ! Ich glaube Heinrich, Du hattest Dir das Ende auch etwas anders vorgestellt. Und vielleicht wärst Du auch am liebsten geflüchtet. Aber Du bist bei mir geblieben und hast mit Geduld und Beharrlichkeit alles geregelt und hast mich persönlich sehr liebenswert versorgt. Ich danke Dir dafür von ganzem Herzen. Ich glaube, es war auch eine neue, vielleicht besondere menschliche Erfahrung für Dich. Leider hast Du Dich nicht auf meine letzten SMS gemeldet, ich hoffe, es geht Euch gut und Ihr seid schon heil über die Grenze gekommen. Kannst Dir vorstellen, dass Papa sich Sorgen macht. Unsere gemeinsame Zeit in Südamerika hinterlässt ein tiefes Glücksgefühl in meinem Herzen, vom ersten bis zum letzten Tag. Eine Reise, wie sie kaum besser sein konnte, wunderbar und unvergesslich. Danke Heinrich, ich freue mich, wenn wir uns nach meiner OP sehen. Es gibt bestimmt schon wieder viel zu erzählen.

Die Natur und die Menschen, das sind die 2 alles überragenden Themen dieser Reise. Die Natur kann man nicht in Worte fassen, man muss sie sehen und genießen. Das Motorrad ist ein tolles Gefährt dazu, es bringt dich einfach in die entlegensten Winkel.

Wir hatten in knapp 60 Tagen einen halben Tag Regen, ist das nicht irre ?? Alles andere waren nur ein paar Tropfen. Das hat natürlich auch ein unglaublich tolles Erleben geschenkt, die Welt hätte im Regen oft anders ausgesehen. Wir sind durch alle Klimazonen gefahren, von der Wüste bis zum Regenwald. Die Anden sind gewaltig, dagegen sind die Alpen ein Vorgebirge, auch sehr schön aber klein und eng. Die unglaublichen Weiten des bolivianischen Altiplano sind unglaublich beeindruckend, die Wüste hat einen unglaublichen Charme. Vulkane sind toll, manchmal tödlich und zerstörerisch, Gletscher sind einfach nur faszinierend.

Die Menschen in Südamerika sind das eigentliche Asset. Die Herzlichkeit, Wärme und Aufmerksamkeit, die wir erleben durften sind tief in meinem Innersten gespeichert. Diese Art hier würde es bei uns auch vieles positiv verändern können, nicht nur von der Maschine Wirtschaft getrieben, könnten wir uns ein wenig auf die wahren Dinge des Lebens besinnen.

Email und Internet werden es möglich machen, bis zum nächsten Mal den Kontakt zu vielen Menschen, die ich kennengelernt habe, aufrecht zu erhalten. Es war meine erste Reise in Südamerika. So Gott will nicht die letzte. Auf jeden Fall eine Einmalige und Wunderbare. Ich werde Heimweh bekommen, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Danke JORGE NEIRA, danke VINKA QUINTANA, danke Doc SERGIO für das, was ihr für uns respektive mich persönlich getan habt. Man sieht sich. Danke an alle anderen, die uns geholfen haben. Insbesondere an die, die meinen Crash mit begleiten mussten und mich so unterstützt haben.

Dank an die zahlreichen Leser dieser Seite, ich weiß von vielen, dass sie uns sehr eng begleitet haben und ich Euch das Gefühl geben durfte, dabei zu sein. Es hat mir unglaublich viel Spaß (und Arbeit) gemacht.

Ein besonderen Dank an Peggy Stein – Steinzeit Mediendesign in Düsseldorf – Peggy, Du hast mit Deiner Unterstützung diese wunderbare Kommunikation erst möglich gemacht. Muchas gracias für die wunderbaren Panoramabilder, die viele Menschen erfreut haben, bis bald.

Danke MHD, Danke Herr HOISCHEN, Danke Frau Dr. SCHULZ, dass sie mich nach Hause bringen.

Den größten Dank gilt meiner Frau Karin, die mich einfach hat in die Ferne ziehen lassen und mich in jeder Hinsicht immer ermutigt und unterstützt hat. Danke Sascha, dass Du mich in Gedanken begleitet hast und so stolz auf mich bist. Ich liebe Euch.

Dank an meine Eltern und Schwiegereltern, die immer in Gedanken, telefonisch oder per email bei mir waren. Ich habe das sehr gespürt.

Dank an all meine Freunde, ich weiß wie sehr ihr auf der Reise dabei ward und Bilder und Berichte genossen habt.

Und noch einen letzten Dank an meine R 1200 GS Adventure und JORGES R 1200 GS, die mich ohne zu mucken 14.000 km durch Südamerika getragen haben, samt Gepäck. Hoffentlich hat sie JACO jetzt auch noch heil nach Valparaiso gebracht.

Damit ist meine Berichterstattung vom SUD DEL MUNDO erst mal zu Ende. Sollte ich mich bei irgendjemandem nicht bedankt haben, hole ich das persönlich nach. Wenn’s Fragen gibt, schreibt einfach eine email.

Adios, muchas gracias, es war muy muy muy bien
Euer Klaus (der jetzt zusieht, dass er den Gips los wird, um wieder mit Euch Moped zu fahren)

 

 

 

lange Tage | 10. März 2009

Schon März und ich kann immer noch nicht laufen. Geduld, Geduld, Geduld !

Tach zusammen !

Ich wollte mich doch mal wieder melden, hab mich schließlich lange genug ausgeruht. Irgendwie bin ich immer noch nicht wieder zu Hause angekommen, körperlich schon, die Seele ist aber in Südamerika geblieben. Hört sich etwas strange an, ist aber so. Gut, dass ich nicht mobil bin, sonst wäre ich schon Amok gelaufen. Das Laufrad hier in Old Germany dreht sich viel zu schnell. Man hat jeden Tag das Gefühl: Du musst !!! Emails schreiben, Post erledigen, alles abheften und sortieren, Termine, Termine, hier noch anrufen, das nicht vergessen.... !!

Da stellst du Dir schon die Frage: Was ist eigentlich wirklich wichtig in deinem Leben ??

Aber ich wollte Euch ja erzählen, wie es denn so weiterging, nachdem ich am 12. Januar in BUENOS AIRES abgeflogen bin.

Der Rückflug BA-FFM war toll. 1. Klasse Lufhansa, Frau Dr. SCHULZ vom MALTESER HILFSDIENST als "persönliche Begleiterin", besser konnte es nicht sein. Aber ehrlich: Wenn du nicht laufen kannst (bzw. nur auf 2 Krücken), wie willst du dann dein Gepäck ins Flugzeug bekommen und die ganzen Formalitäten erledigen - Zoll, einchecken etc. ?? Ich war sehr, sehr dankbar, dass mir so geholfen wurde.

Ich habe freiwillig auf allen Komfort der 1. Klasse im Flugzeug verzichtet, 2 Schmerz-, 2 Schlaftabletten, Ohrstöpsel und eine Augenklappe gaben mir das Gefühl, vielleicht überstehst Du den Flug irgendwie gut. 12 Stunden Tiefschlaf im Supersessel waren das Ergebnis.

Ich habe alles gut überstanden. Bin am 13. Januar in Duisburg abends um 19 Uhr angekommen, habe 9 Tage auf meine OP warten müssen, weil mein Bein zu stark geschwollen und eine Spannungsblase unterm Gips war (die musste heilen). Jetzt habe ich eine Platte im Bein, 10 Schrauben und alles sei anatomisch gut gerichtet, sagte der Prof. Den Rest müsse nun die Natur machen. Aber die läßt sich Zeit. Also hab ich in Geduld investiert und muss das Abo jeden Tag verlängern. Der nächste Termin zur Röntgenkontrolle ist in 3 Wochen, dann sehen wir weiter.

Ja, wie ging es eigentlich in Argentinien weiter ?

Heinrich und Jacco sind noch 3000 km !!! bis VALPARAISO gefahren, Jacco hätte fast seinen Flug nach Südafrika verpaßt. Die beiden haben jede Menge Spaß gehabt und sind über MENDOSA und SANTIAGO DE CHILE nach VALPARAISO gefahren. Ja, mein Moped ist in VALPO gelandet, aber wir hatten da eine Kleinigkeit vergessen. Wer bringt es den jetzt raus aus Chile ?? Diese Frage stellte sich Heinrich. Obwohl wir alles nach Chile gefaxt haben, Krankentransport, Hospitalrechnung etc. und der Zoll nun wusste, dass ich längst in Deutschland bin, haben sie mein Moped nicht rausgelassen. Jetzt steht es immer noch dort und wartet auf Verschiffung.

Wir hätten in Pto. Madryn einfach noch Heinrichs Namen und Passnummer in die Apostille für den Jacco einsetzen müssen, hätte nix gekostet und meine Adventure wäre schon hier. Aber wenn man da so mit gebrochenem Bein im Hospital liegt, denkt man eben nicht an alles.

Nun habe ich in dieser Woche eine neue Autorisation nach Chile geschickt und wenn alles gut läuft, dann kommt mein Moped vielleicht im Mai hier an. Hätte es eigentlich auch dort lassen können, dann gäbe es einen Grund, schnellstens wieder hin zu fliegenZwinkernd Aber jetzt geht es dort langsam dem Winter entgegen, das kann ich ja bei diesem Sch...wetter auch hier haben. Außerdem geht da noch nix mit Mopedfahren und so.

So, nun wünsche ich allen einen guten Saisonstart und hoffentlich gibt's endlich bald ein paar mehr Sonnenstrahlen. Ich hoffe, ab Anfang April auch mit den ersten Schritten beginnen zu dürfen und dann wird's schon wieder.

Bis bald mal... herzlichst
Klaus

PS:
Die Eindrücke der Reise gibt es in der Bildergalerie.

 

Tag 128 danach | 13. Mai 2009
Ende gut - alles gut !

128 Tage nach meinem Unfall stand eine große Kiste vor der Haustür.... mein Moped..... jetzt bin ich angekommen.


Da stand sie nun, die etwas überdimensionale Holzkiste. TUXHORN HAMBURGO hatte Martina in VALPARAISO mit schwarzer Farbe auf die Kiste gesprayt. Und noch die Frontansicht der Machine dazu. Mir wurde sehr warm ums Herz, als ich den Deckel etwas anhob und einen Blick hinein wagte. Danke Martina, dass Du das "Baby" so ordentlich verpackt hast und dass Du so lange auf mein Moped aufgepasst hast.

Da stand sie, aufrecht, abgespannt und stolz, so wie ich sie in Erinnerung hatte. 15.000 südamerikanische Kilometer mehr auf der Uhr seit Abreise, 12.000 davon hatte ich gefahren. Hätte ich nicht die lästigen Krücken in der Hand gehabt, wahrscheinlich hätte ich erst mal ne Runde gedreht. Spontan kam mir die ausgefallene WELCOME BACK PARTY in den Kopf, die im Januar leider nicht stattfand. Also los, email an Freunde und Nachbarn um am nächsten Abend spontan bei einem Glas Bier und Bratwurst die Kiste zu öffnen. Es wurde eine schöne spontane und große Runde und endlich, nachdem mein "bolivianischer Freund ROBERT" Dienstschluss hatte, haben wir die Kiste aufgemacht. Da stand sei, gedrungen in die Federn gezogen, staubig und unverseehrt. Hinterreifen platt - die hatten wohl wegen ein paar Zentimeter Höhe die Luft rausgelassen. Kabel an die Batterie anklemmen, Starter drücken, das mir sooo bekannte Geräusch des Boxers führte bei mir zu einem Strahlen im Gesicht und zu einem großen Ablaus aller Anwesenden.

Jetzt bin ich angekommen, das letzte Stück und die letzten Emotionen aus Südamerika sind wieder da. Ein Abendteuer hat sein vorläufiges Ende gefunden. Meine Genesung schreitet voran. Seit letzter Woche habe ich die Freigabe, wieder richtig Laufen zu lernen, behutsam aber stetig. Auch das habe ich mir leichter vorgestellt, aber nach 5 Monaten Geduld fühle ich mich jetzt langsam auf der Zielgeraden. Wird schon wieder. Nun werde ich viel trainieren und im Spätsommer sehen wir uns dann bestimmt irgendwo auf 2 Rädern wieder. Danke für die vielen guten Wünsche, die mich in den vergangenen Monaten begleitet haben und für die viele Unterstützung.

Ganz herzliche Grüße an alle, die auf dieser Seite an meinem Abendteuer teilgenommen haben.

Bis bald
EUER KLAUS

In der Bildergalerie werden jetzt am Ende noch die letzten Bilder erscheinen, viel Spaß damit.

 

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